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Umland Lehrte Nachrichten Messerstecher bleibt in geschlossener Psychiatrie
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03:39 05.03.2018
Das Landgericht schickt einen 35-jährigen Lehrter in die geschlossene Psychiatrie. Quelle: Symbolbild
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Lehrte/Hildesheim

 Dieses Urteil kommt alles andere als überraschend: Der 35-jährige Lehrter, der am 20. August vergangenen Jahres in einem Haus an der Falkenstraße seinem eigenen Vater tödliche Stichverletzungen zugefügt hat, bleibt dauerhaft in der geschlossenen Psychiatrie. Das Landgericht Hildesheim hat am Freitagvormittag verkündet, dass der Mann nicht schuldfähig ist. Für ihn kommt daher statt einer Haftstrafe nur die sogenannte Sicherungsverwahrung in Betracht.

Gutachter hatten während der Verhandlung dargelegt, dass der 35-jährige unter einer chronischen paranoiden Schizophrenie leidet – also unter Wahnvorstellungen, einer starken Persönlichkeitsstörung und Halluzinationen. Über das zu verhängende Urteil gab es daher auch keine zwei Meinungen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten gleichermaßen auf „Totschlag im Zustand der Schuldunfähigkeit“ und Sicherungsverwahrung plädiert.

Schon der erste Verhandlungstag vor gut zwei Wochen hatte tiefe Einblicke in die kranke Seelenwelt des Angeklagten gewährt. Die Aussagen mehrerer Familienmitglieder zeichneten das Bild eines Mannes, der schon seit Jahren in einer Parallelwelt zu Hause war und von dem man zuletzt sogar Angst haben musste, wie es eine Schwägerin ausdrückte.

Dabei war unter anderem von einem schwarzen Notizheft die Rede gewesen, in das der 35-Jährige Namen von Menschen gekritzelt hatte, die er mutmaßlich umbringen wollte. Neben Fantasienamen standen dort auch die Namen von Familienmitgliedern. Auch eine andere, höchst verstörende Wahnvorstellung des Mannes war Gegenstand der Erörterungen. Er habe immer wieder geklagt, man habe ihm die Augen genommen und durch eine Kamera ersetzt sowie einen Mikrochip in seinen Rücken eingesetzt, um ihn besser kontrollieren zu können. Auch von zwei Aufenthalten in einer psychiatrischen Klinik war die Rede gewesen. Beide hatte der Lehrter jedoch abgebrochen und anschließend auch seine Medikamente nicht genommen. Die Schwägerin berichtete außerdem von mehreren Messern, die zwischen den Bekleidungsstücken im Schrank des 35-Jährigen lagen.

Auch das Verhältnis zum eigenen Vater, der diesen jüngsten seiner Söhne stets verwöhnt haben soll, war in der Verhandlung zur Sprache gekommen. Der Vater habe ihm „etwas angetan“, habe der Angeklagte mehrfach geäußert. 

Die tödliche Attacke am Abend des 20. August führte der 35-Jährige mit einem Küchenmesser aus. Zwei Stiche trafen den Vater in die Brust, drei in den Rücken. An den starken Verletzungen im Bereich der Nieren, Lunge und nahe dem Herzen verblutete der 61-Jährige. Er starb zwei Stunden nach dem Angriff in einer Klinik. Ein 19-jähriger Enkelsohn des Mannes hatte den letzten der todbringenden Stiche noch mit eigenen Augen gesehen. Er hatte dem Großvater zu Hilfe eilen wollen. Der 35-Jährige hatte nach der Tat das Haus der Familie erst verlassen, sich aber kurze Zeit später selbst der Polizei gestellt. Schon kurz danach wurde er in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht.

Von Achim Gückel

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