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Umland Neustadt Nachrichten Sieben neue Stolpersteine werden verlegt
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00:18 05.11.2017
Gunter Demnig bei seiner ersten Stolperstein-Aktion in Neustadt.  Quelle: Susanne Doepke
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Neustadt

  Eine Stadt erinnert sich: Sieben weitere Stolpersteine, die an jüdische Bewohner Neustadts erinnern, werden wahrscheinlich im nächsten Jahr verlegt werden.  Fünf davon sollen vor dem Haus Wallstraße 3 liegen, in dem die Familie Birkenruth sowie Albert Wildau lebte, zwei weitere vor der Leinstraße 21, dem früheren Wohnhaus von Erich und Gertrud Meinrath.

Es ist bereits das dritte Mal, dass der Berliner Künstler Gunter Demnig anreist, um die gold glänzenden Steine mit Gedenk-Inschrift ins Pflaster einzufügen – 16 davon liegen bereits in der Innenstadt. Um die Organisation der Verlegung und um die Geschichten der ehemaligen Bewohner kümmert sich der Neustädter Arbeitskreis Regionalgeschichte. Dessen  Hauptakteur, der Historiker Hubert Brieden sagt, er wisse von 45 Juden, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Neustadt lebten, die verfolgt und vertrieben wurden, viele deportiert und getötet.

Nach und nach will der Arbeitskreis für möglichst viele von ihnen Stolpersteine verlegten lassen. Überdies ist auch ein Mahnmal für alle vertriebenen Juden im ganzen Stadtgebiet am Erichsberg geplant. Allerdings fehlt es dafür noch an Geld, die Stolpersteine sind mit 110 Euro pro Stück leichter zu finanzieren. Wer sich beteiligen möchte, bekommt Informationen zum Spendenkonto bei Brieden, Telefon (05032) 61705.

Im Haus Wallstraße 3, heute Intersport Kreft, lebten einst Hermann und Johanna Birkenruth mit den Kindern Edith und Günter. Familienvater Hermann Birkenruth war gebürtiger Neustädter, Händler für Altprodukte und Mitglied der Synagogengemeinde. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde er verhaftet und ins Polizeigefängnis Hannover gebracht. Birkenruths emigrierten nach England, später in die USA. Weniger ist über Albert Wildau bekannt, der ebenfalls seinen letzten Wohnsitz in der Wallstraße 3 hatte. Er sei am 5. Dezember 1941 nach Riga deportiert worden und dort verschollen, heißt es. 

Nach langem Suchen sei es auch gelungen, den letzten Wohnsitz von Erich und Gertrud Meinrath zu identifizieren, berichtet Brieden. „Die Hausnummern haben sich seitdem geändert, manchmal mehrfach“, sagt er. Erst ein Blick in ein altes Katasterverzeichnis zeigte, dass das Haus, das einst die Nummer 51 trug, heute Leinstraße 21 heißt und einen Schönheitssalon beherbergt. Das Ehepaar Meinradt betrieb eine Schlachterei, die Brieden zufolge arisiert wurde. Auch Erich Meinradt wurde in der Pogromnacht verhaftet. Nach seiner Entlassung lebten beide in einem Judenhaus in Hannover, wurden ebenfalls im Dezember 1941 nach Riga deportiert. 

Von Kathrin Götze

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