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Nachrichten Schwimmbecken: Kippt der Beschluss zur Schließung?
Umland Lehrte Nachrichten Schwimmbecken: Kippt der Beschluss zur Schließung?
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00:37 21.05.2018
Viele Fragen, großer Unmut: Rund 150 Bürger kommen zum Infoabend über das Freibad. Quelle: Achim Gückel
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Lehrte

 Der heftig umstrittene Beschluss, das Schwimmerbecken im Freibad ab Juni zu schließen, steht wieder auf der Kippe. Das ist das Ergebnis eines Infoabends, zu dem am Donnerstag rund 150 Gäste ins Kurt-Hirschfeld-Forum gekommen sind. Dabei gab es in teils aufgeheizter Atmosphäre heftige Kritik am Vorgehen der Bädergesellschaft. Ein geringes Maß an Verständnis für die beabsichtigte Schließung des Beckens äußerte nur ein einziger der weit mehr als 20 Bürger, die zu Wort kamen. Bürgermeister Klaus Sidortschuk, der auch Aufsichtsratschef der Bädergesellschaft ist, stellte nach knapp zwei Stunden Debatte schließlich in Aussicht, das Gremium schon für kommende Woche zu einer Sondersitzung zu bitten. Es ist nicht auszuschließen, dass der ungeliebte Beschluss zum Schwimmerbecken dann kippt.

Er sei „beeindruckt von der großen Zahl der Anwesenden und der Argumente“, sagte Sidortschuk in seinem Schlusswort nach fast zwei Stunden Debatte. Er habe verstanden, dass „99,9 Prozent der Anwesenden Nein zur Schließung des Schwimmerbeckens sagen“. Das Stadtoberhaupt dämpfte aber auch allzu große Euphorie bei den Badfreunden. Noch müsse er politisch absichern, mit welchem Statement zum Freibad er sich endgültig „aus der Deckung trauen“ könne, sagte das Stadtoberhaupt.

Besucherzahl sackt dramatisch ab

Zu Beginn des Infoabends hatten Sidortschuk und Eckhard Otto, Geschäftsführer der Bädergesellschaft, allerhand Zahlen präsentiert und ihren Vorstoß zur Schließung des Schwimmerbeckens begründet. Das Freibad erlebe seit Jahren einen Sinkflug bei den Besucherzahlen. Der von wenig Sonnenschein gesegnete Sommer 2017 markierte mit 32.171 Besuchern einen dramatischen Tiefpunkt. 1992 etwa waren noch mehr als 91.000 Besucher ins Freibad geströmt, 2015 waren es immerhin noch gut 46.000. Nun wolle man den Versuch unternehmen, im Sommer statt des Schwimmerbeckens im Freien jenes im Hallenbad anzubieten. Denn im Hallenbad seien die Besucherzahlen seit Jahren in etwa konstant. Beide Becken gleichzeitig zu betreiben, funktioniert aus technischen Gründen nicht. Filteranlage und Heizung sind nur auf den Betrieb eines Schwimmerbeckens ausgerichtet.

Warum soll der Schwimmer geschlossen werden? Bürgermeister Klaus Sidortschuk erläutert die Pläne für das Freibad und erntet dafür viel Missfallen. Quelle: Achim Gückel

Sidortschuk beteuerte mehrfach, die Schließung des Schwimmerbeckens bei gleichzeitiger Öffnung des Beckens in der Halle solle nur ein Versuch sein, mehr Menschen in der Sommerzeit ins Bad am Hohnhorstweg zu kriegen. Das müsse man angesichts von 1,2 Millionen Euro Zuschuss pro Jahr für die Bädergesellschaft dringend versuchen. Kostspielige Sanierungen oder Umbauten für das Bad könne man erst dann vorschlagen, wenn man andere Stellschrauben ausprobiert habe, sagte Sidortschuk. 

Er und Otto sahen sich trotzdem geballtem Unmut der Gäste ausgesetzt. Es gab Zwischenrufe und Vorwürfe, die Statistiken seien unsauber, in das Bad werde nicht genug investiert, der Kassenautomat sei schwierig zu bedienen, es gebe keine attraktive Veranstaltung zum Saisonauftakt, die Öffnungszeiten seien für Berufstätige ungünstig und Saisonstart sowie -ende nicht flexibel an die Wetterlage angepasst. „In Lehrte wird nichts mehr für die Bürger gemacht“, schimpfte eine aufgebrachte Besucherin. Mehrere Gäste sagten, dass sie dem Lehrter Bad den Rücken kehren und nach Burgdorf oder Sehnde ausweichen würden, wenn das Schwimmerbecken im Freien dicht gemacht werde.

Vorschläge werden auf Machbarkeit geprüft

Der Bürgermeister brachte viele Argumente vor, um die Vorwürfe zu entkräften. Etwa jenes, dass man Start und Ende der Saison wegen der Umstellung der Filteranlagen lang im Voraus planen müsse. Man könne also nicht kurzfristig auf gutes oder schlechtes Wetter reagieren. Sidortschuk nahm aber auch allerhand Vorschläge mit, deren Machbarkeit er nun prüfen lassen will. Etwa eine Verlängerung der Öffnungszeiten am Abend, Justierungen am Kassenautomaten sowie ein separates Heizmodul für das Schwimmerbecken. Frank Prüße, Vorsitzender des Lehrter SV, mahnte auch eine Attraktivitätssteigerung des Bads mit sportlichen Angeboten an, etwa Beachvolleyballfeldern oder einer Basketballanlage. Der frühere CDU-Ratsherr Björn Rust erinnerte indes an einen vor neun Jahren aktiven Arbeitskreis, der eine ganze Liste von Verbesserungen für das Bad erarbeitet hatte, von denen aber nur wenige umgesetzt wurden.

Mit besonderer Schärfe trat der Bürgermeister schließlich dem Vorwurf entgegen, die Schließung des Schwimmerbeckens sei nur der Anfang. Man wolle sicher bald das ganze Bad dicht machen. „Das ist absurd. Ich werde zu keiner Zeit vorschlagen, das Bad zu schließen“, versicherte Sidortschuk.

200 Lehrter unterschreiben Protestnote

Wie groß der Unmut über die mögliche Schließung des Schwimmerbeckens im Freibad ist, hat der Bürgermeister jetzt auch schriftlich. Birgit Röbber übergab am Donnerstagabend eine Protestnote mit rund 200 Unterschriften an Klaus Sidortschuk. Die Lehrterin hat darüber hinaus eine Online-Petition auf den Weg gebracht. Bis Freitagnachmittag unterstützten darauf 219 Menschen den Appell, das Vorhaben noch einmal zu überdenken. Röbber betont in der Begründung zu der Petition vor allem, dass sie in der Annahme, sie könne das Freibad in vollem Umfang nutzen, eine Jahreskarte gekauft habe.

Von Achim Gückel

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