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Lehrte Kam der Winterkönig nach Sievershausen?
Umland Lehrte Kam der Winterkönig nach Sievershausen?
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15:08 12.10.2018
Historiker Heiner Biegel hat jetzt einen Vortrag zum Dreißigjährigen Krieg im Antikriegshaus Sievershausen gehalten. Quelle: Heiner Behrens (privat)
Sievershausen

400 Jahre liegt der Beginn des Dreißigjährigen Kriegs zurück, den Heiner Behrens als „eine der schrecklichsten und folgenreichsten Tragödien der Menschheit“ bezeichnet: „Die Größe der Heere, die lange Kampfdauer und die direkte oder indirekte Verwicklung fast aller europäischen Staaten machten ihn zu einem epochalen Ereignis für die europäische Staatenwelt“, befindet Behrens, Mitglied des Sievershäuser Arbeitskreises Ortsgeschichte. Zu einem Vortrag des Historikers Gerd Biegel über den von 1618 bis 1648 andauernden Konflikt lud seine Arbeitsgruppe jetzt ein.

Vom Kriegsgeschehen blieb Sievershausen nicht verschont, wie Arbeitskreisvorsitzende Giesela Schulz in ihrer Einleitung deutlich machte: Aus Aufzeichnungen von Wilhelm Römling, fast während des gesamten Kriegs Superintendent in Sievershausen, nebenbei Chronist, geht zum Beispiel hervor, dass der Gottesdienst 1632 von Sievershausen nach Dollbergen verlegt wurde. „Dabei nahmen alle Gottesdienstbesucher am Abendmahl teil“, erwähnte Schulz. Fast ein Jahrzehnt später, nämlich 1641, überfielen schwedische Soldaten Sievershausen, verwüsteten Häuser und töteten Einwohner. Nur drei Jahre danach wiederholte sich der Schrecken, dieses Mal verwüsteten Römlings Aufzeichnungen zufolge kaiserliche Truppen den heutigen Lehrter Ortsteil.

Heutiges Niedersachsen blieb zunächst verschont

Gerd Biegel, Leiter des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte an der Technischen Universität Braunschweig sowie ehemaliger Direktor des Braunschweigischen Landesmuseums, wagte in seinem Vortrag zunächst einen etwas weiteren Blick auf den Konflikt: In den ersten fünf Kriegsjahren, also von 1618 bis 1623, sei das heutige Niedersachsen weitgehend von den Kampfhandlungen verschont geblieben. Gleichwohl habe Herzog Christian von Braunschweig eine entscheidende Rolle gespielt: „Mit ihm war das Bild eines wilden Kriegers verbunden, der durch Plünderung, Mord und seine zügellose Soldateska in den Konflikt verstrickt war.“ Biegel regte an, die Forschung möge sich intensiver „mit dessen widersprüchlicher Persönlichkeit beschäftigen.“

In einem besonderen Detail richtete sich Biegels Blick noch einmal genau auf Sievershausen: Friedrich V. von der Pfalz, auch Winterkönig genannt, war in den Jahren 1610 bis 1623 Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz sowie in den Jahren 1619 und 1620 König von Böhmen. „Sein politisches Handeln war Auslöser für den Krieg. Im Jahre 1621 ist er von Wolfenbüttel nach Den Haag geflohen“, so Biegel. „Wenn er dabei den alten Celler Heerweg benutzt hat, ist er Sieverhausen zumindest sehr nahe gekommen.“ Das sei „gar nicht so abwegig“, urteilte der Historiker. Genau festlegen, ob der Winterkönig sich durch Sievershausen bewegt habe, wollte er sich allerdings nicht.

Historiker Gerd Biegel und Giesela Schulz, Vorsitzende des Arbeitskreises Ortsgeschichte. Quelle: Heiner Behrens (privat)

Von Konstantin Klenke

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