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Lehrte Nach 47 Jahren hat der Hauptmann abgedankt
Umland Lehrte Nach 47 Jahren hat der Hauptmann abgedankt
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00:18 15.07.2018
Werner Höbbel hat alle von ihm verfassten Schützenfestreden aufgehoben. Sie füllen mehrere Ordner. Quelle: Sandra Köhler
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Sievershausen

Ein wenig wehmütig ist Werner Höbbel doch. „Das halbe Jahrhundert hätte ich schon gerne noch voll gemacht“, sagt der 76-jährige. Doch aus familiären Gründen habe er sich entschieden, das Amt des Hauptmannes bei der Sievershäuser Schützengesellschaft nach 47 Jahren an den Nagel zu hängen.

Schneidig präsentiert sich der frischgebackene Schützenhauptmann Werner Höbbel im Jahre 1970 mit Uniform, Säbel und weißen Handschuhen. Quelle: Sandra Köhler (Repro)

Wie er 1970 dazu gekommen ist? „Die haben einen trinkfesten jungen Mann gesucht“, sagt der aus Oedesse stammende Höbbel augenzwinkernd. Dort sei er bereits Mitglied im Schützenverein gewesen. Als er 1963 heiratete und nach Sievershausen zog, war klar: „Hier trete ich auch ein.“ Nur trinkfest sein und in Uniform, Hut, weißen Handschuhen und zumindest damals mit Säbel eine gute Figur zu machen – damit ist es mitnichten getan. Ein Hauptmann kümmert sich um die Ausrichtung des Schützenfestes und organisiert den Umzug. Und ganz wichtig: „Er muss jedes Jahr die Rede halten.“ Ein verantwortungsvolles Amt also, in das man gewählt werden muss.

Höbbel erfüllte die Ansprüche und wurde alle vier Jahre wiedergewählt. „Meist einstimmig“, sagt er stolz. Am meisten Spaß gemacht hätten ihm die Reden mit ihren gereimten 15 Sprüchen. „Am Ende jedes Spruches kam: „Musikanten stimmet an, damit ich mit dem Schützenkönig oder Vorsitzenden oder wen ich erwähnt hatte, was trinken kann.“ Sämtliche Reden bis zur letzten im Jahr 2011 hat Höbbel aufgehoben. „Drei Ordner sind voll damit.“

Bei seiner ersten Rede vor der Wirtschaft von Hermann Fricke sei das halbe Dorf da gewesen. „Ich war so aufgeregt, dass ich vorher zweimal zur Toilette musste.“ Doch Höbbel bestand die Feuerprobe – und fand Gefallen dran. Nur zu einem habe ihn der Festwirt nie bekommen: „Der wollte immer, dass ich die Rede vom Pferd aus halte und im Umzug mitreite.“ Auch als Respektsperson machte der Hauptmann von sich reden: „Wenn jemand im Umzug falsch marschierte oder keinen Hut aufhatte, habe ich schon mal Strafen verhängt.“ Derjenige habe Geld zahlen oder Fahrchips für die Jugend spendieren müssen. „Übrigens auch die Frauen.“

Als Höbbel es zu Königswürden brachte, sprang sein Stellvertreter ein. „Das geht nicht gleichzeitig, als König muss man schon mit der Kette im Umzug mitmarschieren.“ Als Hauptmann und in den Anfängen auch als Vorsitzender des Festausschusses verfolgte er die Änderungen im Laufe der Jahre. Weil immer weniger Besucher kamen und die Einnahmen für Festzelt und Musik nicht mehr ausreichten, beschlossen die Schützen, ab 2008 im Schützenheim zu feiern.

Obwohl es mit Bernd Schröder einen Nachfolger gibt, war Höbbel beim Schützenfest am 16. Juni trotzdem dabei. Und zwar mit der Rede für den König. „Das war nur eine Seite, die hatte ich schnell fertig“, sagt er augenzwinkernd.

Von Sandra Köhler

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