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Umland Lehrte Nachrichten Frieda Böttjer feiert ihren 100. Geburtstag
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00:36 31.03.2018
Frieda Böttjer bekommt von Heimleiterin Silvia Liedtke einen Blumenstrauß zum Geburtstag. Quelle: Oliver Kühn
Lehrte

 Der Erste Weltkrieg wütete noch, Kaiser Wilhelm II. regierte, Frauen durften nicht wählen, und Autos galten gemeinhin als Wunderkisten: Da erblickte Frieda Böttjer das Licht der Welt. Am 29. März 1918 – auf den Tag genau vor 100 Jahren. Ihren Geburtstag feiert sie am Donnerstag klein im Rosemarie-Nieschlag-Haus mit Mitarbeitern und Bewohnern des Alten- und Pflegeheims, und am Ostermontag groß im Kreise ihrer Familie mit drei Kindern, neun Enkeln und 19 Urenkeln.

Ein Jahrhundert Leben – wie schafft man das? „Auch wenn es komisch klingt“, sagt die gebürtige Bremerin. „Ich habe jeden Tag gebetet.“ Das habe sie von ihrer Mutter gelernt. Und der Glaube hat ihr Kraft gegeben, die vielen Schicksalsschläge auszuhalten: Als sie zwei Jahre alt war, verunglückte ihr Vater tödlich, ihre Schwester kam im Zweiten Weltkrieg ums Leben, und sie selbst wurde ausgebombt, während ihr Mann iN Russland kämpfte. „Er wurde ein paar Monate nach unserer Hochzeit eingezogen, da waren wir quasi noch in den Flitterwochen“, erinnert sich Frieda Böttjer zurück. Einmal hat sie sogar Adolf Hitler bei einer Straßenparade im offenen Auto gesehen. „Da musste man den Hitlergruß machen, obwohl ich damit nichts am Hut hatte“, sagt die Jubilarin.

Frieda Böttjer mit einem ihrer Kinder während des Zweiten Weltkrieges. Quelle: Privat

Dennoch hat sie nie ihren Humor verloren. „Mit Schimpfen kommt man auch nicht weiter, darum lache ich lieber“, sagt Frieda Böttjer und guckt verschmitzt aus ihren wachen Augen. Das merkt man auch bei ihren Erzählungen. Ihren späteren Mann Hinrich habe sie Ende der Dreißigerjahre beim Tanzen kennengelernt, mit 18. Da war sie schon Büroangestellte in einem Bremer Schreibwarengeschäft. Doch geheiratet wurde erst mit 21. „Der ließ nicht locker“, sagt die Seniorin trocken. Bis dahin ging man Händchen haltend spazieren oder ins Kino, auch wenn das nicht so ihr Ding war. „Aber wo sollte man denn sonst hin?“

Im Krieg teilte sie das Schicksal vieler Mütter und musste ihre drei Kinder – heute auch schon 76, 74 und 69 Jahre alt – alleine durchbringen. Als ihr Mann schwerverletzt aus dem Krieg zurückkehrte, wohnten sie zunächst in einer kleinen Wohnung in einer Kirche. Doch langsam ging es bei den Böttjers wie in ganz Deutschland bergauf. Als ihr Gatte verstarb, zog Frieda Böttjer 1980 nach Lehrte zu ihrer Tochter Traute und ihrem Schwiegersohn Karl-Georg Meyer, von 1969 bis 1986 Pastor der Matthäusgemeinde.

Ihre Hobbys Singen und Handarbeiten betreibt Böttjer bis heute. „Ich musste schon in der Schule vorsingen“, sagt Frieda Böttjer ein bisschen stolz. „Turnen war dagegen eine Sechs.“ Nur eines schmerzt sie. Wegen des geplanten Umbaus des Rosemarie-Nieschlag-Hauses musste sie aus dem Gartentrakt ausziehen. „Leider, das war da ganz schön.“ Aber das ist heute bestimmt kein Thema.

Von Oliver Kühn

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