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Langenhagen Eltern zeigen privaten Schulträger an
Umland Langenhagen Eltern zeigen privaten Schulträger an
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00:19 14.10.2018
Eigentlich sollte in diesem Gebäude in Godshorn eine Schule entstehen. Doch Eigentümer und Schulträger sind im Streit auseinander gegangen. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen/Godshorn

Die Langenhagener Montessori-Schule gehört der Vergangenheit an. Der Räumungsklage gegen den Betreiber Hans-Christof Berger für die bis zum Sommer genutzten Gebäude im Eichenpark folgt nun ein Streit zwischen Berger als Geschäftsführer und Schulleiter in Personalunion sowie dem Godshorner Architekten Reiner Godorr. Er sollte eines seiner Gebäude an der Hauptstraße im Auftrag Bergers umbauen, beide gingen jedoch im Streit auseinander. Die eigentlich für Mitte Oktober geplante Schuleröffnung fällt damit aus. Inzwischen haben drei Väter gegen den Schulträger eine Anzeige erstattet, nun hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Die Familien, deren Kinder zum Teil einen besonderen Förderbedarf haben, suchen nun verzweifelt einen Schulplatz für ihren Nachwuchs.

Blaumen Hof wurde für Schule umgebaut

Damit eskaliert ein Streit mit langer Vorgeschichte: Schon vor mehr als zwei Jahren hatte das Klinikum der Region Hannover dem Schulträger die Räume im Eichenpark wegen Eigenbedarfs gekündigt. Im Sommer 2018 folgte die Räumungsklage. Zwar hat Berger nach eigenen Angaben ein neues Quartier gesucht, Vorschläge der Eltern aber nicht berücksichtigt, wie der Langenhagener Andreas Eilers sagt. Mit Godorr fand Berger dann offenbar einen Immobilienbesitzer, der der Montessori-Idee so positiv gegenübersteht, dass er den zuvor für Wohnungen umgebauten Blaumen Hof neu konzipierte und für etwa eine halbe Million Euro für die Erfordernisse der Montessori-Schule umbaute. Stets mit dem Hinweis, dass der von Berger genannte Starttermin am 15. Oktober wegen der notwendigen Baugenehmigung nicht zu halten sei.

Monte Quelle: Sven Warnecke (Repro)

Diese Einschätzung bewahrheitet sich nun für die Eltern: Nachdem der Schulträger wegen nicht vorhandener Räume die Sommerferien bis Anfang September verlängert hatte, dann ins Jugend- und Gästehaus Gailhof auswich – geht nun der Unterricht für die Kinder nicht in Langenhagen weiter. All dies hätte Berger wissen und den Eltern mitteilen müssen, meinen die drei Väter Andreas Eilers aus Langenhagen, Tamer Narim aus Seelze und Kay Steinmetz aus Laatzen. Sie kritisieren zudem, dass der Schulträger den zugesagten Unterricht in den Herbstferien ausfallen ließ und werfen ihm deshalb Betrug vor.

Denn die Familien zahlten die volle Schulgebühr von August bis einschließlich 14. Oktober. Mehr noch: „Als ich im August meinen sieben Jahre alter Sohn an der Montessori-Schule angemeldet habe, wusste die Leitung doch bereits, dass es mit der weiteren Unterrichtsversorgung Schwierigkeiten geben wird“, kritisiert Steinmetz. Gleichwohl musste auch er die gehaltsabhängige Schulgebühr zahlen – und das, obwohl offenbar am Ende keine examinierten Lehrer die etwa 15 Jungen und Mädchen unterrichteten. „Es ist erschreckend, was man jetzt so alles erfährt“, betont Eilers und spricht von einem „Schlag in den Nacken“.

Landesschulbehörde wusste nichts von Ausweichquartier

Die Landesschulbehörde, die nach Aussage eines Sprechers nicht über das Ausweichquartier in Gailhof informiert worden war, macht den verzweifelten Eltern Hoffnung: Die Kinder würden nach dem 15. Oktober auf alle Fälle, wenn gewünscht, in einer Regelschule unterkommen, betont Behördensprecher Andreas Herbig auf Nachfrage dieser Zeitung. Zu der aktuellen Situation an der Schule könne er mit Verweis auf eine aktuelle „Anhörung des Schulträger durch die Niedersächsische Landesschulbehörde“ keine weiteren Angaben machen. Auch nicht zu der Frage, ob die Behörde etwa Kenntnis über die Qualifikation der Lehrkräfte hatte.

„Lernen in einer öffentlichen Schule, das schaffen die Kinder nicht, die sind damit überfordert“, klagt Eilers. Denn es handele sich bei den Schülern „allesamt um gescheiterte Schulexistenzen“ – zumeist aufgrund eines speziellen Förderbedarfs. „Was tut man den Kindern nur an.“ Eilers kritisiert die Schulleitung, aber auch die Landesschulbehörde. Die Eltern seien nun bestrebt, einen der wenigen Plätze in anderen Privatschulen zu ergattern. Zur ungewissen Situation aktuell sagt Tamer Narin als Vater einer elfjährigen Tochter: „Abgesehen von uns: Den Kindern geht es richtig schlecht.“

Reiner Godorr hätte Eltern und Kindern gerne geholfen. Quelle: Sven Warnecke

Der Schulträger indes geht davon aus, dass der Unterricht weitergeht. Es sei zwar „trotz intensivster Bemühungen“ nicht gelungen, das Gebäude in Godshorn bis zum 15. Oktober fertig zu stellen und die notwendigen rechtlichen Grundlagen zu schaffen, lässt Berger auf Nachfrage dieser Zeitung schriftlich übermitteln. Darüber seien auch die Eltern informiert worden. Die Schule gehe deshalb nun eine Kooperation mit der Mira-Lobe-Schule in Bemerode ein. Dort seien entsprechende Räume angemietet worden, so dass der Unterricht am 15. Oktober fortgesetzt werden könne. Berger fügt hinzu, dass alle Versuche bei offiziellen Stellen innerhalb Langenhagens gescheitert seien, eine alternative Unterbringung zu ermöglichen. Auch leer stehende Container seien verwehrt worden. „Die Schullandschaft in Langenhagen ist dadurch – zu mindestens zur Zeit – um ein weiteres Angebot ärmer.“

Hauseigentümer bleibt auf Kosten sitzen

Das Aus der Montessori-Schule in Godshorn sorgt in der Ortschaft inzwischen auf für einen öffentlichen Streit. Denn der Godshorner Architekt und Planer Reiner Godorr – der nach eigenen Angaben von der Montessori-Idee begeistert und überzeugt ist – erfuhr von der Misere und wollte helfen. Das von ihm an der Hauptstraße zu Wohnungen umgebaute Ensemble des Blaumen Hofes könnte passen. Nach einer Besichtigung zeigten sich die Verantwortlichen der Montessori-Schule unter der Leitung von Hans-Christof Berger auch mehr als begeistert. Das geht aus einem Schriftwechsel zwischen Schulleitung und Godorr hervor, der dieser Zeitung vorliegt.

Godorr, der zehn Jahre in Godshorn Ortsbürgermeister war, ließ das komplette Gebäude umbauen entsprechend der Belange einer Montessori-Schule. Er investierte eigenen Angaben zufolge etwa 500.000 Euro. Gleichwohl habe er, so Godorr, bereits von Anfang die Schulleitung gewarnt, dass die anvisierten Zeitpläne bis zum 15. Oktober angesichts einer noch fehlenden Baugenehmigung so rasch nicht funktionieren würden. Was ihn nun ärgert, ist die Tatsache, dass er dem letzten Mieter – dem Betreiber eines Yoga-Studios – zugunsten der Schule bereits gekündigt hat.

Godorrs Warnungen – und nach mehreren Elternsitzungen – folgte ein Kleinkrieg zwischen Schulleitung und Investor. Dieser gipfelte darin, dass Godorr vom Schulleiter angesichts der Mietforderungen für die gut 1530 Quadratmeter großen Räume öffentlich als „raffgierig“ bezeichnet worden sein soll, wie es Zeugen berichten. Dabei habe Godorr eigenen Angaben zufolge 7,50 Euro pro Quadratmeter verlangt. Also durchaus üblich, wie der Architekt sagt. Er spricht davon, dass der Schulleiter ihn „richtig hinters Licht geführt“ habe. Denn dieser wollte wegen schwindender Schülerzahlen später nur noch eine Teilfläche mieten. „Ich baue doch keine komplette Montessori-Schule, um dann nur ein Fünftel der Fläche zu vermieten“, sagt Godorr verärgert.

Unterstützung erfährt er von den Eltern wie Vater Tamer Narin. „Ich möchte nicht, dass über Herrn Godorr schlecht geredet wird“, stellt dieser klar. Denn Godorr habe sich mehr als generös gezeigt. Der Godshorner selbst behält sich angesichts der verbalen Attacken rechtliche Schritte gegen Berger vor. Gleichwohl sagt Godorr auch, dass er „der Montessori-Idee in Langenhagen alles erdenklich Gute“ wünscht.

Von Sven Warnecke

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