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Nachrichten Reemtsma baut „bis zu 159 Stellen“ ab
Umland Langenhagen Nachrichten Reemtsma baut „bis zu 159 Stellen“ ab
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00:38 18.06.2018
Bis zu 159 Arbeitsplätze muss der Zigarettenproduzent Reemtsma in Langenhagen abbauen, um auf neue Regularien der EU reagieren zu können. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Seit Tagen waberten die schlimmsten Gerüchte durch die Stadt: Schließt Reemtsma, einer der größten Arbeitgeber Langenhagens und einer der bedeutenden Gewerbesteuerzahler, seinen Standort an der Tonkuhle? Erklärt sich damit der jüngst im Rathaus für 2018 bekanntgegebene Gewerbesteuereinbruch um 12 Millionen Euro? Jetzt haben Stadt und die 860 Mitarbeiter Gewissheit: Der Standort bleibt erhalten, allerdings müssen in den nächsten zwei Jahren „bis zu 159 Arbeitsplätze“ wegfallen. Wie viele dieser Stellen sozial verträglich oder durch schlichte Nichtbesetzung offener Posten abgebaut werden können, darüber wollen Werksleitung und Betriebsrat jetzt in Verhandlung treten. Unternehmensführung und Betriebsrat hatten am Freitag gemeinsam die Belegschaft informiert.

Reemtsma reagiert mit diesem Stellenabbau auf die neue EU-Regulierung „Track&Trace“, nach der ab Mai 2019 alle in der EU produzierten Tabakverpackungen sowie jedes Gebinde und jeder Karton mit einem eigenen Code versehen werden müssen. Verbunden ist damit ein hochkomplexes Nachverfolgungssystem, um Schmuggel zu unterbinden, wie Unternehmenssprecherin Doreen Neuendorf auf Nachfrage berichtete. Die Umrüstung der Maschinen sei kostspielig und betrifft Langenhagen in besonderem Maße: Von dem Werk an der Tonkuhle wird in 61 Länder und 20 Duty-free-Märkte exportiert, rund 35 Prozent des Exportvolumens geht in Länder außerhalb der EU.

Investitionen in Standort Langenhagen gehen weiter

Spekulationen zur Zukunft des Standortes entzog Neuendorf jede Grundlage: „Die Investitionen in diesen Standort sowohl in jüngerer Vergangenheit als auch in nächster Zukunft umfassen einen zweistelligen Millionenbetrag.“ Das Unternehmen bekenne sich klar zum Standort. Den Mutmaßungen, der jüngste Gewerbesteuereinbruch für Langenhagen sei auch auf Reemtsma zurückzuführen, entgegnete sie lediglich: „Es gab in 2017 keinen Rückgang im Produktionsvolumen.“ Die Neupositionierung, die laut Neuendorf „noch nicht abgeschlossen ist“, betreffe den gesamten Konzern. Ähnliche Verhandlungen laufen derzeit auch am Standort Hamburg. Dem Vernehmen nach gelte dort derselbe Sozialplan, wie er für Langenhagen geplant ist. Langenhagens Wirtschaftsförderer Jens Monsen äußerte sich auf Nachfrage durchaus erleichtert. Der Wegfall von Arbeitsplätzen sei immer belastend, doch das Festhalten am Werk in Langenhagen sei für die Stadt immens wichtig.

Ältere Mitarbeiter haben Angst vor Arbeitslosigkeit

Eine Vielzahl der Mitarbeiter verließ am Freitagmittag das Werk mit gemischten Gefühlen. Einige lobten auf Nachfrage die frühzeitige Information durch den Arbeitsdirektor Patrick Toms aus der Hamburger Unternehmenszentrale und Rainer Eberlein, Direktor für Planning und Suply, sowie den Langenhagener Werksleiter Ulf Fritzsche. Viele aber bezeichneten den angekündigten Stellenabbau als „Schlag ins Kontor“. Vor allem ältere Kollegen hätten Angst, nach einer Entlassung keinen neuen Job mehr zu finden. „Viele sagten, sie hätten ihr halbes Leben bei der Reemtsma verbracht“, sagte eine Mitarbeiterin.

Tatsächlich ist der Standort in den letzten Jahren außerordentlich gewachsen. Zuletzt waren 2011 nach der Schließung des Werkes in Berlin 120 Kollegen von dort nach Langenhagen gewechselt. Nun setzen die Mitarbeiter ihre Hoffnungen in den Betriebsrat, der kommende Woche mit den Verhandlungen beginnen will. Lutz Genzky, Belegschaftsvertreter in Langenhagen, und seine Hamburger Kollegin Heike Prieß begleiteten am Freitag ebenfalls die Betriebsversammlung.

Von Rebekka Neander

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