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Umland Lehrte Nachrichten Werden die Stadtwerke-Villen abgerissen?
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16:18 09.02.2018
Das stattliche Backsteingebäude an der Manskestraße muss vermutlich für das geplante Baugebiet auf dem alten Stadtwerkegelände weichen. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

 Die Lehrter müssen sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass schon bald zwei weitere altbekannte Gebäude aus dem Stadtbild verschwinden könnten –und zwar die sogenannte Stadtwerkevilla und das alte Backsteingebäude auf dem früheren Stadtwerkegelände an der Manskestraße. Beide stehen der geplanten Bebauung auf der rund 6800 Quadratmeter großen Fläche in Weg. Sie zu erhalten und in das Baugebiet zu integrieren mache ökonomisch keinen Sinn, meinen Experten.

„Das tut mir weh“, sagte Lehrtes Stellvertretender Bürgermeister Burkhard Hoppe (SPD) in einer ersten Reaktion auf diese Ankündigung in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses: „Wir haben in Lehrte schon ziemlich viel Altes beseitigt.“ Indes gehe wohl am Abriss der zwei prägenden Gebäude an der Manskestraße nichts vorbei, wenn man auf dem einstigen Gelände der Stadtwerke etwas Sinnvolles entwickeln wolle. „Wir müssen damit wohl leben“, sagte Hoppe etwas resignierend.

Vertreter der Lehrter Wohnungsbaugesellschaft, die das Baugebiet entwickeln wird, hatten zuvor den Kommunalpolitikern erläutert, was sie auf der Fläche im Herzen der Stadt vorhaben – nämlich Gebäude mit drei Vollgeschossen und einem aufgesetzten Staffelgeschoss, vermutlich einen durchgehenden Gebäuderiegel entlang der Manskestraße sowie eine Tiefgarage, um alle Auflagen für die Anzahl der zu schaffenden Parkplätze zu erfüllen.

Wie das Baugebiet im Detail aussehen wird und wie viele Wohnungen die Wohnungsbau dort schaffen wird, ist indes noch völlig unklar. Erst im Dezember startete ein sogenanntes gutachterliches Verfahren, in dem Architekten ihre Vorschläge einreichen können. Sechs renommierte Büros haben mittlerweile Vorschläge eingereicht. Im Mai oder Juni soll der Siegerentwurf gekürt werden. Baubeginn könnte im November 2019 sein, hofft die Lehrter Wohnungsbau. Die ersten Mieter würden dann wohl Mitte 2022 einziehen.

Frank Wersebe, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, nannte den Wohnstandort an der Manskestraße im Bauausschuss „eines der besten Grundstücke in der gesamten Region Hannover für solch ein Vorhaben.“ Die Lage sei ideal – zwischen Nahrrholung im Stadtpark, Nahversorgung in Zuckerzentrum und Neuem Zentrum sowie Nahverkehr mit dem Bahnhof und einer Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe. „Alles ist von dort aus in einer Minute erreichbar“, sagte Wersebe. Man wolle dort „ganz normale Wohnungen“ bauen. Angesichts einer geschätzten Investition von 25 Millionen Euro werde man aber vermutlich jenseits der 10-Euro-Marke pro Quadratmneter gehen müssen. 25 Prozent der Wohnungen wolle man auch zum Kauf anbieten.

Auch ein Fall für die Abrissbirne: Die alte Stadtwerkevilla. Quelle: Achim Gückel

Die zwei alten Gebäude auf dem Stadtwerkegelände sind bei diesem Vorhaben aber hinderlich. Die Kosten für den Erhalt und Sanierung des Wohnraums in den zwei Häusern lägen deutlich über jenen für einen entsprechenden Neubau, hieß es im Ausschuss. Wenn man beide stehen ließe, sei nicht genug Platz, dieses städtebauliche Filetstück sinnvoll und ökonomisch zu bebauen. Auch mit dem für die Neubauten vorgeschriebenen Lärmschutz gebe es dann enorme Probleme. 

Lehrtes Baupolitiker erhoben in der Sitzung nicht ihre Stimme gegen den möglichen Abriss. Christoph Lokotsch (Linke) appellierte, das Grundstück „bestmöglich zu nutzen“, Ekkehard Bock-Wegener (SPD) meinte, man müsse „genaue Überlegungen anstellen“, was sinnvoll sei. Differenzen gab es über die Anzahl der zu schaffenden Parkplätze auf dem Gelände. Der vorgeschriebene Wert von 1,2 Stellplätzen pro Wohneinheit sei zu hoch, das nehme zu viel Platz weg, meinte Wersebe.

Die Flüchtlingunterkunft ist leer

Mehr als zwei Jahre lang hat das ehemalige Stadtwerkegelände an der Manskestraße als Wohnort für Flüchtlinge gedient. Im September 2015 waren die ersten Menschen in die Sammelunterkunft eingezogen, welche zuvor innerhalb von nur drei Monaten eingerichtet worden und seinerzeit die erste ihrer Art im Stadtgebiet war. Auf dem Parkplatz entlang der Parkstraße wurden zudem Wohncontainer aufgestellt. Jetzt leben in der Unterkunft keine Flüchtlinge mehr. Die letzten sind Ende Dezember ausgezogen. Nach der sogenannten Golden-Toast-Halle an der Everner Straße ist das die zweite große Sammelunterkunft für Flüchtlinge, welche die Stadt aufgeben konnte. Die Stadtwerke waren Ende 2014 in ihr neues Gebäude an der Germaniastraße umgezogen. ac

Von Achim Gückel

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