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Umland Neustadt Nachrichten Laien und Richter urteilen gemeinsam
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19:20 25.02.2018
Schöffe Axel Schlicker steht vor dem Amtsgericht Neustadt. Auch hier urteilen Richter gemeinsam mit den Laienrichtern. Quelle: Benjamin Behrens
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Eilvese/Hannover

 Die Arbeit als Schöffe, hat bei Axel Schlicker einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Man ändert sein Weltbild“, sagt der zum Laienrichter berufene Eilveser. Das Interesse an der Welt der Urteile, Paragraphen und Prozesse hat ihn dazu bewegt, sich beim Landgericht Hannover auf den Posten zu bewerben. „Es läuft jetzt aus, Ende des Jahres ist Schluss“, sagt Schlicker. Die Schöffen werden auf fünf Jahre berufen und auch vereidigt. 

Meist sind bei Verbrechen Drogen im Spiel

„Anfang des Jahres wird man einer Kammer zugeteilt“, berichtet Schlicker. Die sogenannte kleine Strafkammer verhandelt Fälle, in denen gegen ein Urteil eines Amtsgerichts Berufung eingelegt wurde. Sie setzt sich aus zwei Schöffen und einem Richter zusammen. Vor der großen Strafkammer wird in erster Instanz über härtere Fälle verhandelt. Drei Richter und zwei Schöffen suchen nach einem Urteil. Wer vor ihnen auf der Anklagebank sitzt, dem werden Körperverletzung, Raub und andere schwere Delikte zur Last gelegt. „80 Prozent der Fälle hatten irgend etwas mit Rauschgift zu tun. Da macht man sich Gedanken“, sagt der Laienrichter. 

Schöffen können Richter überstimmen

Oft sind die Drogen-Delikte dann verbunden mit anderen Verbrechen. Schlicker begegnete ein Angeklagter, der über 15 Vorverurteilungen in der Akte hatte. „Das war ja wie eine Perlenkette.“ In einem anderen Fall,  an dem der Schöffe beteiligt war, bewahrte das Urteil einen Angestellten vor dem Gefängnis. Der Mann hatte vor dem Landgericht Berufung eingelegt. Sein Arbeitgeber warf ihm den Griff in die Kasse vor. „Im Amtsgericht hatten die den Menschen verurteilt. Daraus haben wir einen Freispruch gemacht.“ Ein Urteil benötigt eine Zweidrittelmehrheit, die beiden Schöffen überstimmten den Richter. Auch Kollegen hatten Zugang zum Geld, außerdem sei die Buchführung katastrophal gewesen, berichtet Schlicker. Lassen sich Schuldzweifel nicht auflösen, gilt es für den Angeklagten zu entscheiden. 

Bedeutet das, dass Schöffen in die Tiefe der Paragraphen abtauchen müssen? Im Gegenteil, sagt Schlicker. Juristen, Justizbeamte und Polizisten sind explizit von dem Ehrenamt ausgeschlossen. Gesunder Menschenverstand und Gerichtigkeitsinn sind gefragt. Großes Lob hat Schlicker für die Arbeit der Richter, denen er in bisher 14 Fällen begegnete. „Die Richter geben sich schon große Mühe, die Wahrheit herauszufinden – das kann wirklich kompliziert sein.“ 

Manche Schicksale gehen zu Herzen

Dass er in den Jahren mit Verbrechen und bedrückenden Schicksalen zu tun hatte, beschäftigt Schlicker schon, aber er kann es gut verarbeiten, wie er sagt. „Ich bin froh, dass ich keinen Fall mit Kindern hatte.“ Und noch einen Gedanken wird er aus seiner Amtszeit mitnehmen:Eein Gefängnisaufenthalt sei nicht immer die Lösung, gerade bei Drogenkonsumenten. Gedanken wie „der hätte es vielleicht mit Bewährung besser schaffen können“, gingen ihm durch den Kopf. Trotzdem, die Erfahrungen will Schlicker nicht missen: „Ich kann nur empfehlen sich zu bewerben, man bekommt sehr viel mit.“ 

Schöffen für Erwachsenenstrafrecht können sich bis zum Freitag, 30. März, bei der Stadtverwaltung bewerben. Die Bewerbungsdokumente sind auf der Homepage www.neustadt-a-rbge.de zu finden – und ausgefüllt an die Stadtverwaltung Neustadt, Nienburger Straße 31, 31535 Neustadt zu senden. Weitere Informationen gibt es bei Maike Scharnhorst unter Telefon (05032) 84119 oder E-Mail mscharnhorst@neustadt-a-rbge.de.

Von Benjamin Behrens

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