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Umland Neustadt Nachrichten Name der Liebfrauenkirche geht aufs Plattdeutsche zurück
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00:24 02.04.2018
Uta Jessen und Marcus Buchholz berichten von der Liebfrauenkirche. Quelle: Kathrin Götze
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Neustadt

 Auch wenn es nach einem Plural klingt: Neustadts Kirche am Marktplatz ist nicht mehreren „lieben Frauen“ gewidmet, sondern nur der einen, nämlich Maria, laut Bibel jungfräuliche Mutter Jesu Christi, die ihren Sohn am Kreuz beweinen musste. Im Neustädtischen Platt hieß es „unser leven Frouven Karken“ – ein Genitiv also, kein Hinweis auf Damen im Plural.

Vor fast 800 Jahren ließen die Grafen von Wölpe, die sich kurz zuvor mit ihrer Burg auf dem heutigen Schlossberg niedergelassen hatten, die Kirche errichten. Seitdem ist sie mehrfach saniert, erweitert und umgebaut worden. „Lange Zeitlief sie auch unter Petrikirche“, sagt Pastor Marcus Buchholz. Êrst 1954 sei sie wieder der Jungfrau Maria gewidmet worden. Am Südportal finden sich noch Abbilder beider Namenspatrone. 

Am Südportal sind Bildnisse von Petrus, Maria und Jesus angebracht Quelle: Kathrin Götze

Auch wenn die Kirche reich an Kunst ist: Namensgeberin Maria kommt dabei gar nicht so oft vor, wie Kirchenführerin Uta Jessen erläutert. In dem Gemäuer, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurück reicht, ist das moderne Kreuzigungsbild über dem Altar Marias prominentester Auftritt. Es stammt aus dem Atelier des Expressionisten Magnus Zeller (1888 –1972), einem Schüler von Lovis Corinth, dessen Kunst die Nationalsozialisten als „entartet“ gebrandmarkt hatten. „Was für ein Glück, dass die Neustädter das damals nicht beachtet haben, sonst wäre es sicher nicht mehr hier“, sagt Jessen. 

Das Altarbild der Liebfrauenkirche stammt vom Künstler Magnus Zeller. Quelle: Kathrin Götze

 Sie kann über viele der Kunstgegenstände in der Kirche geradezu ins Schwärmen geraten. Das Altargemälde zeigt drei Figuren, die sich um Jesus am Kreuz scharen: Maria Magdalena, die verstört in die Ferne schaut, den Apostel Johannes, der verstört den Blick abwendet, sowie Mutter Maria und Sohn Jesus in einer Art Abschiedsszene: Maria reckt sich verzweifelt zu ihrem Sohn hinauf. Der lächelt zu ihr herab, als wollte er sagen „Es ist vollbracht.“ Jessen: „Und der blaue Himmel über der Trauerszene avisiert uns schon das österliche Geschenk der Auferstehung.“

Moderner noch und auch schmerzhafter ist das zweite Marienbild, eine Skulptur, die sich in einem Seitenschiff findet: Es ist eine Pietá, eine Darstellung von Maria mit dem toten Jesus auf dem Schoß. Nach der großen Sanierung der Kirche habe ein Ehepaar die Skulptur gespendet, das zuvor einen erwachsenen Sohn verloren hatte. Sie stammt von dem Künstler Donato Diez, zeigt beide Figuren ohne Arme. Der tote Sohn sieht aus, als würde er gerade vom Schoß der Mutter rutschen. Jessen sagt dazu: „Es ist unmöglich, einen Sterbenden zu halten. Er wird hinabgleiten in den Abgrund. Doch er fällt in Gottes Hand.“

Es ist ein Geschenk, die Kirchenkunst auf so liebevolle und inbrünstige Art erläutert zu bekommen. Wer mit Jessen durch die Liebfrauenkirche gehen will, kann unter Telefon (05032) 3859 eine Tour buchen. Geschichte und verborgene Schätze der Liebfrauenkirche sind auch Theme der Stadtführerin Margarete Paul, die öffentliche Führungen am Freitag, 4. Mai, 10.30 Uhr, und am Sonntag, 12. August, 16 Uhr, anbietet. Weitere Termine können unter (05032) 63579 vereinbart werden. 

Uta Jessen zeigt das Relief vom Narren, der durch den eigenen Schritt guckt - sie hat dazu eine eigene Theorie. Quelle: Kathrin Götze

Gebäude zählt rund 800 Jahre

Rund 800 Jahre ist es her, dass die Grafen von Wölpe die Ursprungskirche errichten ließen, in direkter Nähe zur Burg, die sie sich auf dem heutigen Schlossberg gebaut hatten. Damals hatte sie die Form einer romanischen Basilika, vergleichsweise gedrungen und lichtarm, wie es die damalige Bautechnik zuließ. Unter Herzog Erich I. folgte die „Gotisierung“, die Kirche wurde höher, erhielt Seitenschiffe und große Fenster. Der Turm stammt aus dem 19. Jahrhundert. 

Im Innern findet sich, neben vielen anderen Ausschmückungen, eine Säule mit reichen Verzierungen im Sandstein. Sie zeigen die vier Evangelisten –und einen Narren, der den Kopf durch die eigenen Beine steckt. „ich habe ewig gerätselt, wer damit gemeint sein könnte, zumal er ja recht prominent platziert ist und Richtung Kanzel schaut“, sagt Kirchenführerin Uta Jessen. Bei einer Führung mit Besuchern vom Religionsinstitut aus Loccum kam dann der entscheidende Hinweis: „Schlagen Sie doch mal bei Paulus nach“, sagten ihre die Theologen. Und tatsächlich: im 1. Korintherbrief steht das berühmte Zitat von Paulus, der sagt „Wir sind alle Narren um Christi Willen.“ göt

Von Kathrin Götze

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