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Lehrte 39-Jähriger fährt Schüler ohne Führerschein
Umland Lehrte 39-Jähriger fährt Schüler ohne Führerschein
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14:37 06.07.2018
Kein Führerschein, dafür aber viele Straftaten: Amtsrichter Robert Glaß verurteilte jetzt einen 39-Jährigen aus Sehnde. Quelle: Symbolbild
Lehrte/Sehnde

Ein 39 Jahre alter Sehnder ist jetzt im Amtsgericht Lehrte zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten und 100 Arbeitsstunden verurteilt worden. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann hatte für ein Sehnder Taxiunternehmen regelmäßig Schulkinder transportiert – obwohl er keinen Führerschein besaß.

Die Staatsanwältin warf ihm vor, zwischen dem 1. September 2016 und dem 4. September 2017 in mindestens 80 Fällen für ein Taxiunternehmen Schulkinder transportiert zu haben – ohne Führerschein und ohne einen Personenbeförderungsschein zu besitzen. „Das hätte schlimm ausgehen können“, sagte Richter Robert Glaß. Der Richter machte deutlich, dass der Angeklagte Kinder bewusst gefährdet habe, als er diese in Sehnde, Lehrte und Hannover herumkutschierte.

Und das, obwohl der Sehnder seit dem Jahr 2000 keinen Führerschein mehr hat. Den musste er nach einer hohen Geschwindigkeitsübertretung beim Landkreis in Peine abgeben. Ob dieser jemals bei einer offiziellen Stelle ausgehändigt wurde, blieb auch in dem Prozess unklar.

Aufgeflogen war die Sache nach einem Unfall im letzten Jahr in Bolzum. Weil der Sehnder dem damals ermittelnden Beamten keinen Führerschein vorlegen konnte, ging der Polizist dem Ganzen nach. Er stellte fest, dass der Mann in den vergangenen Jahren schon mehrfach wegen Verkehrs- und Betrugsdelikten auffällig geworden war, die im Bundeszentralregister erfasst wurden. „Es gibt 17 Einträge in 18 Jahren“, machte Glaß deutlich. Dabei sind in den Jahren 2016 und 2017 allein drei Verkehrsdelikte – zwei Unfälle und eine Geschwindigkeitsüberschreitung.

Nach dem Motto „Die Katze lässt das Mausen nicht“ habe der Polizist nach dem Unfall weiter ermittelt, erklärte er. Dafür hatte er auch bei der aktuellen Arbeitsstelle des Angeklagten in einem Gastronomiebetrieb nachgefragt. Dort erklärte man, dass der 39-Jährige auch für das Sehnder Taxiunternehmen arbeite. Die Staatsanwaltschaft stellte damit die Anklage.

Der Angeklagte selbst schilderte sich als Verlierertyp. Als er sich vor einigen Jahren im Gastronomiebereich selbstständig machen wollte, sei er über den Tisch gezogen worden. Seitdem sitze er auf 40 000 Euro Schulden fest. Nach seinem Realschulabschluss hatte er eine Ausbildung im Gastronomiebereich abgebrochen, seitdem hielt er sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Und auch da fühlte er sich von den Arbeitgebern nach wenigen Monaten immer wieder betrogen, gab er an. Um für seine sterbenskranke Mutter, die er auch pflegte, ein wenig Geld dazuzuverdienen, habe er im Jahr 2016 den Minijob bei dem Taxiunternehmen angetreten. Eine Fahrerlaubnis und einen Personenbeförderungsschein habe er nie vorlegen müssen.

Der 39-Jährige beharrte bis zuletzt darauf „nur ab und zu“ für das Taxiunternehmen in Sehnde gefahren zu sein. Die meiste Zeit habe er in der Zentrale gesessen und dort Anrufe entgegen genommen. „Sie hätten auch nicht ein- oder zweimal fahren dürfen“, machte Richter Glaß klar.

Der als Zeuge vernommene Taxiunternehmer bestätigte, dass der 39-jährige Sehnder bei ihm als Fahrer angestellt gewesen sei und so auch den Schülertransport absolviert hätte. Dies belegte er mit einem Fahrtenbuch, in dem der Angeklagte 1 bis 2 mal wöchentlich samt dem benutzten Fahrzeug eingetragen war. Das Gericht erkannte die monatlichen Auszüge als Beweismittel an. Wie der 39-Jährige ohne Führerschein und Personenbeförderungsschein an den Job kommen konnte, war nicht klar. Der Taxiunternehmer bestätigte zwar, die Dokumente gesehen, jedoch keine Kopien aufgehoben zu haben.

Richter Robert Glaß ermutigte den Angeklagten, das Urteil als Chance zu begreifen und etwas im Leben und an der Einstellung dazu zu ändern. Die Bewährung wurde auf drei Jahre angesetzt Ein Jahr lang darf der Sehnder zudem nun keinen neuen Führerschein beantragen.

Von Patricia Oswald-Kipper

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