Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Neue Kostenaufstellung für marode Eishalle
Umland Langenhagen Nachrichten Neue Kostenaufstellung für marode Eishalle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 17.06.2018
Was wird aus der inzwischen seit Monaten geschlossenen Eishalle? Der Politik liegen jetzt vier Angebote und neue Zahlen vor. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

Egal, was passiert: Es wird kompliziert. Zur Zukunft der Eishalle beraten Langenhagens Politiker in diesen Tagen einmal mehr, welche Lösung tatsächlich die beste für die Stadt und die Halle sein könnte. Anlass ist die erste Kostenaufstellung der Verwaltung, die alle Szenarien berücksichtigt, aber keine Empfehlung ausspricht. Wer Bürgermeister Mirko Heuer allerdings direkt befragt, erhält eine eindeutige Auskunft. „Ich würde den Weiterbetrieb der Eishalle befürworten.“ Direkte Unterstützung erhält Heuer aus der Politik bislang nicht. Die zehn politischen Vertretungen im Rat entwickeln jetzt auf Basis der Zahlen und rechtlichen Um- und Zustände rund um das baulich marode und finanziell komplizierte Konstrukt an der Brüsseler Straße ihren eigenen Beschlussvorschlag. Wie es heißt, ist in den nächsten Tagen ein Antrag zu erwarten.

Verkauf wirft rechtliche Fragen auf

Der Verkauf der Halle mit oder ohne Grundstück (Variante „A“) wäre für die Stadt die schnellste Lösung – allerdings behaftet mit rechtlich offenen Fragen: Aktuell darf die Eishalle nur als solche genutzt werden. Wer in dem Komplex etwas anderes machen oder nach einem Abriss dort eine andere Nutzung aufbauen möchte, braucht vorher eine Änderung des Bebauungsplanes. Diese braucht Zeit – und wiederum politische Mehrheiten im Rat. Zudem ist die Halle baulich in einem herausfordernden Zustand. Deshalb, so die Grundannahme der Stadt, könnte sie an einen neuen Eigentümer nur für einen symbolischen Preis fernab des Verkehrswertes verkauft werden. Sollte das Areal allerdings später doch anders verwertet werden, könnte die Stadt eine Nachzahlung erwarten und legt für die 9190 Quadratmeter einen Bodenrichtwert von 130 Euro bei Dienstleistungen und 82 Euro bei Produktionsstätten zugrunde. Der Verkehrswert ergäbe sich aus dem Bodenrichtwert in Kombination mit dem Gebäudewert oder den Abrisskosten. Das klingt einfach und birgt doch Fragezeichen: Denn es ist bislang rechtlich nicht geklärt, ob die Stadt Gemeindevermögen unterhalb des Verkehrswertes überhaupt weggeben darf.

GMF will Projekt nicht zusätzlich zur Wasserwelt übernehmen

Vor diesem Hintergrund wirkt Variante „B“ wie eine Fingerübung: Die Stadt hat die Wasserwelt-Betreiberin, die Münchner Firma GMF, befragt, ob sie die Eishalle betreiben möchte. Die knappe Antwort ist klar: Nein. Ein „ausgewogenes Nutzen-/Aufwandverhältnis“ sei nicht darstellbar. Dies vor allem angesichts des Genehmigungsstandes der Eishalle und der angespannten Personallage auf dem Freizeitmarkt.

Abriss der Eishalle kostet knapp 570.000 Euro

Variante „C“ beschreibt den Rückbau der Halle und die Verwertung des Grundstückes durch die Stadt nach Änderung des Bebauungsplanes. Dazu hat die Stadt eine Kostenschätzung des TÜV Nord eingefordert. Sie wird trotz noch fehlender exakter Schadstoffwerte und ihrer etwaigen Entsorgungskosten bei knapp 570.000 Euro erwartet.

Grundlage für neuen Betreiber wäre so gut wie nie

Variante „D“ – der Weiterbetrieb als Eishalle durch einen Pächter – wirkt auf den ersten Blick wie die x-te Wiederholung eines schlechten Filmes, offenbart aber eine tatsächlich neue Ausgangsposition. Denn den inzwischen vier existierenden Betreiber-Angeboten legt die Stadt mit dieser Drucksache neue Zahlen, vor allem aber eine verbesserte finanzielle Absicherung vor. Keinem der bisherigen Pächter bot die Stadt eine derart solide Kostenübernahme beispielsweise für die Bauunterhaltung oder die technische Instandhaltung an. Als Sachkosten veranschlagt die Stadt insgesamt jeweils pro Jahr rund 160.000 Euro, als Personalkosten für den Einsatz von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern auf Stadtseite bis zu 120.000 Euro sowie für Versicherungen und Grundabgaben insgesamt knapp 45.000 Euro. Als Betriebskostenzuschuss an den Pächter stehen weiterhin 120.000 Euro jährlich in Rede. Im Gegenzug erwartet die Stadt eine Pacht von 25.000 Euro pro Jahr.

Nachfrage nach Hallenzeiten wächst

Schenkt man dem Rat der Stadt Glauben, ist mit den ersten politischen Vorschlägen zur Zukunft der Eishalle innerhalb der nächsten Tage und mit einer Entscheidung sogar noch vor der Sommerpause zu rechnen. So jedenfalls äußerten sich gleich mehrere Fraktionsvertreter am Rande der jüngsten Ratssitzung, in der die vorgelegte Informationsdrucksache der Stadt vorgelegt worden war. Wie wichtig die Halle der Stadt und ihrer Politiker ist, wurde an diesem Abend nicht wirklich klar. So gab es zwar gegen 22.28 Uhr und damit nach knapp vier Stunden Sitzungsdauer noch einen leidenschaftlichen Appell eines Einwohners, der die dringende Nachfrage nach Eiszeiten in der nördlichen Region unterstrich. Sowohl das Stadion am Pferdeturm als auch in Mellendorf seien vor allem für die Jugend kaum noch nutzbar.

Gleichwohl merkte SPD-Ratsherr Marco Brunotte an, dass sich eben nur noch ein einziger Langenhagener in dieser Art öffentlich zu Wort gemeldet habe. In früheren Sitzungen hatten sich wiederholt Eis-Sportler für den Erhalt der Halle eingesetzt. Hinter den Kulissen erntet Bürgermeister Mirko Heuer mit seinem Wunsch nach einem Hallen-Erhalt überdies Kritik. So fehle im Ergebnishaushalt für die laufenden Kosten ein Ansatz für den Hallenbetrieb. Auch sei die Stadt dem politischen Wunsch nach einer baulichen Instandsetzung nicht nachgekommen.

Für einen Bedarf weiterer Eisflächen spricht das Interesse möglicher Pächter. Zu den seit Monaten unverändert vorliegenden Angeboten des Pferdeturmbetreibers Gerhard Griebler, der Familie Haselbacher aus Mellendorf und des Architekturbüros XAI ist inzwischen ein viertes hinzu gekommen: Auch der frühere Eishockey-Spieler Daniel Reiss hat seinen Hut in den Ring geworfen.

Von Rebekka Neander

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Freiwilligenagentur Langenhagen hat am Dienstag an 14 freiwillig engagierte Bürgerinnen und Bürger Ehrenamtskarten verliehen. Die Karten sechs weiterer Ehrenamtlicher wurden verlängert.

17.06.2018

Im März 2019 schließt der vorerst letzte Supermarkt in Engelbostel. Ortsrat und Fachausschuss wollen jetzt den Weg für einen Neubau am Stadtweg ebnen. Wann dieser öffnet, ist jedoch offen.

16.06.2018

Die Langenhagener Nachwuchsorganisation des Naturschutzbundes trifft sich zum „Tümpeln“ auf der Naturweide. Unter dem Motto „Frösche, Libellen und Co.“ kommt die Rudi-Rotbein-Gruppe am 23. Juni zusammen.

16.06.2018