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Umland Neustadt Nachrichten Noch sechs Tage: Tschüss Hallenbad Neustadt
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00:33 26.03.2018
Das 46-Jahre alte Neustädter Hallenbad an der Lindenstraße schließt am 29. März. Quelle: Mirko Bartels
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Neustadt

 Die Schulen haben den letzten Tag schon hinter sich. Der TSV Neustadt und die DLRG springen am Montag ein letztes Mal ins Becken. Die Frühschwimmer haben noch etwas Zeit. Aber die letzten Tage in der 46-jährigen Geschichte des Hallenbades an der Lindenstraße sind gezählt: Sechs. Ab Freitag, 30. März, steht das Drehkreuz still. Am Gründonnerstag ist um 21 Uhr allerletzter Einlass, um 22 Uhr dreht Betriebsleiter Heino Lohmann den Schlüssel auf Zu.

„Mach’s gut liebes Hallenbad“

„Die Technik ist müde, die Einrichtung klappert. Mit viel Mühe und Aufwand haben die Mitarbeiter den Badebetrieb aufrecht gehalten und viel Improvisationstalent bewiesen. Ob Kassenautomat, Pumpen oder WCs: Fast nichts blieb von Ausfällen verschont“, sagt  Wirtschaftsbetriebe-Sprecher Steffen Schlakat. Auch das Angebot ziehe nicht mehr. 

Best Wishes – Mark Spitz: Die linke Unterschrift vom 26. Juni 1980 stammt vom mehrfachen Olympia-Sieger. Quelle: Mirko Bartels

Mehr als 5,4 Millionen Gäste sollen seit 1972 trainiert und entspannt haben, sollen geplantscht haben und gesprungen sein. Prominente Besucher wie der mehrfache Olympiasieger Mark Spitz besuchten das Bad. Das Bad war viele Jahre Bundesleistungszentrum. „Mach’s gut liebes Hallenbad“ springt dem Besucher der Hallenbad-Internetseite jetzt entgegen. Der Abschiedsgruß der Wirtschaftsbetriebe klingt so symphatisch, wie die unzähligen Geschichten aus dem Bad.

Aus der Halle ließ sich sogar ein Freibad machen

Für viele Neustädter bedeutet das Bad nicht nur Schwimmen gehen, sondern auch Schwimmen lernen. Für einige Zeit diente es sogar als „Ersatzfreibad“. Dafür wurde der Zugang zur Wiese hinter dem Bad über die Aussentreppe geöffnet, erinnert sich Betriebsleiter Heino Lohmann. Wer wollte, konnte die Sonne genießen und anschließend wieder im Hallenbad schwimmen. 

Der 1.000.000 Badegast im Jahre 1978 Quelle: Mirko Bartels

Den millionsten Badegast begrüßten die Mitarbeiter bereits im Mai 1978. Brigitte Gonska erhielt von den Mitarbeitern nicht nur einen Blumenstrauß, sondern auch Wertmarken für weitere Hallenbadbesuche. Die Leine-Zeitung war auch damals dabei. 

Viele große und kleine Feste haben die Mitarbeiter gemeinsam mit den Besuchern gefeiert. Die ersten Parties hat der Bäderbetrieb mit einem großen Hersteller amerikanischer Erfrischungsgetränke gemacht. Die Brause kam damals mit Showtruck, DJ und Lichttechnik. Große Wasserspielzeuge wurden ebenfalls angeliefert. Für die Neustädter Jugend ein willkommener Anlass, das Bad zu besuchen. Dafür nahmen die Schwimmmeister gerne Überstunden in Kauf.  

Und die DLRG springt unverdrossen durch die Winternacht

Besonders zeitintensiv war für sie der Versuch, mit einem 24-Stunden-Turmspringen in Guinessbuch der Rekorde zu kommen. Viele Neustädter kamen während der regulären Öffnungszeiten, um den Versuch gelingen zu lassen. In der Nacht sah das allerdings anders aus: Mitglieder der DLRG sprangen damals unverdrossen durch die Winternacht und kühlten sich gelegentlich im Schnee vor dem Bad ab, um den Rekord aufzustellen. Gelungen ist das nicht. „Die Mitarbeiter des Guinessbuches sagten, es wäre nicht möglich gewesen festzustellen, ob die Richlinien für den Rekordversuch eingehalten wurden“, erinnert sich Lohmann.

Ganz Sportliche schafften es sogar vom Dreier bis an die Decke. Quelle: Mirko Bartels

Christina Schlicker, Neustadts stellvertretende Bürgermeisterin, hat viel Zeit im Bad verbracht. Sie leitete die Ausbildung der DLRG-Jugend. „Wir sind damals regelmäßig im Hallenbad gewesen. Nicht nur um zu trainieren“, sagt Schlicker. Das Bistro im Bad diente vielen Jugendlichen als beliebter Treffpunkt. „Wir waren erst schwimmen und haben anschließend noch bei einer Cola gesessen und einfach geklönt“, erinnert sie sich. Schwimmen gehen habe damals einfach dazu gehört. Ebenso wie Pommes rot-weiß und das Eis danach. Schlicker freut sich aber auch sehr auf das neue Bad. Das Balneon gäbe die modernen Ansprüche an eine solche Einrichtung wieder und sei ein Gewinn für die Stadt.

Scheibe putzen und zehn Minuten strafsitzen 

Einen Blick auf die Turmspringer warfen die Besucher gern durch die großen Glasscheiben des Bistros. Bis in die Neunzigerjahre war das Hallenbad Bundesstützpunkt für diese Sportart. Einige Mitglieder der damaligen Jugendnationalmanschaft trainierten ihre Fähigkeiten auf Einer, Dreier und Fünfer. Einer der Trainer, Heiko Bublitz, ist als Bundestrainer später nach Aachen gegangen. Die Sprungbretter kommen übrigens mit ins neue Bad an der Leinstraße. 

Eine alte Maßregelung für Übermütige wird das nicht schaffen: Wer beim Springen die Glasfront des Bistros unter Wasser setzte, musste eine zehnminütige Zwangspause einlegen, die Scheibe putzen und anschließend zum Strafsitzen vor die Schwimmmeisterkabine. 

Ein Original aus den Anfängen des Hallenbades. Der Fön im Design einer Trockenhaube. Ursprünglich war der ganze Fön Cremefarben. Das Typenschild verweist auf einen Hersteller in "1 Berlin 19" Quelle: Mirko Bartels

Wer genau hinsieht, findet auch heute noch echte Originale im Bad. Die Haartrockner vor den Umkleidekabinen haben zwar einen neuen Anstrich bekommen, hängen aber schon ewig an der Wand und funktionieren – wenn auch nicht mehr mit Groschen. Am Donnerstag, 29. März, geht noch etwas anderes, fast museumsreifes in Rente: Die rund 120 Autobatterien, die im Keller die  Notstromversorgung sicherstellen.   

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Das Neustädter Hallenbad an der Lindenstraße

 

Gibt es eine Abrissfeier?

Nein, sagt Steffen Schlackat. „Das alte Bad ist echt in die Jahre gekommen und hält keinen großen Ansturm mehr aus. Für den letzten regulären Betriebstag am Donnerstag hat sich das Badpersonal allerdings ein paar kleine Überraschungen einfallen lassen.“

Wie geht Ihre Hallenbad-Geschichte? 

Erinnern Sie sich noch an eine besondere Geschichte? Wissen Sie, warum Mark Spitz 1980 in Neustadt war? Haben Sie ein Pommes-Rot-Weiß-Erlebnis oder waren Sie beim Schlüsseltauchen dabei? Und wem gaben Sie den ersten heimlichen Kuss unter Wasser? Wir freuen uns auf Ihre Erlebnisse und würden sie gerne vor Ostern veröffentlichen. Ihre Zeilen, gerne auch alte Fotos, sind uns willkommen. Sie erreichen die Redaktion Neustadt per E-Mail an neustadt@haz.de und neustadt@neuepresse.de sowie über www.facebook.com/HAZNeustadt. Vielen Dank.

Von Mirko Bartels

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