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Umland Lehrte Nachrichten Tödliche Messerstiche gegen den eigenen Vater
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14:39 21.02.2018
In Hildesheim beginnt der Prozess wegen tödlicher Messerstiche gegen den eigenen Vater Quelle: Symbolbild
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Lehrte/HIldesheim

 Zwei Messerstiche treffen den 61-jährigen in die Brust, drei im Rücken. Nieren, Lunge und Bereiche am Herzen sind verletzt. Der Mann blutet stark, kann noch von Familienmitgliedern an den Fuß des Treppenhauses gebracht werden, wo er dann zusammenbricht. Vier Stunden später stirbt er in der MHH infolge massiven Blutverlusts. Dieser furchtbare Vorfall an der Lehrter Falkenstraße am 20. August vergangenen Jahres hat viele Lehrter schockiert. Jetzt hat der Prozess am Landgericht Hildesheim gegen den jüngsten Sohn des Toten begonnen. Der 35-jährige soll die Messerstiche gegen den eigenen Vater ausgeführt haben. Doch schuldfähig ist der Mann vermutlich nicht. Er habe die Tat in einem akuten Wahnzustand begangen und habe eine krankhafte seelische Störung, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Lange dunkle Haare, Vollbart, unruhiger Blick, die Handgelenke in Handschellen: So sitze der Angeklagte am Mittwochvormittag vor Richter Peter Peschka. Er werde zu den Vorwürfen gegen sich nichts sagen, gibt der 35-Jährige in einem fahrigen Statement zu Protokoll. Danach beginnt die Zeugenvernehmung, in der es weniger darum geht, ob der Angeklagte tatsächlich die todbringenden Messerstiche gegen den eigenen Vater ausgeführt hat, sondern vielmehr darum, wie es so weit kommen konnte.

Ein Bruder, eine Schwägerin und ein Neffe des 35-Jährigen sagen als erste aus. Sie alle leben in dem Haus an der Falkenstraße und hielten sich auch dort auf, als die Stiche den 61-Jährigen trafen. Der 19-jährige Neffe gibt sogar an, einen der Stiche noch genau gesehen zu haben, als er wegen der Schreie des Opas in dessen Wohnzimmer stürmte. Früher sei sein Onkel, der nun auf der Anklagebank sitzt, ruhig gewesen, sagt der junge Mann. Doch irgendwann habe er sich stark verändert.

Diese Wandlung des Angeklagten zieht sich wie ein roter Faden durch alle Zeugenaussagen. Wann sie begonnen hat, bleibt unklar. Fest steht aber, dass es Alarmsignale gab. Im Oktober 2014 etwa hatte sich der Angeklagte, bewaffnet mit einer Eisenstange, auf den Weg nach Steinwedel gemacht, um dort jemanden zu verprügeln. Darauf folgt der erste von zwei Aufenthalten in einer psychiatrischen Klinik. Als er entlassen wird, nimmt der Mann seine Medikamente nicht. Es habe Vorfälle gegeben, „wo man merkte, dass er nicht klar war“, sagt der Bruder im Zeugenstand. Und die Schwägerin spricht davon, dass man zuletzt „immer Angst“ vor ihm haben musste.

Unter anderem habe der 35-Jährige im Median-Hotel einmal Gardinen angebrannt und ein ganzes Zimmer demoliert, sagt der Neffe. Die Schwägerin spricht von mehreren Messern zwischen der Wäsche des Mannes und davon, dass man immer wieder das Gefühl hatte, „in seinem Kopf stimmt etwas nicht“. Sein Onkel habe sich mitunter monatelang die Haare wachsen lassen und geäußert, er pflege sich erst dann wieder, wenn er jemanden umgebracht habe, berichtete der Neffe.

Richter Peschka zeigt auch ein schwarzes Notizheft. Darin hatte der Angeklagte etliche Namen geschrieben. Es bestehe die Vermutung, das seien die Namen von Menschen, die der Angeklagte habe umbringen wollen. Namen von Familienmitgliedern reihen sich in dem Heft neben Phantasienamen. Und schließlich habe der Angeklagte immer wieder geklagt, man habe ihm die Augen genommen, statt dessen dort eine Kamera eingebaut und einen Mikrochip in seinen Rücken implantiert, um ihn kontrollieren zu können.

Auch nach den Stichen gegen den Vater soll sich der Angeklagte in höchsten Maße verstörend verhalten haben, den an der Haustür zusammengebrochenen Vater zur Seite geschoben haben und einfach davon gegangen sein, sagen die Zeugen aus. Nur eine halbe Stunde später stellte sich der 35-Jährige jedoch der Polizei.

Dem Mann droht nun statt einer Verurteilung zu einer Haftstrafe die dauerhafte Unterbringung in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus. Dazu müsste das Gericht die Schuldunfähigkeit zur Tatzeit feststellen. Maßgeblich dabei dürfte ein psychiatrisches Gutachten sein, das beim zweiten Prozesstag am 27. Februar vorgestellt wird. Das Urteil ist für den 2. März geplant.

Von Achim Gückel

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