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Nachrichten Schmuckteller der Stadt sind nun Geschichte
Umland Neustadt Nachrichten Schmuckteller der Stadt sind nun Geschichte
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00:16 05.11.2017
Seniorechef Gerhard Bielert zeigt einen der sogenannten "großen Schmuckteller". Quelle: Benjamin Behrens
Neustadt

Die alte Gravograph steht noch in der Werkstatt. Im Laufe der Jahre wurden unzählige Werkstücke auf der Halterung eingespannt und bearbeitet, bei Weitem nicht nur die Zinnteller, mit der die Stadt verdiente Neustädter ehrte. "Stadtdirektor Felix Rohde hat uns damals eingeladen, gemeinsam mit der Stadt ein Schmuckstück zu schaffen", sagt Gerhard Bielert. Grafiker Werner Kaemling kreierte den Rand des Schmucktellers, in der ersten Version noch ausschließlich mit Motiven aus der Kernstadt. Nach der Eingemeindung der umliegenden Dörfer 1974, zierten dann auch die Borsteler Windmühle und das Kloster Mariensee den Tellerrand.

Die Geschichte des Schmucktellers der Stadt beginnt und endet mit einem Ratsstatut. 1972 beschloss die Stadt Neustadt, Bürger, die sich besonders verdient gemacht haben, mit Verdienstzeichen zu würdigen. Das war die Geburtsstunde des großen und kleinen Schmucktellers. "Wir haben bestimmt im Laufe der Jahre über 1000 Stück graviert", sagt Karin Bielert-Boppert, Inhaberin des  Goldschmiedehauses. "Das Gravieren wird heute noch ausgebildet. So ein Zinnteller war das, womit man früher angefangen hat." Auch das die 49-Jährige hatte als erste Gravierarbeit einen Zinnteller vor sich. "Zinn ist recht weich, man braucht Fingerspitzengefühl", sagt die Geschäftsfrau.

Ihr Vater Gerhard Bielert bewies nicht nur Fingerspitzengefühl, er hatte sich den manuellen Gravierprozess auch gut organisiert. Für jeden Buchstaben, Monogramme oder auch das Wappen der Stadt, liegt eine Vorlage in der Schublade. Die Metall- oder Kunststoffplatten kommen in die Halterung für Vorlagen. Fährt man die Linien nach, macht die über Scherengelenke verbundene Gravierspitze jede Bewegung mit und gräbt sie in Zinn.

Gerade bei den vielen Linien des Stadtwappens, auf dem Löwe und Zinnenmauer zu sehen sind, eine mühevolle Konzentrationsarbeit. "Und wehe, es wurde eine Linie vergessen", sagt der 77-Jährige. Etwa 45 Minuten brauchte der gelernte Goldschmied und Uhrmacher für einen Schmuckteller. Heute erledigt eine computergesteuerte Graviermaschine das in zehn Minuten.

Mit dem Ratsbeschluss vom 3. August fallen die Schmuckteller als Würdigung weg. Falls doch noch einer der Zinnteller zum Aufhängen verliehen werden soll, Bielerts wären einsatzbereit. "Wir haben noch einige Restbestände da", versichert Bielert-Boppert.

So ehrt die Stadt jetzt

Preise wie das Stadtverdienstzeichen, eine Medaille aus Feinsilber oder der Stadtehrenspreis in Form des Wölper Pfennings bleiben unverändert. Auch verdiente Sportler erhalten die Stadtehrenpreis-Medaille in Bronze oder Silber weiterhin. Bei Goldenen Hochzeiten konnten sich Ehepaare bislang über den kleinen Schmuckteller freuen, die große Version gab es zur Diamantenen Hochzeit. Heute gibt es stattdessen Fotodrucke oder Präsentkörbe. Auch Vereine wurden früher bei Jubiläen mit Tellern bedacht, jetzt gibt es Geldgeschenke zwischen 100 und 500 Euro für die Vereinskasse. Auch zu Geschäftsjubiläen gibt es jetzt Geldgeschenke statt Schmucktellern, neu ist eine Ehrung schon nach 50 Jahren, statt wie bisher 100. Langjährige Ratsmitglieder werden mit Geldgeschenk und Ehrenring bedacht, der Schmuckteller entfällt. 

Fotostrecke Neustadt: Schmuckteller der Stadt sind nun Geschichte

Von Benjamin Behrens

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