Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Als Stöckheim dem Pabstumb entsagte
Umland Neustadt Nachrichten Als Stöckheim dem Pabstumb entsagte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:36 11.09.2013
Kenner der Kiste und der Dorfgeschichte: Eberhard Zywitzki-Bandelin (von links), Otto Heinemann und Alfred Gangnus. Quelle: Dirk von Werder
Neustadt

Alfred Gangnus, Esperke, Otto Heinemann, Stöckendrebber, sowie Eberhard Zywitzki-Bandelin und Heinrich Schünhoff (beide Niedernstöcken) trafen sich auffallend häufig. Allen gemein ist eine Leidenschaft für Dorfgeschichte und -geschichten, alle waren sie an Chroniken ihrer Dörfer irgendwie beteiligt; so sie sie denn nicht selbst geschrieben haben. Und tatsächlich: Sie haben alte Schriften ausgewertet und so Neues in Erfahrung gebracht. Die Kiste im Bild spielt eine ganz entscheidende Rolle dabei. Im Oktober gibt es das kleine Werk zum Nachlesen. Von wegen „gute, alte Zeit“: Sie war geprägt von Feuersbrünsten, Missernten und Plünderungen. Diese zumindest bestimmen in weiten Teilen und spannend geschildert die „Auszüge aus dem Lagerbuche der Pfarre zu Niedern-Stöcken“, 1896 von Gustav Feddeler zusammengetragen. Feddeler war Esperker von Geburt, verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Hauptlehrer einer Bürgerschule in Hannover.

Sein Ding war die Heimatgeschichte. Immer wieder stöberte er in Kirchenbüchern seiner Heimat, und so fand er die Eintragungen von Pastoren der Nachreformationszeit. Wann genau „die Kirche zu Niedern Stöckheim“ (so der Ortsbegriff Anfang des 17. Jahrhunderts) „vom Pabstumb reformieret“ wurde, steht nicht niedergeschrieben, aber dafür viele Geschichten über die Dramen und Tragödien der Jahre 1603 bis 1815. Otto Heinemann, 86 Jahre alt und längst Stöckendrebberer Dorflegende, hat die Niederschrift von Feddelers Auszügen einst von Dorfchronist Hans Ehlich erhalten. „Es galt, sie der Allgemeinheit zur Kenntnis zu geben“, sagt Heinemann, der sich die Unterstützung von Alfred Gangnus, Heinrich Schünhoff, Eberhard Zywitzki-Bandelin und Pastorin Ute Clemens sicherte, um die Texte aus Süterlin zu übertragen, auszuwählen und zu vervielfältigen. Ab Oktober gibt es die Neuauflage – in Originalsprache und Orthografie – bei den Vertretern der Kirchengemeinde. Darin wird auch die Geschichte des „Berariums“ angeschnitten – einer hölzernen Kiste, die als Kirchenkasse diente. „Als wir den Begriff geklärt hatten und feststellten, die Kiste steht noch immer im Sakristeiraum der Kirche – das war schon was“, sagt Gangnus.

Nachgelesen

Eine Flut – der Sünde wegen

Anno 1773, so steht es in seinerzeit üblichem Schriftdeutsch in der Textsammlung, „hat es dem verborgenen Regierer unsrer Schicksahle gefallen, uns abermahls wegen unserer Sünde heimzusuchen, indem die Leine nach einem dreytägigen heftig anhaltenden Regen den 8. May aus den Ufern getreten, und weil das Waßer 14 Tage über der bestellten Marsch gestanden, alle Frucht und Wiesenmahd verdorben“. Der Ausfall der Ernte auf den überfluteten Flächen - mit weitreichenden Folgen für die Ernährung von Mensch und Vieh verbunden - war als Gottesstrafe für Sünden akzeptiert.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Muss der Tierschutzverein tätig werden, wenn sich auf einem Brachgrundstück in der Stadt Katzen ansiedeln? Eine Anwohnerin des alten Hüttengeländes an der Landwehr hat jetzt eine Absage bekommen.

Kathrin Götze 11.09.2013

Mit einem 24 Tonnen schweren Spezialgerät werden am Schloss Landestrost in diesen Tagen acht bis zu 120 Meter tiefe Löcher gebohrt. Diese Löcher sind die Grundlage für die neue Geothermietechnik, mit der der Nordflügel des Schlosses künftig geheizt wird.

10.09.2013

Etwa 35.000 Neustädter sind aufgerufen, in elf Tagen den nächsten Bundestag zu wählen - 1519 von ihnen sind erstmals dabei. Werden sie wählen?

10.09.2013