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Matthäus-Pastorinnen schreiben offenen Brief

Lehrte Matthäus-Pastorinnen schreiben offenen Brief

Die beiden Pastorinnen der Lehrter Matthäusgemeinde haben einen offene Brief an den Bürgermeister geschrieben. Darin setzen sie sich für den Verbleib des Lehrter Wochenmarktes an der Kirche ein.

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Soll er an der Matthäuskirche bleiben oder doch lieber an die Burgdorfer Straße ziehen? Die Diskussion um den richtigen Standort für den Lehrter Wochenmarkt  geht weiter.

Quelle: Katja Eggers (Archiv)

Lehrte.  In die Diskussionen um die mögliche Verlegung des Lehrter Wochenmarktes vom Marktplatz ans Citycenter haben sich jetzt auch die zwei Pastorinnen der Matthäusgemeinde eingeschaltet. Beate Gärtner und Gesa Steingräber-Broder plädieren in einem offenen Brief an den Bürgermeister und die Ratsmitglieder für den Erhalt des Marktes an der Kirche.

Die Pastorinnen sind von Mitgliedern ihrer Gemeinde gebeten worden, in der aktuellen Debatte Stellung zu beziehen. In ihrem offenen Brief führen sie nun unterschiedliche Argumente an und bitten darum, dass Bürgermeister und Mitglieder des Rates diese in ihre Einschätzungen zum richtigen Marktstandort einbeziehen.

Markt und Kirche gehören laut Steingräber-Broder und Gärtner unbedingt zusammen. Das spiegele sich auch im Lehrter Volksmund wieder. Die Matthäuskirche werde von vielen Bürgern als Matthäuskirche am Markt oder schlicht als Marktkirche bezeichnet. Eine Verbindung von Markt und Kirche gebe es in vielen Städten – und das komme nicht von ungefähr. Es entspringe einer gesellschaftlichen Struktur, in der städtisches und kirchliches Leben aufeinander bezogen waren und sich gegenseitig ergänzten. Diese Struktur gelte es zu erhalten. „Der Markt bietet Nahrung für den Leib, die Kirche bietet Nahrung für die Seele, beides gehört zusammen“, schreiben die Pastorinnen in ihrem Brief.

Diese Struktur spiegele sich auch in der sogenannten Offenen Kirche wieder, wenn die Matthäuskirche sich sonnabends zur Kernzeit des Markets von 10 bis 12 Uhr zu Andacht und Einkehr öffne. Die Pastorinnen berichten in ihrem Brief, dass viele Markbesucher dieses Angebot nutzen und in der Kirche dann einen Moment der Ruhe finden. Sie würden Kerzen entzünden oder sich einfach still in den Kirchenraum setzen. Bei einer Verlegung des Marktes sehen die Pastorinnen die offene Kirche als „stark gefährdet“ an.

Mit dem Brief möchten sie zudem auf die Nöte älterer Gemeindemitglieder aufmerksam machen: Der Weg zum Einkaufen auf dem Markt am Citycenter sei für viele, die im Bereich der Matthäuskirche leben, zu weit. Vor allem Ältere seien aufgrund ihrer mangelnden Mobilität auf den Markt am Sonnabend an der Kirche angewiesen.

Die Pastorinnen betonen, „dass es keineswegs die Marktbesucher sind, die wollen, dass der Markt verlegt wird“. Die Sorgen der Marktbeschicker könnten sie zwar verstehen. Auf der anderen Seite sind die Pastorinnen der festen Überzeugung, „dass der Marktplatz und die Umgebung der Matthäuskirche viel an innerem und äußeren Wert verliert, wenn der Markt von dort fortzieht.“

Die Fläche vor dem City-Center an der Burgdorfer Straße

Die Fläche vor dem City-Center an der Burgdorfer Straße: Ist hier der richtige Platz für den Lehrter Wochenmarkt?

Quelle: Achim Gückel

Die Frage, ob der Markt an der Kirche bleiben oder vor das City-Center an der Burgdorfer Straße umziehen soll, erhitzt derzeit die Gemüter vieler Lehrter. In den politschen Sitzungen hat sich eine Mehrheit für die Verlegung abgezeichnet. Auch der Marktbetreiber und viele Händler würden den Markt lieber am zentralen Citycenter sehen. Der Rat wird darüber in seiner Sitzung am 21. Februar entscheiden.

Die SPD bleibt dabei: Umzug ans City-Center

Die SPD-Abteilung der Kernstadt hat ihre Haltung zum künftigen Standort des Wochenmarkts jetzt in einer Pressemitteilung bekräftigt. Sie möchte, dass er auf den Platz vor dem City-Center umzieht. Die Sozialdemokraten begründen ihre Haltung mit einem Votum der Markthändler aus dem Jahr 2016. Damals hatten bei einer Umfrage elf von 15 Händlern für den Wechsel des Standorts plädiert. Das sei ein „starkes Votum, das nicht ignoriert werden sollte“, meinen die Sozialdemokraten.

Schon im Herbst 2015 hatten es aus Reihen der Markthändler massive Klagen darüber gegeben, dass es auf dem Lehrter Markt an der Matthäuskirche an manchen Sonnabenden „grausam“ zugehe und man nur 40 bis 50 Kunden zähle. Es sei das Doppelte nötig, um profitabel wirtschaften zu können. Lehrte sei der am wenigsten profitable Standort für die Händler, die Matthäuskirche zu abgelegen, und es fehle die Laufkundschaft.

Diese Einschätzung hat sich die SPD zu Eigen gemacht. Ebenso wie die Händler befürchten die Sozialdemokraten, dass der Markt am jetzigen Standort irgendwann vor die Hunde geht. Da ein Wochenmarkt in Lehrte aber ein „wichtiger Bestandteil von Lebensqualität und Stadtleben“ sei, müsse er unbedingt erhalten bleiben, heißt es in dem Papier. Daher unterstütze man den Umzug.

„Wir begrüßen die lebendige Debatte um die geplante Verlegung des Wochenmarkts“, versichert Ekkehard Bock-Wegener, Vorsitzender der SPD in der Kernstadt. Damit werde deutlich, dass das Thema die Menschen bewege und viele verschiedene Interessen zu würdigen seien. Aus Sicht der SPD sei es aber von besonderer Bedeutung, dass die Initiative für den geplanten Umzug vor rund zwei Jahren aus den Reihen der Händler gekommen sei. ac

Von Katja Eggers

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