Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Neustadt So reagiert Neustadt auf den Verlauf der Stromtrasse Südlink
Umland Neustadt So reagiert Neustadt auf den Verlauf der Stromtrasse Südlink
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:49 21.02.2019
Diese Kabel werden bei der Stromautobahn Südlink verlegt. Quelle: HAZ
Neustadt

Nach der Verkündung des Netzbetreibers Tennet, dass die geplante Stromautobahn Südlink durch den westlichen Teil der Region Hannover führen soll, zeigen sich die Bürgermeister der betroffenen Städte bestürzt.

„Wir sind überrascht, dass trotz der erheblichen inhaltlichen Konflikte, die auch seitens der Stadt Neustadt in Zusammenarbeit mit ihren Ortsräten, Bürgerinnen und Bürgern sowie fachlichen Bewertungen an Tennet transportiert worden sind, nun die Westtrasse die Vorzugsvariante sein soll“, sagt Bürgermeister Uwe Sternbeck. Stadtsprecherin Nadine Schley hatte zuvor gesagt: „Uns wurde signalisiert, dass es die Osttrasse wird. Warum jetzt diese Rolle-Rückwärts vollzogen wird, weiß hier niemand.“

Die Trasse tangiert einen großen Teil des Neustädter Stadtgebietes. Betroffen sind unter anderem Randlagen der Stadtteile Otternhagen, Welze, Averhoy, Basse und Metel.

Bei dem derzeitigen Verlauf der Trasse komme Tennet an mehreren Stellen in Neustadt in Konflikt mit dem Naturschutz, sagte Schley. Die Stromautobahn würde nach der Planung mehrere Flussauen durchlaufen, sowie ein Gebiet an der Leine kreuzen, in dem der sogenannte Kiemenfußkrebs ansässig ist.

„Es dürfte schwierig werden“

Außerdem liege auf dem Weg eine alte Müllkippe bei Wulfelade, die „nicht unbedingt angebohrt werden sollte“. Nach momentanen Kenntnissen führe die Trasse zudem zwischen dem Ort Otternhagen und dem geplanten Neubau des Friedrich-Löffler-Instituts hindurch. „Der Korridor ist sehr eng“, sagte Schley. „Es dürfte schwierig sein, an dieser Stelle die Abstandsregelungen einzuhalten.“

Es sei jetzt Aufgabe von Tennet, gute Argumente zu finden und mit den Bürgern darüber zu reden. „Noch gab es hier keine Bürgerinitiative wie in Garbsen“, sagte Schley. Damit das so bleibe, müsse Tennet die Anwohner gut informieren.

Am Abend will das Unternehmen Tennet Bürgermeister und Landräte über das weitere Verfahren und die Möglichkeiten der formellen Beteiligung informieren. Dort müsse Tennet sehr gut darstellen, wie dieses Ergebnis zustande kommt, sagte Sternbeck. „Ich erwarte konkrete Lösungsvorschläge für die dargestellten Konflikte, damit der Bau der Stromtrasse für den Fall, dass die Bundesnetzagentur das Ergebnis genehmigt, möglichst wenig beeinträchtigt werden.“

Entscheidung fällt erst nach Bewertung der Bundesnetzagentur

Im Neustädter Land soll die Stromtrasse an den Ortschaften Stöckendrebber, über Mandelsloh und weiter über Basse und Suttorf nach Schloss Ricklingen und Frielingen verlaufen. „Bisher sah es eher so aus, dass Tennet eine weiter östliche Variante wählt. Das hätten wir begrüßt. Wir sind überrascht, dass nun die westliche Route mit Neustadt und Garbsen bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden soll“, erklären der Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt, sowie die Landtagsabgeordneten Sebastian Lechner und Edita Westmann (alle CDU).

Jetzt gelte es zunächst, das Prüfverfahren der Bundesnetzagentur abzuwarten, sind sich die Unionsabgeordneten einig. „Wir werden diesen Prozess intensiv und kritisch begleiten. Für uns ist es wichtig, dass die Trasse erdverkabelt ist und an Straßen oder Schienen entlang geführt wird, um möglichst wenig landwirtschaftliche Flächen durch den Bau zu beeinträchtigen. Auch eine faire Entschädigung ist unabdingbar, damit das für die Energiewende so wichtige Projekt auch Akzeptanz findet.“

Bundestagsabgeordnete Caren Marks (SPD) sagte: „Der aktuelle Sachstand zum Korridor der Südlink-Trasse macht deutlich, wie aufwendig es ist, die vielfältigen Interessen im Verfahren sorgfältig gegeneinander abzuwägen.“ Das habe zu der Verlagerung des Korridors von der östlichen in die westliche Region Hannover geführt.

„Ich erwarte von Tennet, dass die Gründe dafür öffentlich dargelegt und die Kommunen und Bürger umfassend informiert werden“, sagte Marks. Die endgültige Entscheidung über den Trassenverlauf erfolge nach der Bewertung der Unterlagen durch die Bundesnetzagentur und das anschließende Planfeststellungsverfahren, in dem Betroffene noch einmal beteiligt würden.

Ortsbürgermeister wollen mehr Informationen

Darauf verlassen sich auch die Ortsbürgermeister der betroffenen Ortschaften, Mandelsloh, Mariensee und Otternhagen. „Natürlich will das keiner vor der Haustür haben“, sagt der Otternhagener Wilfried Schneider (CDU), „wir müssen uns die Argumente genau anhören, warum das nun hier besser sein soll.“ Das sieht auch der Marienseer Kollege Heinrich Zieseniss (CDU) so: „Die Trasse führte erst durch Landschaftsschutzgebiet Evenser Moor, Sportplatz und Waldbad Wulfelade, das ist auf unsere Anregung schon geändert worden“, sagt Zieseniss. Mandelslohs Ortsbürgermeister Günter Hahn (UWG) will sich Karten und Argumente genau ansehen, bevor er sich zum Thema äußert.

Interaktive Karte: Das ist der geplante Verlauf der Trasse

Wenn Sie die Karte auf einem Smartphone nutzen: Bitte tippen Sie einmal auf die Karte, um sie verschieben und zoomen zu können. Nach einem weiteren Tippen können Sie wieder zum Rest des Artikels nach unten scrollen.

Von Lisa Neugebauer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Derwischtanz und Chorgesang in der Peter-und-Paul-Kirche: Am Mittwochabend haben Neustadts Christen und Muslime ihren interreligiösen Dialog in Wort, Bild und Musik fortgeführt.

24.02.2019

Bisher hatte Tennet für die Stromautobahn Südlink eine Route östlich um Hannover favorisiert. Nun soll die Trasse doch im Westen um die Landeshauptstadt herumführen.

24.02.2019

Der Zeitplan für den Bau einer Brücke über das Bahngleis in Poggenhagen musste angepasst werden: Aktuell gehen die verantwortlichen davon aus, dass die Brücke bis Ende 2023 fertig werden kann.

23.02.2019