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Langenhagen „ÜberMorgen“: Experten reden über Bildung
Umland Langenhagen „ÜberMorgen“: Experten reden über Bildung
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11:20 13.09.2018
Diskutieren angeregt: HAZ-Redakteur und Gastgeber Jan Sedelies (von links), Heidi von der Ah vom Jugendamt Langenhagen, Wassim Saeidi (WS-System Stuhr), Jan Künzel von der BBS Neustadt sowie Wirtschaftsklub-Vorsitzender Uwe Haster. Quelle: Katrin Kutter
Langenhagen

Cobots, Generation Z, Mint-Fächer, Vernetzung: Wenn es um die Bildung der Zukunft geht, spielen dabei viele Schlagwörter eine Rolle. In der Veranstaltungsreihe „ÜberMorgen“ geht es der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und der Sparkasse Hannover darum, diese mit konkretem Inhalt zu füllen: Sechs vielversprechende Gäste hatten sie sich dazu zur diesjährigen Premiere im Umland der Reihe in den Langenhagener Theatersaal geholt.

HAZ-Redakteur und Moderator Jan Sedelies sprach unter anderem mit Rüdiger Reissmeier, der als Ausbildungslotse etwa Förderschüler der Langenhagener Gutzmannschule auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt: „Von der Berufsfindung über die Bewerbung bis hin zur Ausbildung selbst begleite ich den ganzen Weg eines Schülers“, erklärt Reissmeier. Dabei biete er thematische Unterrichtsstunden vor einer Klasse ebenso an wie individuelle Sprechstunden für Schüler und ihre Eltern, bei dem die jungen Erwachsenen ihre Stärken kennenlernen. Die Sprechstunden brächten oft Überraschendes hervor, nimmt Reissmeier wahr.

Wie stellen Sie sich das Lernen im ÜberMorgen vor? Wir haben einige Besucher und Gastgeberin Kerstin Berghoff-Ising gefragt.

Die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich schwierig

Ob Unternehmen solche betreuten Bewerber überhaupt gern einstellten, fragte Sedelies den Vorsitzenden des Langenhagener Wirtschaftsklubs, Uwe Haster: „Klar“, entgegnete der Mitinhaber einer Reinigungsfirma, „so eine gute Vorbereitung ist für uns Gold wert. Wir können sicher sein, dass der Bewerber gut vorbereitet in den Betrieb kommt.“

Ohnehin sei die Suche nach geeigneten Auszubildenden in der jetzt aufwachsenden „Generation Z“ für Unternehmen ein Problem: „Dass ihr Kind Abitur macht, sagen Eltern schon in der Grundschule. Mit Ausbildungen prahlen sie hingegen selten. Dabei ist doch auch Müllmann ein ehrhafter Beruf.“ Man müsse schauen, wie man hier einen Wandel erreichen könne – dazu fordert Haster auch Selbstkritik bei den Unternehmen ein: „Wir müssen auch schauen, wie wir Ausbildungsgänge attraktiver gestalten, etwa mit Meisterprämien, Ausbildungszeit im Ausland und gezielter Werbung vor dem Ausbildungsbeginn.“

Bildung beginnt schon in der Kita

Über den wichtigen Stellenwert von Bildung sind sich viele Menschen einig, doch wo fängt Bildung eigentlich an? Für Heidi von der Ah, Jugendamtsleiterin in Langenhagen, geht es damit – auf spielerische Weise – in der Kindertagesstätte los: „Erzieherinnen müssen heute Zurückhaltung üben: Statt eigener Initiative ergeben die Ideen der Kinder noch mehr“, sagt von der Ah. „Wir müssen bei ihren Lebensgeschichten ansetzen. Daraus entsteht ganz viel.“

Für von der Ah heißt das inbesondere, auch Kinder aus Problemfamilien davor zu schützen, später sogenannte „Bildungsverlierer“ sein – von der Ahs Ansatz: „Bildung durch Bindung.“ Das fördere zwar die Kinder, fordere aber auch die Erzieher. Die Jugendamtsleiterin appelliert daher an die Politik, sowohl in die Ausbildung der Erzieher zu investieren als auch kleinere Lerngruppen zu ermöglichen. Seit 2005 gelten Kitas tatsächlich als Bildungsstätten, 96% der Langenhagener Kinder ab drei Jahren besuchen eine Einrichtung.

Einen realistischen Einblick ins Berufsleben will Jan Künzel seinen Berufsschülern an der BBS Neustadt schon vorher ermöglichen: So stellen Schüler in einer „SmartFactory“ Taschenlampen her – Kunden können dabei Material und Gravur ihres Exemplars bestimmen und den Fortschritt in der Produktion online verfolgen. „Wir machen industrielle Prozesse an Beispielen erfahrbar“, erklärt Künzel, Abteilungsleiter Metalltechnik an seiner Schule.

Zuschauer Julius Richter, Schülersprecher des Gymnasiums Langenhagen, wies darauf hin, dass nicht jeder Lehrer geschult und motiviert sei, neue Technologien im Unterricht einzusetzen: „In der ersten Unterrichtsstunde in einem neuen Raum mit elektronischer Tafel hat uns die Lehrerin gefragt, wo denn der Tageslichtprojektor sei.“

Bei der Aktion „ÜberMorgen“ von HAZ und Sparkasse haben Experten über die Bildung der Zukunft gesprochen. Die Veranstaltung in Bildern.

Dank Cobots und Datenbrille: Konzentration auf eigene Kreativität

Den Einstieg in komplex organisierte Industriebetriebe wie in den von Wassim Saeidi soll das erleichtern: Die Mitarbeiter seiner Firma WS-System führen Montagearbeiten für Autoindustrie und Handel durch. Ein Stück vom vermeintlichen Übermorgen leben sie schon heute: So gehören Cobots – das sind Roboter, die dem Personal handwerkliche Arbeit abnehmen – mit eigenen Namen ebenso wie Datenbrillen, auf denen die Mitarbeiter persönliches Feedback zu ihrer Arbeit bekommen, fest in den Betrieb. „Wir gewinnen so eine Menge Zeit und können uns auf unsere große Stärke konzentrieren: die Kreativität“, erklärte Saeidi.

Das ist das Projekt „ÜberMorgen“

Das Projekt „ÜberMorgen“ ist eine Ideen- und Diskussionsplattform von HAZ und SparkasseHannover. In der gedruckten HAZ, auf einer Multimedia-Internetseite unter uebermorgen.haz.de und bei Veranstaltungen wie von Burgdorf bis Wennigsen werden Informationen zu den wichtigsten Zukunftsfragen gesammelt. In diesem Jahr steht das Thema Bildung im Fokus. Themenpartner ist erneut Hannoverimpuls. „Als Sparkasse sind wir seit fast 200 Jahren in der Region Hannover aktiv. Und genauso lange bewegen uns die Zukunftsfragen für das Umfeld, in dem wir arbeiten“, sagt Heinrich Jagau, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hannover. „Was kommt auf die Menschen, die Unternehmen und die Kommunen zu? Auf was müssen wir uns heute einstellen, damit wir hier auch übermorgen gut leben? Mit der Initiative ÜberMorgen wollen wir helfen, gute Antworten in einer sehr komplex gewordenen Welt zu finden. Nicht irgendwo im Silicon Valley, sondern in unserer Region“, sagt Jagau.

Mehr auf uebermorgen.haz.de

Zum Abschluss sprach HAZ-Redakteur Sedelies mit Birgit Roos vom Hühnermobil der Region – ein Projekt, das auch die Sparkasse Hannover unterstützt: „Wir bringen Hühner in Schulklassen und Kindergärten, wo die anfangs behutsamen Kinder im Umgang mit den Tieren sehr schnell Vertrauen und Wissbegierde aufbauen.“, so Roos. „Auf diese Art und Weise gelingt Lernen auch künftig“, war sich die Biologin sicher.

Die sorgsame Wahl der Referenten machte sich bezahlt: Mit lockeren Sprüchen auf den Lippen und vielen konkreten Beispielen zur Zukunft der Bildung konnten die Podiumsgäste ihr Publikum problemlos zum Zuhören animieren, ohne dass die leidenschaftliche Debatte inhaltliche Tiefe vermissen ließ.

Von Konstantin Klenke

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