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Lehrte Neues Schwimmbad? Die Diskussion beginnt
Umland Lehrte Neues Schwimmbad? Die Diskussion beginnt
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00:20 07.12.2018
Das Lehrter Hallen- und Freibad aus der Vogelperspektive. Quelle: Gottfried Hiller
Lehrte

Die Liste der kostspieligen städtischen Bauprojekte wird um einen Punkt länger: Die Verwaltung hat jetzt vorgeschlagen, über einen Neubau des Schwimmbads am Hohnhorstweg nachzudenken. Dafür würden etwa 14,5 Millionen Euro fällig werden. Eine Sanierung des alten Hallenbades wäre ähnlich teuer und hätte höhere Folgekosten als ein Neubau. Das haben Gutachter festgestellt. Am Mittwoch ist das Thema erstmals in einem politischen Gremium Gegenstand der Diskussion. Der Ausschuss für Sport und Freizeit spricht ab 17 Uhr in einer öffentlichen Sitzung in der Alten Schlosserei darüber.

Dass im Bad am Hohnhorstweg Sanierungen fällig sind, ist schon seit Jahren klar. Das Hallenbad ist seit nahezu 45 Jahren nicht verändert worden. Die Filtertechnik, die keinen gleichzeitigen Betrieb von Hallen- und Freibad zulässt, ist nicht mehr auf dem Stand der Zeit und lässt sich nicht erweitern. Allein um dieses Thema anzufassen, wären enorme bauliche Veränderungen nötig.

Das ist aber längst nicht alles: Die Lüftungsanlage im Hallenbad muss nach Ansicht der Stadt aufgrund ihres Alters ebenfalls ausgetauscht werden. Dafür würden derart große bauliche Änderungen notwendig , dass der Bestandsschutz für die Brandschutzeinrichtungen erlöschen würde und man quasi das gesamte Gebäude anfassen müsste. Zudem entspricht der energetische Zustand des Gebäudes nicht mehr dem Standard – und auch die technische Ausstattung ist auf dem Stand der Siebzigerjahre.

Sanierung würde knapp 15 Millionen Euro kosten

All das ist bereits im vorigen Jahr Grundlage für eine Machbarkeitsstudie der Planungsgruppe Hildesheim gewesen. Sie sollte drei Varianten überprüfen: Erstens die Sanierung des alten Hallenbads mit einer Anpassung der Becken und Beibehaltung der Flächen im Freibad, zweitens einen Neubau des Hallenbads an alten Standort mit Veränderungen der Becken und drittens einen Neubau des Hallenbads auf der Fläche des derzeitigen großen Beckens im Freibad.

Das Ergebnis der Bauplaner: Die Sanierung würde nach derzeitigem Baukostenindex knapp 15 Millionen Euro verschlingen, für die Varianten zwei und drei mit einem Neubau wären entweder 14,3 oder 14,5 Millionen Euro fällig. Der Aufsichtsrat der Lehrter Bädergesellschaft mit Bürgermeister Klaus Sidortschuk an der Spitze gab daraufhin ein weiteres Gutachten in Auftrag. Die Ingenieursgesellschaft Constructa sollte aufzeigen, ob eine Sanierung des Hallenbads über mehrere Jahre hinweg und nach einer Prioritätenliste möglich wäre.

Auch bei diesem zweiten Gutachten kam ein ernüchterndes Ergebnis heraus. Für das Hallenbad besteht ohne Zweifel dringender Handlungsbedarf in „konstruktiver, energetischer und technischer Hinsicht“, heißt es. Es seien zudem zusätzliche Untersuchungen zu Schadstoffen notwendig, die technischen Anlagen hätten überwiegend das Ende ihrer Laufzeit erreicht oder dies sogar überschritten, und eine Prioritätenliste bei der Sanierungen sei daher kein sinnvolles Vorgehen. Von einer Teilsanierung sei wegen der komplexen Konstruktion und der technischen Zusammenhänge in dem Gebäude abzuraten.

Stadt favorisiert Neubau auf Gelände des Schwimmerbeckens

Die Stadtverwaltung hat schließlich noch einen sogenannten Restbuchwert des Hallenbads (etwa 560.000 Euro) sowie mögliche Investitionssummen und kommende Abschreibungen auf einen Neubau und einen sanierten Altbau ermittelt. Auch dabei schneidet die Komplettsanierung mit einem jährlichen Aufwand von 790.000 Euro gegenüber dem Neubau mit 580.000 Euro pro Jahr günstiger ab.

Und schließlich führt die Stadtverwaltung noch technische Risiken ins Feld, die bei einer Sanierung schwer oder gar nicht abzuschätzen seien. Also gebe es eigentlich in Sachen Hallenbad nur noch zwei Alternativen – entweder ein Neubau an der alten Stelle oder einer im Bereich des derzeitigen Schwimmerbeckens. Die Verwaltung favorisiert letztere Variante. Denn nur mit ihr komme es nicht zu einer zwei Jahre dauernden Schließung des Bades.

Ein Bad mit Cabriodach?

Gegen dieses Vorgehen spricht jedoch, dass Lehrte dann kein 50-Meter-Schwimmbecken mehr hätte, das etwa für sportliche Wettkämpfe wichtig ist. Doch auch für dieses Problem gibt es eine Lösung, meint die Stadt. Das künftige Hallenbad müsse so gestaltet werden, dass eine Öffnung des Gebäudes für eine Sommernutzung möglich ist – etwa mit einer großen Glasfront mit Öffnung oder einem sogenannten Cabriodach.

Lehrte hat derzeit eine ganze Reihe von Millionenprojekten vor der Brust. Die neue Feuerwache an der Schützenstraße, die bereits im Bau ist, wird rund 20 Millionen Euro kosten. In Neubauten für Gymnasium und am Schulzentrum Süd, mehrere Kitas und das Familienzentrum neben der früheren Berthold-Otto-Schule wird voraussichtlich insgesamt eine Summe im hohen zweistelligen Millionenbereich fließen.

Rekordsommer, aber kein Rekordbesuch

131.562 Besucher im Freibad und 90.105 im Hallenbad: Das sind Rekordwerte, von denen das Lehrter Bad am Hohnhorstweg nur noch träumen kann. Aufgestellt wurden sie im Jahr 1992. Anschließend ging der Besuchertrend nach unten – und 2017 markierte mit 31.171 Freibad- und 41.307 Hallenbadbesuchern den bisherigen Tiefpunkt. Auch in diesem Sommer, der heiß und gefühlt endlos war, blieb die Anzahl der Freibadbesucher meilenweit hinter dem Wert von 1992 zurück. 59.083 Besucher zählte die Bädergesellschaft. Das sind etwa 5000 weniger als noch im Jahr 2010.

Der Negativtrend sei durch eine Reihe von einzelnen Aspekten begründet, meint die Stadtverwaltung. Maßgeblich sei ein „verändertes Freizeitverhalten“: Die Menschen gehen einfach seltener ins Schwimmbad als früher, und damit werden auch die Einnahmen für die Lehrter Bädergesellschaft geringer. Sie muss im Schnitt pro Jahr etwa 1,25 Millionen Euro zum Betrieb der Lehrter Bäder zuschießen.

Von Achim Gückel

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