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Nachrichten Montessori-Schule droht Räumungsklage
Umland Langenhagen Nachrichten Montessori-Schule droht Räumungsklage
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15:33 24.02.2018
Eine große Gruppe von Eltern, deren Kinder die Montessori-Grundschule in Langenhagen besuchen, hat dem Rat ihre Sorgen vorgetragen. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

 Das Regionsklinikum hat gegen das „Educaretion Center Langenhagen“ im Eichenpark Räumungsklage eingereicht. Dies wurde jetzt am Rande der Ratssitzung bekannt. „Wir hatten jetzt keine andere Wahl“, erläuterte dazu Klinikumssprecher Bernhard Koch auf Nachfrage dieser Zeitung. 

Die vom Ehepaar Berger aus Grethem geleitete „Gemeinnützige Gesellschaft für ganzheitliche Pädagogik mbH“ hatte laut Koch die Räume des Klinikums 2007 für zehn Jahre gemietet. In dem „Educaretion Center“ bietet die Gesellschaft sowohl einen bilingualen Kindergarten sowie eine Grundschule nach Montessori-Pädagogik an sowie Ballett-, Musik- und Sprachunterricht. „Vor zwei Jahren haben wir fristgerecht den Mietvertrag gekündigt“, berichtet Koch. Doch erst Monate später habe der Schulträger ein erstes Mal offiziell darauf reagiert. „Man bat uns um eine Übergangsfrist“, die das Klinikum gewährte, um den Schulbetrieb nicht mitten im Schuljahr beenden zu müssen. Doch auch zum seinerzeit festgelegten Auszugsdatum Ende Juni 2017 seien die Räume nicht geräumt worden. „Deshalb mussten wir jetzt reagieren“, so Koch.

Hintergrund der Eskalation ist offenbar die bislang vergebliche Suche nach neuen Räumen, wie Geschäftsführer Hans-Christof Berger auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte. „Wir wollten die Schule künftig nicht nach der Grundschule enden lassen und haben uns deshalb auf die Suche nach einer größeren Immobilie gemacht.“ Bis heute aber seien diese Bemühungen ohne Erfolg geblieben.

Eltern bitten Ratspolitiker um Hilfe bei der Suche nach Räumen

Während der Einwohnerfragestunde des Rates war eine größere Gruppe offenkundig betroffener Eltern aufgetreten und hatte Langenhagens Politiker um Hilfe gebeten. Wenn keine neuen Räume gefunden würden, müssten sich die Langenhagener Eltern kurzfristig einen neuen Platz für ihre Kinder an Regeleinrichtungen suchen. Dies aber sei für viele nicht einfach. „Viele Kinder haben erst an der Montessori-Schule endlich eine Bleibe gefunden, die ihren besonderen Bedürfnissen gerecht wird, und haben bereits eine lange unerfreuliche Odyssee hinter sich“, beschrieb es eine Mutter. Bürgermeister Mirko Heuer bestätigte dem in Teilen von der Räumungsklage offenkundig überraschten Rat die bislang vergebliche Suche nach Räumen. „Wir haben unseren Part aber getan“, betonte Heuer und verwies unter anderem auf Räume am Frankenring in Godshorn. In jenem Gebäude, in dem auch die Stadt Räume für ihre Bauverwaltung gemietet hat, seien noch Kapazitäten frei. Warum es letztlich mit einer Vermietung nicht geklappt habe, entziehe sich jedoch seiner Kenntnis. 

Klinikum benötigt Räume im Eichenpark selbst für 20 Patienten

Das Regionsklinikum benötigt die Räume im Eichenpark selbst, wie Koch berichtete. „Derzeit haben wir 992 Quadratmeter für diese Station mit 20 Patienten in dem benachbarten Altenzentrum Eichenpark angemietet.“ Um diese Ausgaben zu sparen, wollte man die an das Educaretion Center vermieteten Räume nach regulärem Ende des Mietvertrages selbst nutzen. Solange die Einrichtung den in Rede stehenden Bereich jedoch nicht räume, müsse das Klinikum die Räume im Altenzentrum weiter mieten. 

Von 60 Kindern des Educaretion Centers kommen 25 aus Langenhagen

Nach Bergers Angaben besuchen derzeit rund 60 Kinder die Einrichtung regelmäßig: zwei altersübergreifende Lerngruppe von jeweils 20 Kindern seien im Grundschulalter, eine weitere Gruppe von 20 Kindern besuche den Kindergarten. 25 Kinder davon kommen laut Berger aus Langenhagen, der Rest wohne außerhalb der Flughafenstadt. Berger betonte im Gespräch, dass zwar der Verbleib der Einrichtung in Langenhagen derzeit nicht gesichert sei, „die Einrichtung selbst aber ist nicht in Gefahr“. Sollten sich in Langenhagen kurzfristig keine Räumlichkeiten finden lassen, so Berger, werde die Einrichtung aus der Stadt weggehen.

Zieht Educaretion nach Garbsen?

Sollten sich für das Educaretion Center in Langenhagen keine Räume finden, zeichnet sich jetzt unter Umständen eine Lösung in Garbsen ab: Wie Stadtsprecher Benjamin Irvin auf Nachfrage bestätigte, hat Hans-Christof Berger Kontakt mit der Garbsener Stadtverwaltung aufgenommen. „Auf der Suche nach einem dauerhaften Standort für seine Montessorischule“, so Irvin, stehe Berger in Verhandlungen mit dem Eigentümer einer Immobilie in Garbsen. Da der geplante Wechsel in neue Räumlichkeiten auch bei zügiger Einigung mit dem Eigentümer angeblich nicht mehr zum kommenden Schuljahr realisiert werden könne, habe sich Berger in der Stadtverwaltung Garbsen nach der Möglichkeit einer Übergangslösung erkundigt. Die Stadt Garbsen habe dem Educaretion Center „nur für den Fall, dass eine Einigung zwischen dem Eigentümer der Immobilie und Herrn Dr. Berger zustande kommt und er somit langfristig mit seinem Schulangebot nach Garbsen wechseln wird“, stadtseitig für das kommende Schuljahr im derzeit nicht belegten Teil eines ehemaligen Schulgebäudes Räume angeboten. 

Am Tag der offenen Tür am Sonnabend, 23. April, will das Educaretion Center deshalb in jedem Fall festhalten. Berger kündigte an, bei diesem Fest, an dem auch alle bereits dort untergebrachten Kinder mit ihren Familien teilnähmen, über die unklare Raumfrage zu informieren. Auf der Homepage der Einrichtung ist bislang weder etwas von dem Plan einer Erweiterung oder der Suche nach Räumen zu lesen. 

Von Rebekka Neander

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