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Umland Lehrte Nachrichten Der Wochenmarkt bleibt an der Matthäuskirche
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13:57 23.02.2018
Bürgermeister und Bauausschuss vollziehen in der Debatte über die Verlegung des Lehrter Wochenmarkts eine Vollbremsung. Quelle: Achim Gückel
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Lehrte

 Bürgermeister Klaus Sidortschuk und Lehrtes Kommunalpolitiker haben am frühen Montagabend eine Vollbremsung hingelegt. In der Sitzung des Bauausschusses packten sie den heiß diskutierten Plan zur Verlegung des Wochenmarkt vom Platz an der Matthäuskirche auf jenen vor dem City-Center an der Burgdorfer Straße in die Schublade. Statt dessen will die Stadt den Betreiber des Markts, die Gesellschaft Attraktive Wochenmärkte, stärker in die Pflicht nehmen. Sie soll den Wochenmarkt nun aufpeppen. Erste Ideen dafür präsentierte der Prokurist der Gesellschaft, Michael Riebe, noch während der Sitzung.

Die mögliche Verlegung des Wochenmarkts ist schon seit fast zwei Jahren ein Thema, hatte aber erst in den vergangenen Wochen zu heftigen Reaktionen bei den Lehrter Bürgern geführt. Es gab unter anderem einen offenen Brief der beiden Matthäus-Pastorinnen Beate Gärtner und Gesa Steingräber-Broder an Politiker und Bürgermeister. Der Markt gehöre auf den Marktplatz an der Kirche, hieß es darin. Ebenso argumentierten Geschäftsinhaber aus dem Alten Dorf und viele Kunden des Wochenmarkts. Darüber hinaus gab es Leserbriefe, Eingaben von Bürgern an die Kommunalpolitiker und Debatten in Internet-Netzwerken. Dabei plädierte die Mehrheit der Schreiber für den Erhalt des Markts am altbekannten Standort. Mancher bezichtigte die Politiker, über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden zu wollen.

Vor wenigen Tagen hatte sich auch die CDU klar dafür ausgesprochen, den Markt an der Kirche zu lassen. Die SPD, die noch vor zwei Wochen den Umzug befürwortet hatte, zeigte sich nun im Bauausschuss beeindruckt von der offenbar überwiegenden Meinung der Bürger. „Uns geht es vor allem um den Erhalt des Markts. Wir nehmen die Debatten und das Engagement der Bürger zur Kenntnis“, sagte Ekkehard Bock-Wegener, Chef der Kernstadt-SPD. Den Markt an der Kirche zu lassen und zu schauen, wie er sich dort entwickele, sei „okay“. Ronald Schütz (Grüne) nannte es „richtig“, das Verfahren zur Marktverlegung zu stoppen. Der Standort an der Kirche sei barrierefrei und in den Köpfen der Lehrter verankert. Es wäre falsch, etwas „was gut ist gegen etwas mit Makeln einzutauschen“, sagte er in Anspielung auf den nicht barrierefreien und verwinkelten Platz am City-Center.

Christoph Lokotsch (Linke) betonte, er wäre „bereit gewesen, den Umzug auch in einer Abstimmung abzulehnen“. Die lautstarke öffentliche Diskussion steigere nun die Chance, dass wieder mehr Lehrter den Markt besuchten und für Umsätze sorgten. Jonas Schlossarek (CDU) betonte, dass das Meinungsbild der Lehrter aus seiner Sicht eindeutig gewesen sei. „Und wir haben dazu auch die Händler befragt“, sagte er.

In der Beratungsvorlage, die nun erst einmal bei den Akten liegt, hatte die Stadtverwaltung den 21. April als möglichen ersten Markttag vor dem City-Center benannt. Sidortschuk hatte bereits zu Beginn der Debatte im Ausschuss betont, dass die Politik nicht aufgefordert sei, zu diesem Stichtag auf Biegen und Brechen etwas zu beschließen. „Es kann auch nicht das Ziel sein, in dieser Frage Fronten in der Stadt aufzubauen“, hatte das Stadtoberhaupt betont. Daher ziehe die Verwaltung die Vorlage zurück. Einstimmiger Auftrag der Politik sei es ursprünglich ohnehin nur gewesen, die Machbarkeit eines Wochenmarkts am City-Center zu untersuchen, betonte Sidortschuk. Diese Studie habe die Verwaltung nun in der Schublade. Auch der Bürgermeister ging auf die Diskussionen während der vergangenen zwei Wochen ein. Diese hätten die Grundlage für die politische Debatte nachhaltig verändert.

Mehrere Redner gingen indes hart mit der Gesellschaft Attraktive Wochenmärkte, ins Gericht. Diese habe „zu wenig gemacht“ (Schlossarek), „nicht genug Bewegung gezeigt“ (Schütz) und müsse nun „mehr Power zeigen“ (Bock-Wegener).

Einziger Redner, der am Montagabend ein wenig von der allgemeinen Linie abwich, war André Tepper (SPD), der im Ausschuss nicht stimmberechtigt ist. Die Befürworter eines Umzugs des Markts seien in den vergangenen Wochen halt deutlich leiser gewesen als die Gegner, sagte er. Nun regiere in Sachen Wochenmarkt „das Prinzip Hoffnung“ – die Hoffnung darauf, dass die Kundenfrequenz besser werde und die Händler bei der Stange blieben. „Aber ich befürchte, dass wir in zwei, drei Jahren die Diskussion um den Wochenmarkt erneut führen“, sagte Tepper. Möglicherweise sei der Markt dann aber schon „klinisch tot“.

Marktbetreiber will Stände neu platzieren

Die Gesellschaft Attraktive Wochenmärkte hat im Bauausschuss reichlich Kritik einstecken müssen. Prokurist Michael Riebe sicherte aber zu, dass man nun nicht grollen, sondern die Probleme in die Hand nehmen und den Markt attraktiver machen wolle. „Wir waren nicht untätig“, sagte er. Schließlich habe man schon in den vergangenen Wochen absehen können, dass es mit dem ursprünglich gewünschten und bei einer Umfrage von einer Mehrzahl der Händler befürworteten Umzug möglicherweise nichts werden würde.

Riebe nannte als Sofortmaßnahmen etwa ein neues Konzept für die Aufstellung der Stände, welches schon in wenigen Wochen greifen könnte, mehr Werbung und das Aufstellen von Hinweisschildern an Hauptverkehrsstraße in der Kernstadt. Letzteres habe man schon vor einigen Jahren machen wollen, dafür aber von der Stadt keine Plätze zugewiesen bekommen. Mit politischer Unterstützung sei das nun ja vielleicht möglich, sagte Riebe am Dienstag.

Außerdem regte der Prokurist an, die Toilettenanlagen am Marktplatz zu sanieren. Das sei dringend nötig, liege aber in der Verantwortung der Stadt. Kundenfreundlich wäre es auch, mehr Fahrradbügel zu installieren.

Der Kommentar: Geht zum Markt!

Machbarkeitsstudie in die Schublade, keine Abstimmung, großes Aufatmen: Der Bürgermeister hat in der Debatte um die Verlegung des Wochenmarkts gerade noch rechtzeitig den Notausgang aufgemacht – und die Politik, inklusive SPD, ist bereitwillig hindurch marschiert. Freilich hätte es bei einer Abstimmung ohnehin keine Mehrheit für den Umzug zum City-Center gegeben. Die Sache ohne Abstimmung zu beerdigen, ist aber deutlich besseres Signal an all jene Bürger, die in den vergangenen Wochen ihren Unmut kundgetan und Widerstand angemeldet haben. Die Politik folgt nun dem Bürgerwillen, den sie zwei Jahre lang nicht wirklich abgefragt hatte. Immerhin!

Nun aber wird es umso spannender. Niemand sollte glauben, mit mehr Engagement der arg gescholtenen Gesellschaft Attraktive Wochenmarkt, mit mehr Werbung und Hinweisschildern sei die Sache zum Guten abgewendet. Was nun folgen muss, ist vielmehr die berühmte Abstimmung mit den Füßen. Also liebe Lehrter: Geht zum Markt, macht ihn lebendig, lasst die Kassen der Händler klingen. Geschieht das nicht, beginnt sicher schon bald die nächste Debatte um das Siechtum des Wochenmarkts.

Von Achim Gückel

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