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Nachrichten "König von Deutschland" muss in Haft
Umland Neustadt Nachrichten "König von Deutschland" muss in Haft
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21:37 17.10.2013
Von Michael Zgoll
Er nennt sich selbst "König von Deutschland", musste sich heute jedoch der Justiz in Neustadt am Rübenberge unterordnen. Zuvor posierte er für die Fotografen auf der Gerichtstreppe. Quelle: Tobias Maibaum
Neustadt

Meist backen Verkehrssünder, die vor Gericht stehen, ganz kleine Brötchen. Wenn sich der selbst ernannte „König von Deutschland“ vor dem Amtsgericht Neustadt wegen Fahrens ohne Führerschein verantworten muss, herrscht ein anderer Ton. Dann geht es um das große Ganze. Darum beispielsweise, dass die Gerichtsbarkeit der Bundesrepublik gar nicht zuständig sei für ein Staatsoberhaupt. Für Peter Fitzek. In einem früheren Leben Koch, Videothekenbetreiber, Kampfkunstsportler, jetzt angereist mit 30-köpfigem Gefolge. Doch Richter Torsten Streufert mag sich auf keine Debatten über Immunität und Völkerrecht einlassen. Er verurteilt den „Imperator“ aus der Lutherstadt Wittenberg zu einer deftigen Strafe: Drei Monate Haft. Ohne Bewährung. Nach bundesdeutschem Recht.

Am 8. Januar 2013, um 10.30 Uhr, war Fitzek auf der B 6 in Garbsen geblitzt worden. In seinem BMW, unterwegs in Staatsgeschäften, wie er selbst sagt. Tempo 70 war erlaubt, der Tacho zeigte 116. Doch dann stellten die Ermittler fest, dass der Mann gar keinen Führerschein mehr hat, erließen einen Strafbefehl. Weil der 48-Jährige nicht einsieht, dem anderen Deutschland 2400 Euro zu zahlen, kommt es zum Prozess in Neustadt.

Fitzek ist smart, lächelt viel, ist wortgewandt. Er erzählt, dass er seinen bundesdeutschen Führerschein freiwillig abgegeben habe. Schließlich sei er ja im Besitz einer Fahrerlaubnis des Königreichs. Im gut gefüllten Gerichtssaal nutzt er zudem jede Gelegenheit, über sein Reich zu dozieren. Über „Neu Deutschland“ mit derzeit gut 3100 Mitgliedern und die Immobilien des „Staatsgeländes“ bei Wittenberg, über die eigene Gesundheitskasse, den Engelswelten-Laden und die Vision eines zinslosen Geldsystems. Leichthin berichtet er von Gesprächen mit Ministern und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Was Fitzek nicht erwähnt: die Ermittlungen von Bafin und Staatsanwaltschaft wegen unerlaubter Bankgeschäfte. Und die Hunderttausende, die seine Untertanen schon in sein Imperium investiert haben. Echte Euro, kein „Engel-Geld“.

Auch andere Ärgernisse, die den royalen Glanz trüben könnten, erwähnt der König von Deutschland nicht. Das übernimmt Richter Streufert, der 31 Einträge Fitzeks in Bundeszentral- und Verkehrsregister auflistet. Meist geht es um Raserei oder Fahren ohne Fahrerlaubnis, doch auch die gefährliche Körperverletzung taucht zweimal auf. So hatte der Imperator eine Mitarbeiterin des Wittenberger Ordnungsamtes wegen einer Kontopfändung „festgenommen“ und die Frau dabei angegangen. Im folgenden Prozess, in dem Fitzek wegen Körperverletzung verurteilt wurde, wollten seine Anhänger gar den Richter festnehmen. Schließlich unterstehe ihr Oberhaupt ja nicht der bundesdeutschen Rechtsprechung.

Am Donnerstag, im Neustädter Amtsgericht, kommt es zu keinen zwischenstaatlichen Feindseligkeiten. Auch wenn die Gefolgschaft des Gurus großteils aus Männern mittleren Alters besteht – etliche Polizeibeamte in martialischer Montur machen von vornherein klar, wer hier das Gewaltmonopol hat.

Auch der Staatsanwalt erlaubt sich keine Schwäche. Er habe nicht den Eindruck, dass sich Fitzek durch weitere Geldstrafen oder Fahrverbote von seiner Ideologie abbringen lasse, darum plädiere er auf drei Monate Haft. Von Bewährung aber will der Richter nichts wissen. Eine positive Prognose sehe er bei dem „notorischen Verkehrssünder“ Fitzek nicht, und seinen Führerschein bekomme dieser auch erst in zwölf Monaten zurück. Streufert kanzelt den König ab, attestiert ihm die Regentschaft in einer „Fantasiewelt mit abstrusen politischen Vorstellungen“.

Mit einem solchen Unrechtsurteil habe er nicht gerechnet, bekennt Fitzek nach der Verhandlung. Doch gebe er nicht auf, wolle in Berufung gehen. Dann verlässt er die Stätte seiner Schmach: in einem weißen Renault. Auf dem Beifahrersitz. Im schlimmsten Fall will der Regent irgendwann nach Paraguay auswandern, sagt er. Auch dort habe er noch eine Residenz – und einen Führerschein.

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