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Lehrte 10 Jahre soziales Kaufhaus in Lehrte
Umland Lehrte 10 Jahre soziales Kaufhaus in Lehrte
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00:15 07.07.2018
Yoiseff Bisrat aus Burgdorf (rechts) kauft häufig im Lehrter Sozialkaufhaus ein. Zur Feier des Tages bekommt sie von den Mitarbeiterinnen Gabriela Devici (von links) und Conny Völker eine Rose geschenkt. Quelle: Sandra Köhler
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Lehrte

Zehn Jahre gibt es das soziale Kaufhaus an der Burgdorfer Straße mittlerweile. Das Geschäft ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. „Es wurde von Anfang an super angenommen, dass haben wir so gar nicht erwartet“, sagt Petra Müller-Sielaff vom Jobcenter Lehrte. „Morgens vor der Öffnung warten immer schon die ersten Kunden“, weiß Julia Schmidt, die als sozialpädagogische Begleiterin seit 2013 die Betreuung der Mitarbeiter übernommen hat. „Wir haben rund 200 Kunden täglich“, sagt Andreas Volkmann, Geschäftsführer des Projektes unter der Trägerschaft der Labora gGmbH für Arbeit und berufliche Bildung aus Peine.

Kundin Yoiseff Bisrat kommt häufig aus Burgdorf ins Sozialkaufhaus. Sie freut sich sehr, zum Geburtstag des sozialen Kaufhauses mit einer Rose beschenkt zu werden. „Ich kaufe hier viel, habe auch schon größere Dinge wie ein Sofa und einen Tisch gekauft. Es ist hier günstiger als anderswo. Das ist gut, wenn man nicht viel Geld hat.“ Und in der Tat finden gerade Menschen mit kleinem Geldbeutel dort viele Dinge des täglichen Bedarfs. Von Möbeln über Kleidung und Schuhe, Geschirr, Besteck und Dekorationsartikel bis hin zu Kinderspielzeug und Büchern reicht die Spanne dessen, was gespendet und entsprechend günstig wiederverkauft wird. Aktuell noch günstiger, wie Geschäftsführer Volkmann sagt: „Noch bis einschließlich Freitag, 6. Juli, haben wir vieles zum Teil um mehr als die Hälfte reduziert.“ Im Lager sei genug, um immer wieder aufzufüllen.

Ein soziales Kaufhaus ist mehr als nur ein günstiger Laden. Nämlich ein Ort, an dem Menschen soziale und berufliche Teilhabe erleben können. Es integriert Menschen, für die es schwer ist, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sei es aus Altergründen, weil Ausbildung oder Sprachkenntnisse fehlen, die Arbeitslosigkeit bereits Jahre andauert, zunächst die Kindererziehung im Fokus stand oder Sozialstunden abzuleisten sind. Mehr als 200 Menschen haben in den vergangenen 10 Jahren im sozialen Kaufhaus zumindest eine Perspektive auf Zeit gefunden, manche haben es auch geschafft, Umschulungen oder Verträge zu bekommen. „Viele wollen auch gerne bleiben und fragen jetzt schon: ’Herr Volkmann, wie geht es denn jetzt weiter?“ , sagt der Geschäftsführer. „Sie erleben es als wohltuend, einen strukturierten Tagesablauf zu haben, aus dem Haus zur Arbeit zu gehen wie ihre Nachbarn. Und sagen zu können: ’Ich habe einen Job, ich verdiene mein eigenes Geld’“, sagt Schmidt.

Gabriela Devici arbeitet an der Kasse. Es macht ihr großen Spaß – das ist der zierlichen blonden Frau anzusehen. Freundlich bedient sie die Kunden, packt umsichtig Geschirr ein, wünscht einen schönen Tag. „Ich bin schon lange hier und fühle mich sehr wohl“, sagt sie. Ein-Euro-Job, Bürgerarbeitsplatz, zwischendurch als Ehrenamtliche, nun einen Vertrag über das Projekt Neue Wege: Sie hat alles ausgeschöpft, was ihr den Verbleib im sozialen Kaufhaus ermöglicht. „Ich habe früher verkauft, dann war ich Jahre lang raus und habe meine Kinder groß gezogen. Jetzt sind die groß und ich kann mal wieder an mich denken“, sagt sie strahlend. Wer den direkten Kundenkontakt nicht so liebt wie sie, findet andere Betätigungsfelder: Sortieren, Möbel abholen, dekorieren: Arbeit gibt es genug für die 10 Mitarbeiter.

Die haben mit Schmidt eine Hilfe auch im Alltag an der Hand. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Mitarbeiter zu begleiten. Etwa beim Bewerbungen schreiben. Aber auch, um etwa nach Ihnen zu schauen, wenn sie „abtauchen“ und einen oder mehrere Tage nicht zur Arbeit erscheinen. „Viele hier haben eine ganze Menge Probleme, doch wir sind ja auch räumlich ganz nah dran“, weiß Jobcenter-Mitarbeiterin Müller-Sielaff. Vor zehn Jahren war sie Teamleiterin, jetzt ist sie Fallmanagerin – doch sie betreut das Projekt, zu dem auch die Region Hannover und die Kommunen Lehrte und Sehnde mit Fördergeldern beitrugen, von Anfang an. „Im Jobcenter gibt es ein Umdenken. Dort fragt man sich mittlerweile, warum Leute arbeitslos sind, und was sie brauchen. Ein geschützter Raum wie hier im sozialen Kaufhaus, wo manche Dinge nicht so schwer wiegen wie an anderen Arbeitsplätzen, hilft da sehr.“

Seit zehn Jahren gibt es das soziale Kaufhaus in Lehrte. Im Geschäft an der Burgdorfer Straße gibt vielerlei für kleines Geld zu erwerben. Die dort Tätigen erleben soziale und berufliche Integration.

Möbel werden geholt und gebracht

Wer gut erhaltene Möbel wie Schränke oder Tische kostenlos loswerden, aber nicht auf den Sperrmüll werfen möchte, kann auch das Team des Lehrter Sozialkaufhauses kontakten. Bei einem Hausbesuch – in der Regel innerhalb von einer bis drei Wochen – entscheiden die Mitarbeiter, ob die Möbel geeignet sind. Falls ja, holen sie die Möbel kostenlos ab. „Wenn es sich um eine komplette Dreizimmerwohnung handelt, dann müssen wir einen anderen Termin außerhalb unserer Touren vereinbaren“, sagt der Geschäftsführer Andreas Volkmann. Nicht angenommen werden Matratzen – „Das dürfen wir wegen der Hygiene nicht“ – sowie Elektro- oder Gasgeräte. „Die können wir nicht prüfen“, sagt Volkmann bedauernd. Besonders gesucht sind übrigens Küchen: „Die sind ratzfatz wieder weg“.

Auch für sperrige Gegenstände, die im Sozialkaufhaus erworben werden, gibt es die Möglichkeit, eines Lieferdienstes. Gegen einen entsprechenden Obolus werden die Möbel von Mitarbeitern zu einem vorher vereinbarten Termin angeliefert. Interessierte können folgendermaßen Kontakt aufnehmen: vor Ort während der Öffnungszeiten (montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sowie sonnabends von 10 bis 14 Uhr) , telefonisch unter der Nummer (0 51 32) 8 72 08 81 sowie per E-Mail an soziales-kaufhaus@labora.de. ks

Von Sandra Köhler

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