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Umland Neustadt Nachrichten Der Vitshof schreibt Lokalgeschichte
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18:04 20.02.2015
Dorfchronist Karl-Heinz Wiebrock mit dem Wappen des Dorfes auf seinem Rechner. Quelle: J.-P. Ellermann
Scharrel

Karl-Heinz Wiebrock, der seit 1980 in Scharrel wohnt und die Vergangenheit des Dorfes aufarbeitet, ist der Gründungsgeschichte nachgegangen. „Eine regelrechte Gründerurkunde von Scharrel wurde bis heute nicht gefunden, aber jeder alte Papierschnipsel, in dem der Ortsname genannt wird, ist für uns wie eine Urkunde“, sagt Wiebrock.

Der „Sankt Vitshof“ gilt als Ursprung des Dorfes. Der Hof gehörte laut eines Güterverzeichnisses des Klosters Corvey (bei Höxter) im Jahre 1115 zur Kapelle von Suttorf. „Ebenso hat der Sankt Vitshof 20 Denare Pachtzins zu zahlen“, steht in dem Verzeichnis.

Beurkundet wurde der Name Scharrel erst später: 1313 überließ Bischof Gottfried von Minden per Dekret dem Kloster Loccum den Zehnten aus Dörfern seines Bereiches, darunter Lindenburg, Metel und Scharrel - alle drei nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Besiedelt wurde die Gegend nach bisherigen Kenntnissen schon ab dem 11. Jahrhundert: vornehmlich auf einem kleinen trockenen Landstreifen, der Wälder und Moor durchzog. Die Menschen, die siedeln wollten, mussten sich das Land mühsam nutzbar machen: durch Waldrodungen und Entwässerung der Moore. Nord-östlich der Ortslage entstand auf einem Wall am Rande des Moores die Lindenburg - eine vermutlich hölzerne Anlage. Steine waren knapp und teuer.

Von J.-P. Ellermann

Ein Dorf hält zusammen – auch im Widerstand

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zu sehen ist, aber Scharrel mit seinen circa 650 Einwohnern bietet für jedes Hobby etwas. Es gibt Feuerwehr, Schützen-, Sport- und Tennisverein sowie eine Elterninitiative. „Hier im Dorf ist eigentlich jeder in einem Verein aktiv“, sagt Dorfchronist Karl-Heinz Wiebrock. „Der Zusammenhalt untereinander zeichnet uns aus.“ In Sachen Infrastruktur hat es derweil einige Rückschläge gegeben. „Unser Landgasthaus hat keine regelmäßigen Ausschankzeiten mehr, und die Inhaberin unseres Einkaufsladens musste leider auch schließen“, bedauert Wiebrock.

Was soll’s: Dann wird das Brötchenholen eben sportlich. Scharreler fahren gern Fahrrad. Neustadt ist nah, mit dem Auto ist man in weniger als zehn Minuten im Gewerbegebiet. Stolz ist Wiebrock auch auf das neueste Projekt des Dorfes, das Wappen. „Es spiegelt unsere Geschichte seit der Gründerzeit wieder.“ Das Dorfemblem ist in drei Teile untergliedert: oben Burg mit Wall, darüber zwei Lindenzweige, die den Namensbezug zur „Lindenburg“ herstellen. Ein Pflug symbolisiert die Landwirtschaft und die Torfspaten den Abbau im Moor. Torf wird längst nicht mehr abgebaut, und in Sachen Landwirtschaft hat sich extrem viel getan. Einst hatte jede Hofstelle ihre Felder und Wiesen, die von der darauf lebenden Familie bewirtschaftet wurden. Noch vor 30 Jahren lebten über 20 Familien von der Landwirtschaft.

Aktuell gibt es in Scharrel nur noch zwei Vollerwerbslandwirte. Einer ist auch aktiver Kommunalpolitiker und Ortsvertrauensmann: Friedhelm Homann. Der ist in Scharrel geboren und preist das Dorf: „Die saubere und gepflegte Umgebung mit vielen Aktivitäten prägt unser Ortsbild“, erklärt Homann stolz. Eine Chronik des Dorfes ist in Vorbereitung, wann sie veröffentlicht werden kann, steht noch nicht fest. Eckpunkte darin: 1921 wurde der Schützenverein gegründet, 1933 die Freiwillige Feuerwehr. Und ganz sicher wird auch ein Thema angeschnitten, das Scharrel vor 40 Jahren auf die Barrikaden brachte. Damals wollte der Großraum Hannover in den Kiesgruben am nördlichen Ortsrand eine Mülldeponie anlegen und die Landeshauptstadt Hannover zusätzlich nah der Ortslage im Helstorfer Moor ein Klärschlammlager. Nach massiven Bürgerprotesten aus Scharrel, Metel, Abbensen, Negenborn und Resse wurde die Planung Ende der Siebzigerjahre verworfen.

Zwei Tage Fest im Juli

900 Jahre Scharrel: Das muss gefeiert werden. Scharreler und Gäste bereiten sich auf Sonnabend und Sonntag, 11./12. Juli, vor. Ort des Geschehens ist der Hof des ehemaligen Gasthauses Oehlerking (heute Bauerngarten). Vereine und Patenkompanie (1. Kompanie des Panzerbataillons 33) fassen im Vorfeld an. Geplant ist für den Sonnabend ab 15 Uhr ein Empfang mit Festreden, Kaffeetafel und Musik. Ab 17 Uhr folgen Vorführung von Landfrauen und Kindergarten. Ab 21 Uhr tischen Neustadts Kultrocker auf – die Rockkantine. Am Sonntag wird um 10.30 Uhr Gottesdienst gefeiert, dem sich ein zünftiger Frühschoppen anschließt. Dazu spielen Musikvereine aus der Umgebung auf. Gegen 15 Uhr soll das Jubiläum allmählich ausklingen.

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