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Lehrte Bad: Arbeitsgruppe und Bürger sollen mitreden
Umland Lehrte Bad: Arbeitsgruppe und Bürger sollen mitreden
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17:31 06.12.2018
Wie geht es mit ihm weiter? Das Lehrter Hallenbad am Hohnhorstweg. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

Burkhard Hoppes Frage hatte geradezu einen schmerzhaften Unterton: Ob denn nun alle geschockt seien, wollte der Vorsitzende des Ausschusses für Freizeit und Sport am Mittwochabend von seinen politischen Mitstreitern wissen. Kurz zuvor hatten sich die Ausschussmitglieder das Hallenbad am Hohnhorstweg angesehen und dann in öffentlicher Sitzung Details aus einem Gutachten zum Zustand des Gebäudes und der Technik gehört. Niemand verneinte Hoppes Frage. Man darf konstatieren: Der Schreck darüber, dass die Stadt in den kommenden Jahren möglicherweise mehr als 14 Millionen Euro in Sanierung oder Neubau des Hallenbads stecken muss, sitzt tief.

Noch ist nicht die Zeit gekommen, um genau zu sagen, wie es mit dem Bad weitergeht. Doch so viel steht fest: Es soll schnell eine Arbeitsgemeinschaft auf die Beine kommen, in der nicht allein Politiker und Verwaltungsfachleute sitzen, sondern auch Vertreter vieler anderer Gruppen, die das Bad nutzen – aus Vereinen, von der DLRG und der Feuerwehr sowie aus Schulen und Kitas. Außerdem sollen die Lehrter Bürger mitreden dürfen. Bürgermeister Klaus Sidortschuk sprach davon, man müsse eine „breite Öffentlichkeit schaffen“, Ronald Schütz (Grüne) von einer „Bürgerdiskussion“. Man müsse sich erst einmal darüber klar werden, wie ein Bad „modern und zukunftssicher“ wird und „wen man dort mit welchem Angebot befriedigt“, sagte Schütz.

Fest steht, dass das Hallenbad an vielen Stellen sanierungsbedürftig ist. Eckhard Otto, Chef der Lehrter Bädergesellschaft, sprach in der Präsentation des Gutachtens unter anderem von Betonschäden, gebrochenen Fassadenelementen, Rissen im Mauerwerk, Undichtigkeiten in Becken und dem Verdacht auf Schadstoffen im Baumaterial. Leitungen seien abgängig, Sanitäranlagen verschlissen, die Beleuchtung in der Halle sei nicht mehr zeitgemäß. „Eigentlich müssen wir alles neu machen“, sagte Otto.

Knapp 12 Millionen Euro würden die notwendigsten Sanierungen kosten, heißt es in dem Gutachten. In dieser Summe sei aber eine mögliche Beseitigung von Schadstoffen nicht enthalten. Zwischen 14,3 und 14,9 Millionen Euro würde eine Komplettsanierung oder ein Neubau des Bads kosten.

Sidortschuk betonte, dass Stadt und Bädergesellschaft am Hallenbad stets alle notwendigen Instandhaltungen und Sanierungen auf dem bisherigen Standard erledigt hätten. Jetzt gehe es aber um sehr viel mehr – nämlich darum, das Bad auf einen modernen Standard zu bringen. Und das sei „nicht durch bloße Erneuerungen“ erreichbar. Der Bürgermeister betonte auch, dass es sich bei den jetzt vorliegenden Zahlen zu den Kosten nur um erste, große Schätzungen handele. Er formulierte aber ein Ziel, das im Ausschuss unwidersprochen blieb: ein zukunftsfähiges und gern besuchtes Bad zu schaffen.

CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens lobte indessen den Pflegezustand des Bades. Ungeachtet der Mängel in der baulichen und technischen Substanz täten die Mitarbeiter dort alles, um Sauberkeit und Ordnung zu halten.

Ronald Schütz stieg tiefer ins Thema ein. Eine Sanierung sei „nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagte er, und bei einem Neubau käme man mit den jetzt aufgerufenen Kosten sicher nicht hin. „Die Kernfrage ist, ob wir uns das leisten können oder nicht“, sagte der Grüne. Er mahnte dazu, bei den nun kommenden Debatten „finanziell solide“ zu bleiben und daran zu denken, dass man mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und der Schulen in der Stadt teure Pflichtaufgaben zu erledigen habe.

LSV-Vorsitzender Frank Prüße, der als Vertreter der Lehrter Vereine im Sportausschuss sitzt, mahnte an, dass eine 50-Meter-Schwimmbahn für Wettkämpfe wichtig sei. Es müsse erst deutlich werden, „was in einem Neubau für 15 Millionen Euro alles drin ist“. Otto betonte, dass der Erhalt eines 50-Meter-Beckens von der letztlich gewählten Variante eines möglichen Neubaus abhänge.

In der Ausschusssitzung wurden auch erste Stimmen von Bürgern laut, dass man einen Wegfall eines 50-Meter-Beckens nicht hinnehmen werde. Es sei allein für die Frühschwimmer unverzichtbar. Sidortschuk mahnte indessen dazu, „ohne Vorfestlegung“ in die nun anstehenden Debatten zu gehen. Das Thema sei emotional stark belastet, sagte er, erinnerte aber daran, die Finanzierbarkeit im Auge zu behalten. „Und ich kann nichts damit anfangen, wenn jemand schon im Vorfeld droht“, sagte der Bürgermeister.

Von Achim Gückel

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