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Nachrichten Startschuss für das 170-Millionen-Projekt
Umland Lehrte Nachrichten Startschuss für das 170-Millionen-Projekt
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00:41 18.05.2018
Sie geben das "Go" für den Bau des Megahub: Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk (von links), Dirk Rompf, Vorstandsmitglied der DB Netz AG, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn Ulrich Bischoping, der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann, Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Bernd Althusmann und Hans Pieper, Geschäftsführer der Deutschen Umschlaggesellschaft Schiene-Straße, die den Megahub betreiben wird. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

 Im Jahr 1988 wurde erstmals über dieses Projekt gesprochen. Nun, am Dienstag, 15. Mai 2018, hat der Bau des riesigen Containerterminals Megahub zwischen Lehrte und Ahlten begonnen. Das riesige Bauwerk wird das Landschaftbild westlich von Lehrte deutlich verändern. Es ist eines der größten Bauvorhaben, das die Stadt je erlebt hat.

Zur Feier des Tages hatte die Bahn mehr als 100 Gäste eingeladen. Die prominentesten unter ihnen: Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Bernd Althusmann und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Enak Ferlemann. Sie lobten das mit Kosten von 170 Millionen Euro veranschlagte Bauvorhaben als ein „Modellprojekt“ (Ferlemann) und „eines der größten verkehrspolitischen Projekt Niedersachsens“ (Althusmann). In Lehrte entstehe ein Logistikknoten für Deutschland, es werde Zukunfts- und Wirtschaftspolitik mit bundesweiter Bedeutung gestaltet, sagte der Minister.

In all den Jubel über den offiziellen Baustart mischte sich indes auch eine kleine Prise der Mahnung. Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk betonte, dass der Bau des Megahub „nicht überall auf hundertprozentige Zustimmung“ treffe. Es gebe auch Sorgen über zunehmenden Lastwagenverkehr und Lärm, und man dürfe „die hier lebenden Menschen nicht aus dem Blick verlieren“, sagte er.

Damit spielte er auf die Proteste an, die insbesondere aus Ahlten kommen. Dort wird der Verein „Megaleise“ nun sogar mit Hilfe einer Klage mehr Schutz vor dem Lärm des Containerterminals einfordern. 

Die Vorarbeiten für den Megahub auf dem ehemaligen Rangierbahnhof westlich der Kernstadt laufen bereits seit dem Jahr 2014. Es wurden unter anderem eine Zuwegung gebaut, Eidechsen umgesiedelt, alte Gleise entfernt sowie Kabel- und Erdarbeiten erledigt. Jetzt beginnt der Hochbau. Schon in rund einem Jahr soll ein Probebetrieb der Anlage beginnen, Ende 2019 soll sie dann vollständig in Betrieb gehen.

Die technischen Daten des Terminals, mit dem Container sortiert und umgeladen werden, sind beeindruckend: 120.000 Quadratmeter Grundfläche, sechs jeweils 700 Meter lange Umschlaggleise, bis zu sechs halbautomatische Portalkräne, mehr als acht Kilometer Gleise. Bis zu 16 komplette Güterzüge sollen auf dieser Anlage täglich mit Containern bestückt werden, und zwar insbesondere zu den Nachtstunden.

Ferlemann skizzierte die Fuktion des Megahub am Dienstagmittag mit einfachen Worten: „Die Menschen steigen am Hauptbahnhof in Hannover um, die Container künftig in Lehrte.“ Das nun entstehende Terminal sei „hocheffizient und wirtschaftlich“ und ein Meilenstein in der Verkehrswende, bei der man Lastverkehr von der Straße auf die Schiene bringen wolle. Jeder Cent für dieses Projekt sei „gut angelegtes Geld. 100 Millionen Euro trägt allein der Bund.

Auch Ferlemann sprach von Einschränkungen für die in der Nachbarschaft lebenden Menschen. Lärm und Lastverkehr würden aber „gar nicht so schlimm werden“, versprach er. An der einen oder anderen Stelle könne man aber sicher auch noch nachbessern betote der Staatssekretär mit Blick auf die massiven Forderungen nach mehr Lärmschutz. Auf jeden Fall sei dieser Tag des Megahub-Baustarts ein „wunderschöner für die Eisenbahn in Deutschland“ und die alte Eisenbahnerstadt Lehrte eine „Traumstadt“ für den Megahub.

Erstere Spatenstich für den Megahub bei Lehrte.

Auch Dirk Rompf, Vorstand bei der DB Netz AG, unter deren Federführung der Bau stattfindet, fand lobende Worte. Er sagte, Lehrte sei als Knotenpunkt der Bahn ein idealer Standort. Der Megahub bringe zudem 75 neue Arbeitsplätze und sorge möglicherweise für die Ansiedlung weiterer Betriebe. „Wir werden auch Anstrengungen für die Anwohner unternehmen“, versprach er. Etwa jene, dass der Bau des Terminals im Wesentlichen zwischen 7 und 20 Uhr geschehen soll und nicht nachts. Darüber hinaus setze  man einen Baulärmbeauftragten ein, errichte einen Infocontainer am Eisenbahnlängsweg, richte eine gesonderte Mailadresse für Beschwerden und Fragen ein und biete den Service einer Aussichtsplattform zur Beobachtung der Baufortschritte.

Nach der offiziellen Feierstunde am Mittag folgte am späten Nachmittag noch ein Baustellenfest mit Führungen, Spielen und Infos rund um das 170-Millionen-Euro-Projekt.

Verein Megaleise legt Klage gegen das Projekt ein

Am Eisenbahnlägsweg neben der Megahub-Baustelle waren die Reden der prominenten Gäste noch nicht ganz verklungen, da regte sich an anderer Stelle erneut Protest gegen die Pläne für das Containerterminal. Die Bürgerinitiative Megaleise hat am Dienstagmittag ihre angekündigte Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Sie sieht im Planfeststellungsbeschluss für das Projekt gravierende rechtliche und sachliche Fehler. Mit der Klage will Megaleise deutlich mehr Schutz vor der Schallentwicklung des Megahub erreichen. Die Bürger befürchten nicht nur Belastungen für die Gesundheit, sondern auch eine allgemein sinkende Lebensqualität in Ahlten und einen Wertverlust von Grundstücken und Immobilien.

Vor rund zwei Monaten hatte Megaleise begonnen, Geld für die Klage zu sammeln. Von rund 30.000 Euro war die Rede. Zuspruch und Unterstützung für die Initiative waren enorm. Jetzt dankt Megaleise ausdrücklich den vielen Spendern. „ohne die Ahltener und Lehrter Bürger wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Sprecherin Silke Vatterott. 

Ahltens Ortsbürgermeisterin Heike Koehler (CDU) wurde am Dienstagmittag direkt bei der Feier am Eisenbahnlängsweg aktiv. Sie überreichte zwei Briefe der CDU Ahlten, in denen Forderungen nach besserem Lärm, Licht- und Sichtschutz niedergeschrieben sind. Empfänger der Briefe: Niedersachsens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Bernd Althusmann (CDU) und der Konzernbevollmächtigte der Bahn AG in Norddeutschland, Ulrich Bischoping.

Von Achim Gückel

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