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Umland Neustadt Nachrichten Kulturfrauen pflanzen Bäume am Dammkrug
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00:16 11.04.2016
Marit (12) pflanzt mit Marie Wallbrecht einen Baum. Quelle: Susanne Doepke
Otternhagen

Dass so viele Frauen bei der Waldarbeit eingesetzt worden sind, hat einen einfachen Grund. „Viele Männer sind im Krieg umgekommen oder waren in Gefangenschaft, also haben die Frauen einen Großteil der Arbeit verrichtet“, sagte Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten. Sein Unternehmens hat gestern rund 30 Frauen nach Otternhagen eingeladen, um sich für deren Einsatz als sogenannte Trümmerfrauen des Waldes zu bedanken. Dabei zeigten die Frauen auch noch, dass sie nichts verlernt haben: Gemeinsam mit den sechsten Klassen des Gymnasiums Neustadt pflanzten sie Bäume im Forst am Dammkrug. Renate Kistner war 15 Jahre alt, als sie im Wald bei Bad Fallingbostel gepflanzt hat. „Das war harte Arbeit. Wir hatten keine Gummihandschuhe oder Gummistiefel und sind kilometerweit zu Fuß zum Pflanzen gegangen“, erinnert sie sich. Der Lohn dafür betrug zwischen 50 und 70 Pfennige.

Trotz harter Arbeit eine schöne Zeit

Die Kulturfrauen haben Enormes geleistet. Von 1930 bis 1950 entstanden durch den Brennholzbedarf und Reparationszahlungen allein in Niedersachsen etwa 140 000 Hektar Kahlflächen im Wald. In den Niedersächsischen Landesforsten waren es etwa 60 000 Hektar, die von den Kulturfrauen wieder bepflanzt worden sind. Bei aller harter Arbeit ist auch der Spaß nicht zu kurz gekommen. „Das war ja manchmal eisig kalt“, erinnert sich Marie Wallbrecht, die gemeinsam mit ihrer Schwester Anni Ahrends als Kulturfrau gearbeitet hat. „Da haben wir morgens schon mal ein Likörchen getrunken, um uns aufzuwärmen“, sagt sie schmunzelnd. Trotzdem haben sie und ihre Kollegen immer ihr Soll geschafft. Das lag bei etwa 500 Bäumen pro Tag, erinnert sich eine Kollegin. „Wenn pflanzen auf dem Plan stand, war ich immer froh“, sagt sie. Dann seien sie zu Fuß die etwa zwölf, 13 Kilometer in den Wald zur Arbeit gegangen, in ihrer Truppe waren auch ein paar Männer dabei. Es wurde viel gescherzt, was gesprochen worden sei, wäre nichts für Kinderohren, sagt sie mit einem verschmitzten Blick auf die umstehenden Sechstklässler. Dass die Kulturfrauen mit einem Bild auf dem einstigen 50-Pfennig-Stück geehrt worden waren, wussten viele nicht. Gestern erhielten sie von den Niedersächsischen Landesforsten eine Gedenkmedaille und einen Bildband zum Dank.

Fotostrecke Neustadt: Kulturfrauen pflanzen Bäume am Dammkrug

Von Benjamin Gleue

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