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Neustadt Wasserverband: Nitratsenkung würde teuer
Umland Neustadt Wasserverband: Nitratsenkung würde teuer
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15:50 05.12.2018
Pressegespräch der Geschäftsführung (von links): Sebastian Kratz, Wilfried Aick, Stephan Schumüller und Lars Christian Burgdorf berichten. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt/Garbsen

Die Möglichkeiten, Nitratwerte im Neustädter Trinkwasser zu senken, sind begrenzt. Nach einem Jahr der Untersuchungen hat die Geschäftsführung des Wasserverbands Garbsen-Neustadt wenig gute Nachrichten für die Kunden, die sich eine schnelle Minderung des Nitratgehalts wünschen.

Nitrat ist umgewandelter Stickstoff, gelangt meist über landwirtschaftliche Flächen ins Grundwasser. Verband und Landwirte arbeiten seit Jahren daran, die Einträge zu mindern. Allerdings braucht es sehr lange, bis die Effekte im Grundwasser spürbar werden. Insbesondere im Einzugsbereich des Wasserwerks Hagen sind die Werte relativ hoch, laut Schumüller bei 39 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm.

Nach einer entsprechenden Anfrage aus dem Neustädter Rat hat der Verband drei Möglichkeiten identifiziert, den Nitratgehalt zu senken. Die besonders stark belasteten Brunnen vom Netz zu nehmen, funktioniere nicht, weil dann die Fördermenge nicht mehr ausreiche, sagte Verbandsgeschäftsführer Stephan Schumüller am Mittwoch. In Hagen werden jährlich rund vier Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, etwa drei Millionen bleiben im Neustädter Land, eine weitere kommt zu Garbsener Kunden.

Das zweite Wasserwerk des Verbands in Forst Esloh bei Dedensen weist zwar deutlich niedrigere Nitratwerte auf, ist jedoch bereits an der Kapazitätsgrenze. Auch die Möglichkeit, Wasser zuzukaufen, fällt aus. Technisch möglich wäre das von den Harzwasserwerken und dem Versorger enercity. Doch beide Unternehmen hätten auf Anfrage abgesagt. „Sie haben kein Wasser übrig“, sagt Schumüller.

Bleibt zusätzliche Aufbereitungstechnik. Möglich wäre das mittels biologischer Behandlung, Elektrodialyse oder der so genannten Umkehr-Osmose. „Jede Methode hat Vor- und Nachteile. Vor allem entsteht dabei Abwasser, das wir nur schwer entsorgen können“, sagt Schumüller. In jedem Fall würden sich die Investitionen auf den Wasserpreis auswirken, und zwar laut dem kaufmännischen Leiter Sebastian Kratz mit 18 bis 31 Cent pro Kubikmeter – also mehr als 10 Prozent des aktuellen Preises, der bei 1,75 Euro liegt.

Das gelte auch für den Fall, dass die stetige Suche nach neuen Wassergewinnungsgebieten ein überzeugendes Ergebnis bringe und der Verband ein neues Wasserwerk errichte – das würde grob geschätzt 23 Millionen Euro kosten. „Es gibt die Kunden, denen der Nitratwert sehr wichtig ist, und es gibt sehr viele Kunden, die das Problem nicht haben oder nicht so sehen“, sagt Verbandsvorsteher Wilfried Aick, „die würden eine solche Preiserhöhung nicht akzeptieren.“ Aus Sicht des Verbands hat das Wasser nach wie vor gute Qualität, die überdies unter den Behandlungen leiden würde.

Das Problem der Nitratbelastung im Grundwasser ist bundesweit vorhanden. Man beschäftige sich schon länger damit und arbeite auch daran, dem Wasser als Lebensmittel Nummer eins mehr Bedeutung im politischen Prozess zu verschaffen, sagte Schumüller.

Er wird in der Ratssitzung am Donnerstag, 6. Dezember, Bericht erstatten. Sie beginnt um 18 Uhr im Ratssaal, Nienburger Straße 31.

Vielerorts muss der Wasserverband Rohre und Armaturen erneuern - auf einer Baustelle Auf der Horst ist ein neuer Trennschieber installiert. Quelle: Kathrin Götze

Wasserverbrauch ist stark gestiegen

Der Wasserverbrauch im Verbandsgebiet ist im vergangenen Jahr stark angestiegen – 2017 lag er noch bei rund 5,4 Millionen Kubikmetern, für 2018 rechnet die Geschäftsführung mit rund 5,7 Millionen. Die stärksten Ausschläge verzeichneten die Versorger im Sommer. Viele Kunden hätten die Nachtstunden genutzt, um etwa den Garten zu bewässern, so dass kaum Zeit blieb, über Nacht die Speicher aufzufüllen, wie sonst üblich. „Unsere Anlagen waren extrem ausgelastet“, sagt Geschäftsführer Stephan Schumüller.

Diese Verbrauchswelle spülte auch mehr Geld in die Kasse. Auch wenn der Verband als öffentlich-rechtliche Einrichtung keinen Gewinn schreiben darf, kommen die Einnahmen gelegen. Man habe sich vorgenommen, künftig deutlich mehr am Netz zu arbeiten, sagt Schumüller. Rund 900 Kilometer Rohre hat der Verband zwischen Kolenfeld und Lichtenhorst in seiner Regie – bisher werden 0,5 Prozent davon im Jahr saniert und erneuert. „Diese Quote muss höher sein“, sagt Geschäftsführer Schumüller, „die Rechnung ist einfach, bei einem Prozent wäre man in 100 Jahren durch – so lange Lebensdauer haben Rohre und Armaturen nicht.“ Um nicht völlig von der Baukonjunktur abhängig zu sein, beschäftigt der Verband selbst zwei Tiefbautrupps, insgesamt acht Mitarbeiter.

Von Kathrin Götze

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