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Nachrichten Polizei: Schulen wehren sich gegen Erziehungsdruck
Umland Langenhagen Nachrichten Polizei: Schulen wehren sich gegen Erziehungsdruck
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00:25 21.05.2018
Die Kriminalitätsstatistik für Minderjährige in Langenhagen zeigt eine positive Tendenz. Zugleich aber offenbar sich: Schulen wehren sich gegen Erziehungsauftrag. Quelle: Rebekka Neander (Symbolbild)
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Langenhagen

 Vier Kinder streiten sich. Irgendwann stehen sich am Gartenzaun auch die jeweiligen Eltern gegenüber. Was wie ein herkömmlicher Nachbarschaftsstreit enden könnte, liest sich in Langenhagens Polizeistatistik deutlich dramatischer: „Am Ende stehen hier vier bis fünf Straftaten und sieben Tatverdächtige.“ So deutlich die Zahlen, so deutlich aber auch die Entwarnung. Dies betonte Rüdiger Vieglahn, Leiter des Kriminalermittlungsdienstes der Polizei Langenhagen, jetzt bei der Präsentation der Statistik für Kinder und Jugendliche. „Wir reden hier am Ende über Beleidigungen und den Verdacht der Körperverletzung, weil eine Mutter zwei Kinder unsanft an den Handgelenken festgehalten hat.“

Langenhagens Jugend wächst gegen den Trend

Kurz: Die Polizei Langenhagen hat mit dem Zahlenmaterial für 2017 gute Gründe, mit Vorurteilen aufzuräumen. „Langenhagen ist eine Stadt, die im Land gegen den Trend bei den Jugendlichen wächst“, stellte Vieglahn zur Präsentation voran. „Dass in einigen Städten die Zahlen bei der Jugendkriminalität sinken, ist dort zum Teil der Tatsache geschuldet, dass ihr Anteil an der Bevölkerung abnimmt. Dies ist in Langenhagen aber nicht so“, hält auch Kommissariatsleiter Andreas Alder klar fest. Dies unterstreiche zusätzlich: „Wir können in Langenhagen keineswegs über die angeblich so schlimme Jugend klagen.“

In Zahlen heißt das: Der Anteil der Minderjährigen an der Gesamtbevölkerung Langenhagens liegt bei 17 Prozent (13 Prozent davon sind Kinder). Doch von den in 2017 insgesamt aktenkundig gewordenen 2239 Tatverdächtigen sind nur 228 und damit nur gut 10 Prozent unter 18 Jahren (66 Kinder, 162 Jugendliche). Darunter haben 48 Kinder und 117 Jugendliche die deutsche Staatsangehörigkeit. „In dieser Statistik sind alle Delikte, die im Rahmen des Asylverfahrensgesetzes anfallen können, bereits herausgenommen“, erläuterte Vieglahn. In Langenhagen wurden im vergangenen Jahr 4925 Straftaten aufgenommen, nur 235 davon sind Minderjährigen zuzuordnen (74 Kindern, 161 Jugendlichen). In allen erfassten Bereichen ist die Mehrzahl der Täter männlich. 

Vertreter der Stadt verfolgen Präsentation der Statistik

Alder und Vieglahn, die zur Präsentation sowohl die mit dem Aufgabengebiet betraute Kollegin Almuth Goldammer eingeladen hatten als auch Vertreter des städtischen Jugendamtes, machen jedoch keinen Hehl aus einem gesellschaftlichen Phänomen: „Den Erlass, dass Schulen mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten und Delikte anzeigen sollen, gibt es zwar bereits seit einigen Jahren“, sagte Vieglahn. „Doch offenbar setzen sich die Schulen jetzt vermehrt mit Hilfe dieses Erlasses dagegen zu Wehr, dass ihnen Eltern den Erziehungsauftrag überlassen“, ergänzte Alder. „Sie dulden solche Aussagen der Eltern nicht mehr, das Kind müsse sich eben ausleben.“ 

So stieg die Zahl der ermittelten Körperverletzungen bei Jugendlichen von 14 in 2015 auf insgesamt 33 im vergangenen Jahr. Dabei waren in 10 Fällen Mädchen sowie in 23 Fällen Jungen die Täter. Beim Diebstahl bleibt die Zahl der Jugendlichen mit 27 ermittelten Tatverdächtigen weitgehend stabil. Die Zahl der ermittelten Kinder stieg dagegen von 12 Personen in 2015 auf 21 in 2017. In der Rubrik Ladendiebstahl ermittelte die Polizei 15 Jugendliche und 12 Kinder. Insgesamt wurden dabei 21 Taten protokolliert. „Die Täter gehen nicht selten gemeinschaftlich vor“, sagte Vieglahn. Bei den Sachbeschädigungen ermittelte die Polizei 65 Erwachsene, 12 Heranwachsende, 12 Jugendliche sowie 9 Kinder als Täter. 

Konsum von Cannabis ist für Jugendliche besonders gefährlich

Bedenklich ist aus Sicht der Polizei weiterhin der Konsum von Cannabis durch Jugendliche. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei Heranwachsenden, deren Hirn sich noch in der Reifung befindet, schon der einmalige Konsum von Cannabis bleibende Schäden auslösen kann“, betonte Alder. Er lehnt deshalb jegliche Legalisierung ab. Im vergangenen Jahr wurden 13 Langenhagener Jugendliche beim Kiffen erwischt. Dies sind allerdings 9 weniger als im Vorjahr. 

Besonderes Lob sprachen die leitenden Polizeibeamten der Kooperation mit der Stadt Langenhagen aus. Die enge Zusammenarbeit sei gerade im präventiven Bereich herausragend. „Wir werden sogar von auswärtigen Kollegen darauf angesprochen, wie gut man mit den Kollegen im Jugendamt zusammenarbeiten könne“, betonte Vieglahn. 

Von Rebekka Neander

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