Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Lehrte Naturschutzgebiet schränkt Waldkita nicht ein
Umland Lehrte Naturschutzgebiet schränkt Waldkita nicht ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 02.09.2018
Sonderregelung: Die Waldwichtel dürfen im Hämeler Wald bleiben - auch wenn das Naturschutzgebiet kommt. Quelle: Achim Gückel
Hämelerwald

Schon seit Wochen kochen in Hämelerwald die Gemüter hoch. Die Ansage der Region Hannover, den Hämeler Wald zum Naturschutzgebiet (NSG) mit allen entsprechenden Einschränkungen für die Nutzung machen zu wollen, trifft auf Ablehnung. Eine der vielen Sorgen ist jedoch unbegründet. Der Waldkindergarten Hämi-Waldwichtel wird seinen Betrieb nicht einstellen müssen. Für ihn werde sich „nichts ändern“, sagte Volker Kemmling, Leiter des Fachdienstes für Grünplanung und Umwelt bei der Stadt Lehrte, jetzt im Umweltausschuss.

Der Bauwagen der Waldwichtel steht am Rand des Hämeler Waldes am Ende der Försterstraße. Die 15 Kinder, die dort vormittags betreut werden, nutzen auch Teile des Waldes und des Unterholzes zum Spielen und zum Lernen. Und dabei wird es laut Kemmling auch bleiben. Für die waldpädagogische Arbeit werde es weiterhin ein „Betretungsrecht“ geben.

Bei den Verantwortlichen des Waldkindergartens, der in Trägerschaft eines Vereins ist, ist diese Nachricht eine Erlösung. Man habe in den vergangenen Monaten immer wieder gehört, dass Eltern ihre Kinder nicht bei den Waldwichteln anmelden wollten, sagte eine Betreuerin gestern. Manche Eltern hätten gemeint, die Waldkita müsse ihren Betrieb bald einstellen. Auch im Umweltausschuss hatten Vertreter des Trägervereins auf diese Situation hingewiesen.

Die Debatte um die Umwandlung des Hämeler Waldes in ein NSG ist damit aber längst nicht vom Tisch. Erst vor wenigen Tagen hatte der Ortsrat ein Papier veröffentlicht, in dem er diesen Schritt vehement ablehnt. Im Umweltausschuss wiederholten Ortsbürgermeister Dirk Werner (SPD) und Hämelerwalds CDU-Chef Renée Friedrich die Bedenken. Werner sagte, ein NSG mache „absolut keinen Sinn“, Friedrich nannte das Vorhaben der Region „übertrieben“.

Beide betonten, dass es in Hämelerwald starke Zweifel am Nutzen des Vorhabens gebe. Den Hämeler Wald unter Naturschutz zu stellen mache die Arbeit von Generationen von Waldbauern zunichte, wie es Werner ausdrückte. Friedrich sagte, nur durch den Einsatz der Waldbauern habe man solch ein „Schmuckstück“ vor der Haustür. Für die Hämelerwalder sei der Wald ein wichtiges Naherholungsgebiet, und speziell die Kinder sollten sich auch weiterhin abseits der Wege bewegen dürfen.

Kemmling betonte indessen, dass die Waldbauern weiterhin wirtschaften dürften – allerdings unter Auflagen. Der Wald solle jedoch naturnah werden. Das nütze der Tierwelt.

Dass der Hämeler Wald nun zum NSG werden soll, fußt auf dem Wunsch der Europäischen Union (EU), die sogenannte FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) strenger umzusetzen. Repräsentative Gebiete der Biodiversität in Europa müssten langfristig gesichert und erhalten werden. Der Hämeler Wald ist ein Relikt des großen Nordwaldes, der sich bis zur frühen Neuzeit zwischen Hannover und Braunschweig erstreckte und dann zum größten Teil gerodet wurde. Die Forderung der EU setzt die Region Hannover nun unter Handlungsdruck.

Das politische Beteiligungsverfahren an der Sache hat, abseits aller bereits geäußerter Proteste, noch nicht einmal offiziell begonnen. Kemmling sprach im Umweltausschuss davon, die Region sei „im Verzug“, wolle aber die Beratungsunterlagen demnächst vorlegen. Dann habe man die Möglichkeit, sich in Lehrte ins Verfahren einzubringen. Allerdings will die Region schon Ende des Jahres das Verfahren beendet haben.

Von Achim Gückel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf ein besonderes Spektakel können sich Oldtimerfreunde am Sonntag freuen. Mehr als 100 historische Fahrzeugführer treffen sich zu einer Ausfahrt durch den Osten der Region Hannover.

02.09.2018

Das Antikriegshaus hat am Freitag, 31. August, den SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch zu Gast. Im Kamingespräch geht es auf dem Podium um Frieden und Gerechtigkeit.

30.08.2018

Beim Citylauf wird Lehrtes Innenstadt am Freitag, 7. September, zur Rennstrecke. Für die größte ehrenamtlich organisierte Laufveranstaltung der Region Hannover liegen bereits rund 1500 Anmeldungen vor.

30.08.2018