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Langenhagen Silbersee: Stadt bereitet Runden Tisch vor
Umland Langenhagen Silbersee: Stadt bereitet Runden Tisch vor
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12:55 25.07.2018
Der 15-Jährige, der am Dienstag am Silbersee untergegangen war, konnte aufgrund sehr schnellen Einsatzes von Rettungskräften und Badegästen gefunden werden. Quelle: Stephan Bommert (Feuerwehr)
Langenhagen

Nach gleich zwei Bade-Unglücken in nur einer Woche am Ostufer des Silbersees suchen Stadt und DLRG nach Ursachen. Am Wochenende wollen Mitglieder der DLRG den Untergrund an dem erst seit zwei Jahren freigegebenen Strandbereich genauer untersuchen, an dem zunächst ein Siebenjähriger sowie wenige Tage später ein 15-Jähriger aus bislang ungeklärter Ursache untergegangen waren. „Es gab dort immer eine Abbruchkante unter Wasser“, erläuterte Baudezernent Carsten Hettwer am Mittwoch auf Nachfrage. „Wir wollen uns jetzt im Detail angucken, wo aufgrund von Untiefen womöglich plötzliche Temperaturunterschiede auftreten können“, ergänzte Langenhagens DLRG-Chef Torsten Semmler.

Der Strandbereich in der südöstlichen Ecke der ehemaligen Baugrube für den Autobahnbau war über Jahre aufgrund von Munitionsresten im Erdreich gesperrt worden. Erst nach einer monatelangen Sanierung des gesamten Uferbereichs konnte die Stadt den Abschnitt im Sommer 2016 als Badezone freigeben. „Es war aber immer klar, dass dort kein Nichtschwimmerbereich ist“, betonte Hettwer am Mittwoch. Ein solcher sei am Silbersee einzig am Westufer ausdrücklich ausgeschildert und mit einer Leine kenntlich gemacht. Wie es zu den beiden Unglücken kam, bei denen beide Kinder reanimiert werden konnten, allerdings im kritischen Zustand ins Krankenhaus gebracht werden mussten, ist bislang vollkommen unklar. „Und es gibt auch keine eindeutige Idee, wie man kurzfristig dort Vergleichbares verhindern könnte“, betonte Hettwer.

Hettwer ist selbst Mitglied der DLRG und hat in früheren Zeiten als Schwimmmeister gearbeitet. Nach ersten Gesprächen mit Semmler am Mittwochvormittag seien zwar erste Ideen, wie auf die Unglücke reagiert werden könnten, skizziert. „Aber wir können nirgendwo absolute Sicherheit herstellen. Egal in wie vielen Sprachen wir noch so viele Schilder aufstellen.“ Gleichwohl sieht Hettwer wie Semmler Handlungsbedarf. „Am Silbersee gibt es viele verschiedene Nutzergruppen, die alle von dem See profitieren wollen“, mahnte der Baudezernent, der zudem städtischer Betriebsleiter der Wasserwelt Langenhagen ist. Wie aber Schwimmer und Nichtschwimmer, Segler und Angler, Hunde-Besitzer sowie Besucher der Pfadfinder und des Abenteuerlandes unter einen Hut zu bringen seien, könne nur in großer Runde ergründet werden.

Nach dem zweiten Bade-Unglück am Silbersee nehmen Stadt und DLRG Ursachen-Forschung auf.

Fahnen: Vielen Badegästen ist nicht bewusst, dass die beiden Wachstationen der DLRG (am Westufer sowie neuerdings auch am Südostufer) nur besetzt sind, wenn am Wachturm eine Fahne gehisst worden ist. Geprüft wird, ob darauf ein Schild hinweisen sollte.

Leinen: Aktuell ist nur der Nichtschwimmerbereich am Westufer mit einer Leine abgegrenzt. Derlei auch am Ostufer zu installieren, wird von Fachleuten kritisch gesehen. Jede Leine suggeriere womöglich zuviel Sicherheit.

Hinweisschilder: Sollen Schaukästen mit Baderegeln und Sicherheitshinweisen in mehreren Sprachen auch am Ostufer aufgestellt werden? Problematisch wäre ihre Sicherung. Vom Schaukasten der DLRG am Westufer wurde unlängst zunächst die Tür und danach der Inhalt gestohlen. Denkbar ist, die Warnschilder vor einem Steilufer jenseits der Wasserlinie am nordöstlichen Ufer auch im Süden aufzustellen.

Eingezäuntes Freibad: Immer wieder wird die Rückkehr des Silbersees zum eingezäunten Freibad diskutiert. DLRG-Chef Semmler befürwortet dies. Baudezernent Hettwer nennt dies eine politische Entscheidung. Über ein Eintrittsgeld könnte eine verbesserte Bade-Überwachung gewährleistet werden, sagen die Befürworter. Mit einem Zaun verlöre der See seine Funktion als Naherholungskleinod für Jedermann, halten die Gegner vor.

Wann ein Runder Tisch über diese Fragen erstmals beraten wird, ist offen. Hettwer gibt zu bedenken, dass mit keinem Ergebnis noch in dieser außergewöhnlichen Badesaison zu rechnen sei. Er warnt zudem vor überzogenen Erwartungen. „Wenn ich auch nur ein Unglück mit einem Schild verhindern könnte, würde ich es morgen aufstellen. Aber das wird ein Schild niemals schaffen.“

Von Rebekka Neander

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