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Umland Lehrte Nachrichten Siebklässler sehen Stück über Freundschaft und Ehre
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19:54 23.02.2018
Ehemals dicke Freunde, tun sich Melek (Romana Schneider) und Joscha (Philipp Bodner) bei der Projektwoche sehr schwer miteinander. Quelle: Sandra Köhler
Lehrte

 Das mit der Freundschaft ist so eine Sache. Einem Kind ist es noch ziemlich egal, wo seine Freunde herkommen. Aber wenn man älter wird, dann geht es plötzlich um Stolz, Ehre und das Dazugehören. Und da kann es schon einmal hart zugehen. Auch unter ehemals dicken Freunden. 

Leichte Kost ist es wahrlich nicht, das Stück „Wir waren mal Freunde – Blick zurück nach vorn“, das das Ensemble Radiks allen Lehrter Siebtklässlern jetzt im Kurt-Hirschfeld-Forum serviert hat. Ausländerfeindlichkeit und Abziehen von Handys mit Messer an die Kehle, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit, zerbrochene Familien und Neid auf jene, denen die Hilfe scheinbar nur so zufliegt. All das bringen die Schauspieler Romana Schneider und  Philipp Bodner auf die Bühne.

Sie tun das unmittelbar, mitunter mit drastischen Worten. „Spacken“ nennt der 16-Jährige Josha etwa seinen Vater, der mit einer Blondine durchbrennt und ihn, seine Mutter und  Schwester Monika ohne Geld und ohne Job zurücklässt. „Hurensohn“ wird der Sechsjährige deshalb in der Schule gehänselt. Und fragt, ganz naiver Grundschüler, seine Mutter zu Hause, ob sie das denn wirklich sei. Eine Hure. 

Kein Wunder, dass  mit der Perspektivlosigkeit  auch die Unzufriedenheit und die Anfälligkeit für radikale Strömungen wachsen. Aber deshalb ein Haus anzünden, nur weil darin Asybewerber untergebracht werden sollen? So einer ist Joscha nicht. Dafür hat er, obwohl garantiert keine Heiliger,  die Regeln seines Lieblingssportes Fußball viel zu sehr verinnerlicht: „ Wir müssen doch alle miteinander klar kommen.“  Und trotz allen Misstrauens kommt er seiner Kindergartenfreundin, der Muslimin Melek, bei einer Projektwoche zum Thema „Deine Zukunft“ wieder näher. Toleranz – der Schlüssel zu etwas mehr Miteinander. Das Ganze ist ein Lehrstück für Heranwachsende, die nach Orientierung in eine komplizierten Welt suchen.

„Warum soll ich jemanden respektieren, wenn der mich nicht respektiert?“, stellt ein Mädchen bei der Diskussion nach dem Theaterstück eine nicht ganz einfache Frage. „Wenn du so jemandem  mit Respekt begegnest, wirst du ihn verwirren, weil er gar nicht damit rechnet“, antwortet Schauspielerin Romana. Sie selbst habe aus ihrer Jugend sowohl Erfahrung mit der linken als auch der rechten Szene gemacht, sagt sie: „Ich selbst war links, aber wir hatten durchaus auch Begegnungen mit den anderen.“ Insofern sei es ihr relativ leicht gefallen, sich in die Rolle der Monika zu versetzen, die zum rechten Mitläufer wird. Mit Melek und ihrem Glauben habe sie sich ebenfall intensiv beschäftigt. 

Engagiert hatten die Schauspieler die Lehrter Schulsozialarbeiter Manfred Günteroth (Schulzentrum Lehrte-Süd), Pascale von Rohr (Gymnasium Lehrte), Corinna Gerardi (IGS Lehrte), und Sozialpädagogin Yvonne Kriester (Hauptschule Lehrte). „Es geht um Gewaltprävention, das ist immer ein Thema, gerade am Schulzentrum Süd, wo Hauptschüler, Realschüler und Migranten zusammenkommen“, sagt Güntheroth. „Wir wollen sensibler machen, wie wir im Alltag mit anderen umgehen“, ergänzt Gerardi. 

Von Sandra Köhler

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