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Umland Neustadt Nachrichten Rigips schließt sein Werk im Dorf
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18:34 15.04.2015
Zum Jahresende schließt das Werkstor der Saint-Gobain Rigips in Poggenhagen. Quelle: Susanne Döpke
Neustadt

„Wir versuchen alles, um diesen Mitarbeitern Arbeitsplätze an anderen Standorten anzubieten“, sagt Geschäftsführer Christian Grimm. Dafür kämen Werke in Rheda-Wiedenbrück oder Bodenwerder infrage.

Grund für die Schließung ist die wirtschaftliche Lage. „Der Markt für Produkte, wie sie in Poggenhagen hergestellt werden, liegt am Boden“, sagt Andreas Wieder von der Gewerkschaft IG BCE. Gefertigt werden dort Schaum- und Dämmstoffe. Branchenweit, sagt Wieder, seien seit Jahren Verluste von 25 bis 30 Prozent zu verzeichnen.

Auch Geschäftsführer Grimm spricht von „etwa 20 Prozent Verlusten“ seit 2011. Zudem seien erhoffte Programme der Bundesregierung zum energetischen Sanieren mit Dämmstoffen ausgeblieben. Poggenhagen ist eine von vier Produktionsstätten von Rigips-Dämmstoffen - nach Aussagen des Unternehmens der teuerste. „Durch die verschiedenen Gebäude auf dem Werksgelände ist es nicht möglich, eine durchgehende Produktionsstrecke zu schaffen“, erklärt Grimm.

Poggenhagens Ortsbürgermeister Klaus Hendrian zeigt sich bestürzt. „Das ist ein Schlag ins Kontor.“ Für die Bewohner seines Dorfes sei das Kubald-Aus allerdings schlimmer gewesen. Dort hätten sehr viel mehr Poggenhagener gearbeitet als bei Rigips. Hendrian hofft für beide Firmenstandorte auf Nachnutzer aus dem produzierenden Gewerbe. „Gebäude und Größe müssten das hergeben.“ Auch Neustadts Bürgermeister Uwe Sternbeck bedauert die Schwächung des Standorts Poggenhagen. Er hoffe, dass die Mitarbeiter bald neue Arbeitsplätze finden. Die weitere Nutzung der Standorte werde eine wichtige Aufgabe für den künftigen Wirtschaftsförderer.

Von Susanne Döpke

Der Torf lockte Dyckerhoff an

Der Straßenname zeigt die Tradition: Das Rigips-Werk liegt an der Dyckerhoffstraße. Firmengründer Eduard Dyckerhoff (Bild) – sein Großvater hatte die Dyckerhoff-Zementwerke Wiesbaden gegründet – kam 1906 in den Norden. Seinerzeit fuhr er per Bahn nach Wunstorf, stieg aus und schnupperte: Torf, heimischer Rohstoff. Dyckerhoff suchte und fand einen Standort mit Bahnanschluss.

Ab 1912 wurde in Poggenhagen Torfstreu für Pferde produziert, an Landwirte und Militär verkauft. Später wechselten Eigentümer mehrfach; Hauptprodukt: Styroporprodukte.

Von Dirk von Werder

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