Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Ingolf Lück explodiert regelrecht vor Worten

Lehrte Ingolf Lück explodiert regelrecht vor Worten

In der Ein-Mann-Performance des Theaterstücks „Seite Eins“ explodierte der Schauspieler Ingolf Lück regelrecht vor Worten auf der Bühne des Kurt-Hirschfeld Forums. Seine stakkatoartigen Wortergüsse spuckte er förmlich heraus.

Voriger Artikel
Landeserlass bringt Gnadenhof in Bedrängnis
Nächster Artikel
Gerhard Posywio fordert Grundeinkommen für alle

Ingolf Lück brillierte in dem Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone mit einer zynischen Abrechnung über die Massenmedien.

Quelle: Susanne Hanke

Lehrte. Lück interpretierte seine Rolle als skrupelloser Boulevard-Journalist mit vollem Körpereinsatz und starker Mimik, die für jede Sekunde gnadenlose Aufmerksamkeit verlangte. „Finden Sie mich schlimm?“ stellte er gleich zu Anfang eine provokative Frage. Dabei zielte er aber keineswegs auf eine Antwort ab, sondern nahm dies als Anlass, über den Boulevard-Journalismus zu philosophieren und die Medien kritisch zu hinterfragen. Satire inbegriffen.

So steigerte sich Lück geradezu euphorisch in die Geschichte um den Rothalsdüsterkäfer. „Die Gutmenschen pulen ihn aus der tiefsten Baumrinde, damit ihm Gerechtigkeit widerfahre“ - und spielte so drastisch, dass es Spontanapplaus gab. Eingebettet in die sozialkritischen Studien war die minutiöse Schilderung über die Entstehung einer reißerischen Titelstory. Das „Opfer“, die junge Sängerin Lea, war dabei nur imaginär in den Gesprächen des Journalisten am Smartphone präsent. Lück beherrschte jedoch die Kunst, diese Gespräche mit Lebendigkeit zu füllen und dabei gleichzeitig die Doppelbödigkeit der medialen Welt zu entlarven. So jonglierte er mit falschen Darstellungen und erpresserischen Methoden, bis er das gewünschte Ergebnis hatte.

Die Wirklichkeit sei noch schlimmer, habe Günther Wallraff ihm einmal gesagt, der ihn in dieser Aufführung gesehen habe, verriet Lück. „Wir schießen die Fotos für Sie, Sie müssen entscheiden, ob sie weiter träumen wollen“ war seine Botschaft, dass auch der Leser sich seiner Verantwortung bewusst sein müsse. „Wir müssen doch aufpassen auf unser Land“, mahnte er. Mit viel Applaus wurde der engagierte Schauspieler an diesem Abend für seine extrovertierte Vorstellung belohnt.

Von susanne Hanke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten