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Langenhagen Tierheim: „Wir können nicht jedem einen Hund geben“
Umland Langenhagen Tierheim: „Wir können nicht jedem einen Hund geben“
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12:15 28.02.2019
Manuel Häfner führt den Herdenschutzhund Joshi aus. Der auf den ersten Blick umgängliche Hund ist jedoch nur etwas für Experten. Quelle: Rebekka Neander
Krähenwinkel

Nein. Der Welpe darf nicht fotografiert werden. „Dann bekommen wir 1000 Anfragen, weil er doch so süß ist, und müssen eigentlich fast allen absagen.“ Manuel Häfner kennt da keine Gnade. Und er kann auch zeigen, warum. Denn aus dem gerade vier Monate alten Wollknäuel im Außengehege des Tierheims wird in absehbarer Zeit so etwas wie Joshi nur wenige Meter weiter. Der Herdenschutzhund ist mit sechs Jahren bereits ausgewachsen und hat genau einen einzigen ehrenamtlichen Gassi-Geher im Tierheim, der mit ihm rausgehen kann. „Den Rest hier auch unter den Tierpflegern zieht Joshi einfach hinter sich her über den Hof.“

„Wer sich in ein Tier verliebt, liest keine Verträge“

Denn auch Herdenschutzhunde wie Joshi und sein kleiner Kollege kennen keinen Gnade. „Ihr Job ist ganz klar: Sie sind der Türsteher des Reviers“, sagt Häfner. „Und da kommt einfach keiner rein.“ Dass der Welpe schon jetzt bereits 22 Kilogramm unter seinem Plüschpelz versteckt, könnte ein Hinweis darauf sein. „Doch wer sich einmal in ein Tier verliebt hat, sieht das nicht“, betont Tierheimleiterin Doris Peterek. Schlimmer noch: „Sie hören dann auch nicht mehr zu oder lesen, was wir sogar in den Vertrag reinschreiben.“ Just an diesem Morgen ist ein anderes Jungtier nach nur wenigen Tagen ins Tierheim zurückgekehrt. „Eine Allergie war die Begründung“, führt Petereks Stellvertreterin, Anke Forentheil, aus. „Offenbar war die vorher nicht bekannt.“ Ob das stimmt, vermag das Tierheimteam nicht zu sagen.

Die Entscheidung sollte schnell fallen

Im Idealfall, so Peterek, sollte die Entscheidung, ob die Paarung Halter/Tier passt, schnell fallen. „Unsere Mitarbeiter versuchen im Erstgespräch so viele Details wie möglich auszuloten“, sagt Tierpfleger Häfner, „um dann möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen.“ Je mehr die Interessenten das Tier kennenlernten und sich „darin verliebten“, desto schwieriger werde es. Eine über Wochen sich anbahnende Beziehung sollte deshalb erst gar nicht entstehen.

Die Tierpfleger, die laut Forentheil ihre Schützlinge gut kennen, beurteilten die potentielle Nachhaltigkeit einer Verbindung nach vielen Kriterien: Wie lebhaft ist das Tier, wie alt sind die neuen Halter? Ist es das erste Tier für die neuen Halter oder sind die erfahren beispielsweise in der Erziehung auch temperamentvoller Tiere? „Ein noch junges Tier, das herumtoben möchte und seine Kräfte messen muss, ist selbst bei den nettesten und erfahrensten Haltern nicht gut aufgehoben, wenn die beispielsweise bereits ein älteres, ruhebedürftiges Tier zuhause haben“, sagt Häfner. Sollte sich das eigentlich ausgeguckte Tier bei näherer Betrachtung doch nicht eignen und keine Alternative im Tierheim anzubieten sein, „vermitteln wir auch Tiere von privat, deren Steckbriefe wir hier haben“, betont Häfner.

Peterek: „Das war eine grenzwertige Situation“

Peterek räumt ein, das Ziel einer schnellen Vermittlung zuweilen nicht einhalten zu können. Durch die Erkrankung eines Hundes zog sich die Vermittlung unlängst sehr lang. „Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass die neuen Halter zu dem Tier passen würden. Doch über die Wochen stellen wir fest, dass wir damit falsch lagen.“ Die Enttäuschung nach der ausgesprochenen Ablehnung war „natürlich groß und das bedauern wir auch“, sagt Peterek. „Das war eine grenzwertige Situation. Und vielleicht müssen wir auch überdenken, wann wir eine Entscheidung treffen.“ Das Signal, es passe, dürfe nicht zu schnell gesetzt werden. „Das haben wir da nicht gut kommuniziert.“

In einem anderen Fall erhielten die Interessenten für einen sechsjährigen Australien Shepherd nach mehreren Probe-Spaziergängen eine Absage. „Sie setzten überhaupt nicht um, was die Pfleger ihnen gesagt hatten, um sich bei diesem sehr temperamentvollen Hund durchzusetzen“, berichtet Peterek. Das Unverständnis der Anwärter war groß, die Kritik am Tierheim entsprechend. „Doch wir machen das nicht ohne Grund“, mahnt Forentheil. Gut in Erinnerung ist das Schicksal einer Französischen Bulldogge: Sie kam dreimal kurz nach ihrer Vermittlung jeweils wieder zurück. Der Hund „gucke doch so nett“ reiche als Haltungsgrundlage eben nicht aus. „Hunde fangen unter solchem Stress mit Unarten an“, sagt Peterek. Sie fangen zu beißen, die Chance, sie zu vermitteln, sinke immer weiter. Die Bulldogge verstarb letztlich im Tierheim nach einer Krebserkrankung.

Von Rebekka Neander

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