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Umland Langenhagen Nachrichten Verdi bestreikt das Rathaus in Langenhagen
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00:24 09.03.2018
Keiner kommt rein: Verdi-Mitglieder streiken vor dem Rathaus in Langenhagen. Quelle: Antje Bismark
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Langenhagen

 Mit einem Warnstreik am Dienstagmorgen von 6 bis 8.30 Uhr wollen Verdi-Mitglieder aus dem Rathaus den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, die nach Aussage von Peter Kleinsorge, Vorsitzender des Personalrates, in den laufenden Tarifverhandlungen kein Angebot unterbreitet haben. Doch in Langenhagen schwingt bei den Beschäftigten noch eine andere Sorge mit: Seit dem Haushaltsbeschluss der Gruppe der Vielfalt fürchten viele Mitarbeiter, dass frei werdende Stellen nicht mehr oder nur verzögert besetzt werden. 

Eigentlich schließt Hausmeister Sascha Sonnemann an jedem Morgen die Türen des Rathauses auf, an diesem Dienstag aber steht er mit anderen Gewerkschaftern im Hof der Verwaltung. „Ich finde es wichtig, dass auch wir im öffentlichen Dienst mehr Gehalt bekommen, allein als Inflationsausgleich“, sagt er. Schon jetzt bekämen Verwaltungsangestellte weniger Geld als Beschäftigte in der freien Wirtschaft, meint er bei seinem ersten Warnstreik im Rathaus.

Christoph Kormann hat vor zehn Jahren seine Ausbildung als Fachkraft für Abwassertechnik bei der Stadt absovliert, heute arbeitet er an der Kläranlage. Und gerade deren Mitarbeiter müssten mehr Geld bekommen: „Die Kollegen leisten eine sehr gute Arbeit, wie sich an den geringen Abwassergebühren ablesen lässt, deshalb sollte ihre Arbeit auch mehr wert sein.“ Hinzu komme, dass eine Verwaltung mit der freien Wirtschaft um Nachwuchs konkurriere. Schon jetzt gingen keine oder nur wenige Bewerbungen um technische Berufe wie auf der Kläranlage ein, diesem Trend gelte es mit guten Gehältern entgegenzuwirken. „Da reicht das Argument eines sicheren Arbeitsplatzes nicht aus, das gilt in der Wirtschaft längst für gute Fachkräfte.“

Er unterstütze deshalb die Forderung von Verdi in den Tarifverhandlungen, die unter anderem eine Gehaltserhöhung um sechs Prozent oder einen Sockelbetrag von 200 Euro monatlich, die Übernahme von Auszubildenden nach erfolgreicher Prüfung oder die Anhebung des Nachtzuschlags um 20 Prozent in den Krankenhäusern vorsehe. „Leider haben die Arbeitgeber bislang kein Angebot vorgelegt“, sagt Personalratschef Kleinsorge, der während des Warnstreiks nicht nur das Gespräch mit den Gewerkschaftern sucht, sondern auch mit jenen Mitarbeitern, die eigentlich arbeiten wollen, nun aber vor verschlossenen Türen stehen.

Von Aussperrung und Willkür ist die Rede bei den Beschäftigten, die sich auf dem Waggumer Hof versammeln. Auch in der Tiefgarage warten Mitarbeiter darauf, dass jemand die Tür öffnet. „Hätte ich von dem Streik gewusst, hätte ich länger geschlafen“, sagt einer von ihnen. Und ein anderer fügt hinzu: „Ich akzeptiere die Situation jetzt einfach.“

Ratsbeschluss verunsichert die Mitarbeiter

Gut 970 Mitarbeiter zählt die Langenhagener Verwaltung, und etliche von ihnen seien nach dem Ratsbeschluss verunsichert. Dieser sieht unter anderem die Kürzung der Personalkosten um 10 Prozent vor und einen Kostendeckel von 47 Millionen Euro im Haushalt 2018 – das führt dazu, dass der Rat jede Stelle genehmigen muss, die neu besetzt wird. Der Wunsch der Verwaltung lag bei 48 Millionen Euro, auch das, so Bürgermeister Mirko Heuer seinerzeit, sei schon „sportlich“. 

„Pro Jahr verlassen etwa 100 Beschäftigte die Verwaltung, da sorgen sich viele, wie sie die Arbeit ohne neue Kollegen bewältigen sollen“, sagt Kleinsorge. Wie lange bleibt eine Stelle unbesetzt? Und was passiert, wenn der Rat einem Nachfolger nicht zustimmt? „Diese Fragen führen zu einer großen Verunsicherung“, sagt der Personalratschef und fügt hinzu, viele Mitarbeiter fühlten sich nicht wertgeschätzt. Das hänge auch damit zusammen, dass die Gruppe der Vielfalt nicht habe erklären können, auf welcher Basis sie das Sparziel festgelegt habe.

Von Antje Bismark

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