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Neustadt Der Goldene Sonntag macht seinem Namen alle Ehre
Umland Neustadt Der Goldene Sonntag macht seinem Namen alle Ehre
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17:22 17.03.2019
Die neunjährige Aimie hat Spaß im Kinderkarussell. Quelle: Mario Moers
Neustadt

Erst grau und überschaubar, dann golden und belebt – später wieder grau und nass: Am verkaufsoffenen Goldenen Sonntag bescherte das Wetter den Besuchern und Händlern ein Wechselbad der Gefühle. Von Frust bis Hoffnung reichen allerdings auch die Empfindungen, die viele Neustädter abseits der großen Feste und Aktionen mit ihrer Innenstadt verbinden. Ein Stimmungsbild, eingeholt in der Marktstraße, zeigt, wie ambivalent die Einstellung gegenüber dem Zentrum ist.

Auch wenn es anfänglich regnete, war der verkaufsoffene Sonntag in Neustadt gut besucht. Sogar aus China kamen Besucher.

„Bevor H&M eröffnet hat, hatten wir hier eine Geisterstadt, das hat sich gebessert“, sagt Birgit Finger. Als die Geschäftsführerin von Leder Fuhrmann kurz vor Verkaufsbeginn ihre Roll-Ständer in Position bringt, ist die Marktstraße noch leer. Sie weiß, dass sich das schnell ändern wird. „Die verkaufsoffenen Sonntage funktionieren gut. Die Kunden kommen von außerhalb und bringen Zeit mit“, sagt sie. Ob der neue Magnet H&M und die zusätzlich organisierten Aktionstage und Veranstaltungen der Werbegemeinschaften allerdings ausreichen, um das Ruder langfristig herumzureißen, vermag sie nicht einzuschätzen. „Viele Läden hängen am persönlichen Engagement einer Händlergeneration, die bald verschwindet“, sagt Birgit Finger.

Wo bleibt das Entwicklungskonzept?

Um die Zukunft der Innenstadt aktiv zu gestalten, hat die Stadt vor ziemlich genau einem Jahr die Entwicklung eines Innenstadt-Entwicklungskonzepts angeschoben. Bürger konnten sich zum Auftakt beteiligen und angeben, was die City perspektivisch braucht – das geplante Rathaus und den Neubau am Bahnhof einbezogen. Was daraus geworden ist? „Der Entwicklungsplan hängt nach, genaues wissen wir nicht, das liegt bei der Stadt“, sagt Jana Schadwinkel, City-Managerin der Wirtschaftsförderung. In der Tourist-Information ist sie am Vormittag damit beschäftigt, Werbe-Ballons aufzupusten – die Innenstadt soll schließlich fliegen.

„Wir müssen endlich mal starten, nicht immer alles bis auf das Letzte diskutieren“, kommentiert Arne Wotrubez die Situation. Der Bürgermeisterkandidat der FDP hat seinen gelben Stand gut sichtbar in der Marktstraße platziert. Innenstadt, das Thema bewegt eben auch die Wähler. „Das wir H&M bekommen haben, liegt nicht daran, dass wir so eine tolle Stadt sind. Da haben Leute Geld in die Hand genommen und etwas bewegt“, sagt er.

Besuch aus China

Ob William Zhou aus Shanghai Neustadts City nun besonders toll findet oder eher unspannend, das wird sich heute entscheiden. Der 39-jährige Geschäftsreisende ist eigentlich in Hannover einquartiert. Seinen freien Tag verbringt er aber in Neustadt. „Das echte Leben und authentische Kultur findet man in der ländlichen Gegend“, sagt er und sucht auf der Infotafel der Tourist-Info nach lohnenswerten Zielen.

Sucht in Neustadt das authentische Deutschland: William Zhou (39), Tourist aus Shanghai. Quelle: Mario Moers

In der Luft liegt Bratwurstaroma, und die Bläser der Crazy Horns schicken ihre Klänge durch die Marktstraße. Das Problem der strauchelnden Innenstädte jenseits der Metropolen kennt Zhou aus seinem Heimatland. „Aber warum ziehen die Leute in die Stadt, wegen der Arbeit?“, fragt er. Die 18-jährige Lea Sophie Linke hat für sich eine Antwort gefunden. „Seit ich nach Hannover gezogen bin, habe ich die Vorteile der großen Auswahl dort kennengelernt und will das nicht mehr missen“, sagt sie. Zum Goldenen Sonntag geht sie trotzdem mit ihrer Freundin. Da ist eben richtig was los.

Von Mario Moers

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