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Lehrte Gymnasium: Investitionen von 30 Millionen?
Umland Lehrte Gymnasium: Investitionen von 30 Millionen?
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00:21 03.09.2018
Altehrwürdig, aber schwer sanierungsbedürftig: Der Altbau des Gymnasiums. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

Die Stadt muss ihr Gymnasium an der Friedrichstraße sanieren und erweitern. Das steht längst fest. Seit der Sitzung des Schulausschusses am Donnerstagabend sind nun die ersten Kostenschätzungen für das Großprojekt öffentlich. Bis zu 30,6 Millionen könnte es kosten. Und damit wäre es das kostspieligste städtische Bauvorhaben aller Zeiten.

Die Kommunalpolitiker nahmen die Zahlen sowie die möglichen Varianten für das Bauprojekt unaufgeregt entgegen. Nun habe man „viel Futter“ für die kommenden Beratungen und Abwägungen, sagte etwa CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens. Und man müsse sehen, „ob wir so viel Geld haben“.

Schlechte Noten für die vorhandenen Gebäude

Muss auf jeden Fall komplett saniert werden: Der Altbau des Gymnasiums an der Friedrichstraße. Quelle: Achim Gückel

Mehrere Monate lang haben Fachleute aus der Planungsgruppe Drees & Sommer das Sek-1-Gebäude des Gymnasiums an der Friedrichstraße unter die Lupe genommen. Ihr Fazit ist niederschmetternd. Den Zustand des vor 117 Jahren errichteten Altbaus benoteten sie mit einer 5 – Feuchtschäden an Wänden und Decken, Löcher im Dach, Schadstellen an Fenstern. Eigentlich sei der Abriss hier das günstigste. Doch das stehe nicht zur Diskussion, sagten die referierenden Planerinnen. Denn der Altbau steht unter Denkmalschutz.

Ist in einem bedenklichen Zustand: Der Anbau des Gymnasiums (Sek 1) an der Manskestraße. Quelle: Achim Gückel

Nicht viel besser ist der Zustand des Anbaus in Richtung Manskestraße. Für dieses Gebäude gaben die Expertinnen angesichts von gravierenden Schäden unter anderem an Türen, Fußböden und Fenstern die Note 4. Allein die zwei Altgebäude in einen akzeptablen Zustand zu versetzen würde 10,7 Millionen Euro kosten, lautet ihre Rechnung.

Doch das reicht nicht. Denn in Altbau und Anbau sind zurzeit nur knapp 5800 Quadratmeter Nutzfläche vorhaben. Die Expertinnen haben für die aus allen Nähten platzende Sek 1 des Gymnasiums einen zusätzlichen Bedarf von 4000 Quadratmetern Nutzfläche errechnet. Also muss auf jeden Fall ein neues Gebäude her. Dafür präsentierten die Fachfrauen drei Varianten.

Variante eine: Sanierung und Neubau

Variante eins wäre eine Sanierung der zwei vorhandenen Gebäude plus ein Neubau auf dem östlich angrenzenden Schulhof. Kosten dafür: 21,5 Millionen Euro. Doch dieser Plan hat Nachteile. Es würde ein wenig kompakter Gebäudekomplex entstehen, der Schulhof wäre futsch. Neubau, Sanierung des Altbaus und des Erweiterungsbaus müssten nacheinander geschehen. Fertig wäre man damit frühestens Anfang 2025, haben die Planerinnen ermittelt.

Variante zwei: Abriss und Neubau

Variante zwei sieht die Sanierung des Altbaus sowie den Abriss des östlichen Anbaus vor. Dort würde dann ein großer Neubau entstehen. Kosten für dieses Szenario: 23,5 Millionen Euro. Die Planerinnen meinen, dass auf diese Weise gleichmäßige und besser aufeinander abgestimmte Gebäudestrukturen geschaffen werden könnten. Die Arbeiten wären auch etwas schneller zu erledigen, würden aber immer noch bis Mitte 2024 dauern.

Variante drei: Abriss an zwei Stellen und großer Neubau

Müsste bei einer Entscheidung für die kostspieligste Variante abgerissen werden: der nördliche Anbau an der Straße Am Gehrkamp. Quelle: Achim Gückel

Variante drei ist die radikalste. Dabei würde nicht nur der östliche Anbau, sondern auch ein nördlicher Trakt hinter dem Gebäude von 1902 sowie die dort befindliche Gymnastikhalle abgerissen werden. Dort sowie auf einem kleinen angrenzenden Grundstück neben der Bushaltestelle wäre dann Platz für einen kompakten, modernen, großzügig bemessenen Anbau samt Einfeld-Sporthalle. Und zudem bliebe viel Raum für einen Schulhof übrig. Weiterer Vorteil: Mitte 2022 könnte alles fertig sein. Der Nachteil sind die Kosten von geschätzt 26,5 Millionen Euro.

Hinzu kommen bei allen drei Varianten noch Ausgaben für Container, in die während der Bauphase für einen Zeitraum bis zu dreieinhalb Jahren Klassenräume ausgelagert werden müssen. Bei Variante eins wären sie mit 1,9 Millionen Euro am geringsten. Bei Variante drei wären sie mit 4 Millionen Euro am höchsten – und es müsste für rund zwei Jahre nahezu der gesamte Schulbetrieb der Sek 1 ausgelagert werden. Wo die Container stehen würden, ist noch unklar.

Lehrtes Schulpolitker ließen noch keine Tendenz erkennen, welche Variante sie favorisieren. Man müsse nun „finanzielle Bewertungen“ vornehmen, sagte SPD-Fraktionschef Bodo Wiechmann. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens stellte schließlich die Frage, welche Kosten entstünden, würde man das Sek-1-Gebäude irgendwo in der Kernstadt völlig neu „auf die grüne Wiese“ setzen. „Etwa 29 Millionen Euro“, lautete die Antwort der Planerinnen. In dieser Summe seien aber Kosten für den Erwerb eines Grundstücks nicht eingerechnet.

Schulleiterin hat Sympathien für die große Lösung

Elternvertreter Frank Scherling mahnte, nicht gleich zu Beginn der Debatten an Kosten zu denken, sondern erst einmal Wünschen und Bedürfnissen des Gymnasiums Gehör zu schenken. Schulleiterin Silke Brandes äußerte Sympathien für Variante 3. Diese habe auch den Charme, dass ein größerer Schulhof übrig bliebe. „Das wäre schon toll“, sagte sie. Dass große Teile der Schule über lange Zeit in Container ausgelagert werden müssten, mache ihr wenige Sorgen: „Darauf sind wir eingestellt.“

Egal zu welcher Variante die Lehrter Politiker nun tendieren, im kommenden Jahr wird auf keinen Fall schon der erste Spatenstich für die Erweiterung des Gymnasiums gesetzt. 2019 ist allein für die Detailplanungen vorgesehen.

Raumplanung für Lehrte Süd steht

Die Sanierung und Erweiterung der Sek 1 des Gymnasiums ist nicht die einzige kommende Großbaustelle in Lehrtes Schullandschaft. Auch im Schulzentrum Süd stehen Sanierungen, Umbauten sowie der Bau einer Mensa, eines sogenannten Selbstlernzentrums und eines Foyers samt Bühne an. Dort müssen Realschule und IGS aufeinander abgestimmt werden. Ein theoretisches Raumprogramm dafür gibt es nun. Planer Kay Marlowe stellte es im Schulausschuss vor. In seinen schematischen Plänen berücksichtigte er möglichst viele gemeinsame Nutzungen einzelner Bereiche durch die beiden Schulformen, etwa der Verwaltungstrakte und der Fachunterrichtsräume.

Wie dieser theoretische Plan in die vorhandenen Gebäude passt, was saniert und gebaut werden muss sowie die Frage nach Kosten, ist noch völlig offen. Die Analyse des Baubestands werde in den Herbstferien geschehen, Ende des Jahres soll es Zahlen geben, hieß es im Ausschuss. Insgesamt hat Lehrte in den kommenden Jahren 50 Millionen Euro für die Schulentwicklung in der Stadt eingeplant.

Gymnasium nimmt 188 Fünftklässler auf

In den weiterführenden Schulen Lehrtes sind laut Statistik der Stadtverwaltung im neuen Schuljahr insgesamt 397 Fünftklässler eingeschult worden – fast die Hälfte davon im Gymnasium. Die neu eingerichtete Oberschule am Riedweg in Hämelerwald geht mit 37 Fünftklässlern an den Start, in der Realschule in Lehrte Süd sind es 73, an der IGS 99 und am Gymnasium 188. Das Gymnasium ist damit in seinem fünften Jahrgang siebenzügig. Die Hauptschule in Lehrte Süd läuft aus, sie nimmt schon seit mehreren Jahren keine Fünftklässler mehr auf.

Von Achim Gückel

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