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Nachrichten „Paule“ legt Waffe und Marke ab 
Umland Neustadt Nachrichten „Paule“ legt Waffe und Marke ab 
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00:30 25.03.2018
Sichtbar sein, draußen sein - das gehörte zu Karl-Heinz Gaziochs Arbeit. Quelle: Benjamin Behrens
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Neustadt

 Der Schreibtisch ist ausgeräumt, die Nachfolgerin eingearbeitet. Viel bleibt für Karl-Heinz Gazioch nicht mehr zu tun. Zumindest dienstlich nicht. 20 Jahre lang diente er als Kontaktbeamter im Polizeikommissariat Neustadt. Etwas Resturlaub ist noch geblieben. Den wird der 61-Jährige nehmen.  1998 hatte Gazioch den Posten als Kontaktbeamter, im offiziellen Sprachgebauch „Kontaktbereichsbeamter“ (KOB), angetreten. 

Gazioch muss nicht weit laufen, um auf jemanden zu treffen, der ihn kennt. Beim Rathaus stößt er auf Christine Bormann-Nieber und ihre Tochter Merle, die einen Ausweis beantragen. Woher Merle den KOB kennt? „Von der Fahrradprüfung vor zwei Jahren.“ Generationen von Schülern hat Gazioch beigebracht, wie sie sicher mit dem Fahrrad unterwegs sind. Auch Praktikanten betreute der Polizist immer wieder, zeitweise zwölf auf einmal. 

Mit einer Vertretung fing es an 

Auf den Dörfern war ich eh schon so etwas wie Kontaktbeamter“, sagt Gazioch. 1978 kam der Polizist nach Neustadt, 1979 trat er seinen Dienst in der Polizeistation Mandelsloh an. „Da kannte einen jeder.“ Wer etwas von den Beamten wollte, hämmerte schon Mal so laut an den Briefkasten, dass die Nachbarshunde zu bellen anfingen – heute muss jeder Besucher im Kommissariat durch eine Schleuse. „1995 bekamt der damalige Kontaktbeamte Horst Jessen einen Herzinfarkt. Da wurde eine Vertretung gesucht“, erinnert sich Gazioch. „Ich hab das wohl halbwegs ordentlich gemacht“, sagt Gazioch – sein Vorgänger empfahl ihn für den Posten. 

Die „Schlacht von Grohnde“ 

Da war der „KOB“ schon 37 Jahre im Neustädter Land. Nach dem Umzug aus der Geburtsstadt Berlin lies sich Gazioch in Rodewald nieder, dort lebt er bis heute. 1972 hatte der Polizist seine Ausbildung angetreten. Zu Anfang war er bei der Bereitschaftspolizei eingesetzt. Die „Schlacht um Grohnde“ ist ihm in Erinnerung geblieben. 1977 kam es zu Zusammenstößen, als rund 12 000 Demonstranten und mehr als 4 800 Polizisten auf dem Gelände des Atomkraftwerks aufeinandertrafen. „Wir waren in einer Sargfabrik in Emmerthal untergebracht – makaber.“

Karl-Heinz Gazioch in seiner Ausbildungszeit. Auf dem Foto von 1972 waren die deutlich längeren Haare gerade frisch geschnitten. Quelle: Benjamin Behrens

Ein Erinnerungsstück aus der Zeit haben die Kollegen für ihn ausgegraben. „Das Foto sollte er eigentlich noch gar nicht sehen“, sagt Dienststellenleiter Gerd Klingenberg kurz vor der offiziellen Verabschiedung. 1972 wurde der frischgebackene Polizeischüler abgelichtet, ganz im Trend der Zeit mit Schnauzer und deutlich längeren Haaren. „Von uns wird er übrigens Paule genannt“, ergänzt Klingenberg. Warum, weiß keiner mehr, den Spitznamen hat Gazioch schon seit Kindheitstagen. 

Viele Schuhe durchgelaufen 

„Am Anfang dachte ich, die Fußstreifen sind das Gros bei diesem Posten“, sagt der scheidende Kontaktbeamte über den Dienst. Wie viele Schuhe er wohl durchgelaufen hat, weiß Gazioch nicht mehr. Dafür hat er sorgfältig Akten angelegt über einen traurigen Teil seiner Arbeit. „Ich habe auch mit psychisch labilen Menschen zu tun gehabt.“ Ein älteres Ehepaar zum Beispiel meinte, in seiner Wohnung abgehört zu werden. Der Grund für die vermeintlichen Geräusche der Abhörvorrichtung war allerdings nur ein rauschendes Radio. 

Auch für Senioren ohne Angehörige war der Kontaktbeamte die Bezugsperson, die nach dem Rechten sah. „Ich bin auch bei einer Frau durchs Fenster eingestiegen, sie war drinnen, hatte aber ihren Schlüssel verlegt.“ 

Auf den Ruhestand freut sich der passionierte Musiker. Der Gitarrist musiziert viel mit seinen beiden Söhnen. Beide leben, wie auch seine Tochter, ebenfalls in Rodewald. Angst vor Langeweile oder dem berühmten Loch nach dem Job? „Ich habe mittlerweile drei Enkelkinder“, sagt Gazioch, lächelt und räumt für Pamela Hoffmann die letzten Utensilien aus einem Schreibtisch, der nicht mehr seiner ist.

Polizeikommissarin Pamela Hoffmann übernimmt ab 1. April den Posten als Kontaktbeamtin. Quelle: Benjamin Behrens

Pamela Hoffmann wird neue Kontaktbeamtin

Im Büro hat sich Pamela Hoffmann schon eingerichtet. „Wir haben peu à peu mit der Einarbeitung begonnen“, sagt die Polizeikommissarin. Am 1. April wird sie offiziell den Dienst als Kontaktbeamtin antreten. Sie wechselt aus dem Einsatz- und Streifendienst. Den engen Kontakt zu Schulen und Jugendlichen will die Mutter einer kleinen Tochter aufrechterhalten. „Ich habe immer schon die Kindergärten hier herumgeführt, das hat mir Spaß gemacht“, sagt sie. Auch Senioren will sie mit Rat und Tipps weiterhelfen, um sie besser vor Betrug und Diebstahl zu warnen. „Ich werde die aktuellen Fälle vorstellen“, sagt die 40-Jährige. 

Vor Ort ansprechbar ist Hoffmann montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr. Per Telefon (05032) 9559185 und per E-Mail an pamela.hoffmann@polizei.niedersachsen.de ist sie ebenfalls erreichbar. / ben

Von Benjamin Behrens

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