Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Unfall bei Haimar: Richter liest Raser die Leviten
Umland Lehrte Nachrichten Unfall bei Haimar: Richter liest Raser die Leviten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:39 04.03.2018
Das Amtsgericht Lehrte urteilt einen Raser aus Langenhagen ab. Quelle: Achim Gückel
Haimar/Lehrte

 Das Amtsgericht Lehrte hat am Donnerstag ein deutliches Zeichen gegen Raserei im Straßenverkehr gesetzt. Richter Robert Glaß verurteilte einen 28-jährigen Langenhagener zu zehn Monaten Führerscheinentzug und zu einer Geldstrafe. Außerdem ist der junge Mann jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung abgeurteilt. Der Langenhagener hatte am 1. Mai vergangenen Jahres am Rand von Haimar einen Auffahrunfall verursacht – weil er mit mindestens Tempo 113 aus dem Ort raste. Diesen Wert hatte ein Gutachter ermittelt.

Was sich der 28-Jährige am frühen Abend des Maifeiertages 2017 leistete, klingt wie Wildwest auf der Straße. Auf dem Weg von Hannover nach Peine bretterte der Mann über die Bundesstraße 65 im Sehnder Stadtgebiet – vorweg der BMW eines Bekannten, dahinter der VW Golf des Langehageners. Zwischen Evern und Haimar gab es ein rasantes Überholmanöver. Der Fahrer eines Renault-Kleinwagens gab am Donnerstag vor Gericht an, es habe „richtig geknallt“, als BMW und Golf an ihm vorbei zogen.

Am Ortsausgang von Haimar kam es dann zu dem Unfall. Eine 41-jährige Peinerin wollte dort mit ihrem VW Polo von einer Seitenstraße auf die Bundesstraße in Richtung Mehrum einbiegen. Den BMW sah sie noch vorbeihuschen, den darauf folgenden Golf habe sie jedoch nicht wahrgenommen. Als sie schon auf der Hauptverkehrsstraße war und beschleunigte, krachte der VW des Langehageners auf das Heck des Polo. Die Frau erlitt dabei ein Schädel-Hirn-Trauma und Prellungen, auch der 28-Jährige wurde verletzt. Beide Autos hatten nach der Kollision nur noch Schrottwert.

Die Polizei stellte am Unfallort eine rund 40 Meter lange Bremsspur des Golf fest. Berechnungen ergaben, dass der Wagen abzüglich aller Toleranzwerte mindestens 113 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho hatte – und zwar noch innerhalb der geschlossenen Ortschaft. Der 28-Jährige beschrieb das vor Gericht so: „Ich habe angefangen, auf 100 zu beschleunigen.“ Mit Tempo 70 sei er vor der Kollision vermutlich gefahren, genau erinnern könne er sich aber nicht mehr daran.

Ansonsten zeigte sich der Golf-Fahrer vor Gericht reumütig. Er entschuldigte sich bei der Polo-Fahrerin und betonte, die ganze Sache tue ihm leid. Er werde sich nun „an alles halten, was Gesetz ist“ und stehe nun wohl „am tiefsten Punkt des Lebens“. Sein Rechtsanwalt betonte außerdem, sein Mandant habe nach dem Unfall eine verkehrspsychologische Beratung besucht.

All das beeindruckte Richter Glaß nicht. Die Einlassungen des Angeklagten nannte er „Rumgeeiere und Schönreden“. Die Beratung beim Verkehrspsychologen habe offenbar nicht gefruchtet. Denn die richtige Reaktion vor Gericht wäre ausschließlich das klare Bekenntnis gewesen, viel zu schnell gefahren zu sein. Die Einlassung des Rechtsanwalts, die aus der Seitenstraße kommende Polofahrerin habe ja quasi einen Vorfahrtsverstoß begangen, erzürnte Glaß. „Das Ding haben Sie verbockt“, hielt er dem Langenhagener vor, der schon anderweitig wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen mit dem Auto aufgefallen war.

Ein Dorn im Auge war Glaß auch die Beschaffenheit des VW Golf, Baujahr 1995 - ein mit einem 150-PS-Motor aus einem Audi versehenes Liebhaberstück mit Sportfahrwerk, lackiertem Motorraum, Sportsitzen und -gurten. Fahrer und Auto seien „ein Wolf im Schafspelz“, die Maschine „hochgetunt“. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung, zehn Monaten Führerscheinentzug und eine Geldstrafe von 700 Euro seien da nur angemessen, argumentierte Glaß. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Der 28-Jährige ist indes nun tatsächlich an einem Tiefpunkt angekommen. Den demolierten Golf und einen Mercedes hat er zur Regulierung von Schulden verkaufen müssen, seinen Job hat er unlängst verloren, auch die Prozesskosten muss er übernehmen. Und dann lauern noch die Versicherungen: Die Unfallschäden sind bislang noch nicht reguliert.

Von Achim Gückel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Tennisclub Rot-Gold Lehrte und der Lehrter Postsportverein wollen sich zusammentun. In ihren Jahresversammlungen haben die Mitglieder bereits für die Fusion gestimmt.

04.03.2018

Die Gründung eines Dorfladens in Immensen geht in die heiße Phase. Der Verein „Gemeinsam für Immensen“ lädt zu seiner zweiten Info-Veranstaltung ein, denn im April steht die Gründung an.

04.03.2018

Erneut ist es im Gewerbegebiet am Rand von Ahlten zu Einbrüchen in Autos gekommen. Diebe stahlen dort Airbags aus drei Autos. Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 5500 Euro.

04.03.2018