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Neustadt Freundlicher Fahrensmann hat sogar Fans
Umland Neustadt Freundlicher Fahrensmann hat sogar Fans
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00:21 09.12.2018
Mirco (43) nimmt gern in Neustadts Fußgängerzone Platz. Das Fahrrad mit Anhänger ist immer dabei. Quelle: Foto: Kathrin Götze
Neustadt

Ganz gewöhnlich sieht er nicht aus, der 1,90-Meter-Hüne mit dem zauseligen Bart und der Mütze. Doch zum Straßenbild der Neustädter Fußgängerzone gehört der 43-jährige Mirco (der Vorname muss reichen) seit Jahren fest dazu. Im Schneidersitz thront er vor seinem Fahrradgespann, sammelt in einer Mütze Spenden von Passanten ein.

Einmal war von ihm in unserem Bericht über die Weihnachts-Sammelaktion der Wohnungslosenhilfe die Rede. Da häuften sich in der Redaktion die Fragen zu dem Landfahrer, der für jeden Passanten ein nettes Wort hat und gern auch mal länger plaudert. Dabei ist er stets nüchtern. „Mit Alkohol und Drogen will ich nichts zu tun haben“, sagt der gebürtige Ostfriese. Alkohol sei es gewesen, der ihn seinerzeit den festen Wohnsitz kostete, sagt er. „Ich habe in einer Kneipe gearbeitet und selber noch gesoffen“, sagt er. Als der Chef eine neue Freundin hatte, flog der Angestellte raus. Das ist jetzt 20 Jahre her, heute ist Mirco 43 Jahre alt, „und trocken seit 2003“, wie er versichert.

Und er ist immer unterwegs, auf dem Fahrrad mit dem Anhänger – das Rad hat ihm ein Neustädter geschenkt, als das alte kaputt ging. Neustadt, Nienburg, Cloppenburg sind wichtige Orte, auch den Tagestreff für Wohnungslose in Wunstorf steuert er gern an. „Da gibt es Internet – das ist wichtig, sonst ist man abgehängt.“ In Neustadt hat er einen festen Schlafplatz im Süden der Kernstadt. „Da komme ich gut zurecht. Nur eine Fledermaus hat mich im Sommer immer mal gestört, die wollte wohl bei mir Mücken fangen.“ Schließlich habe er sie mit einer Wasser-Sprühflasche vertrieben. Und jetzt, im Winter, wird es da nicht kalt? „Mein Schlafsack ist schön warm“, sagt Mirco bestimmt. Diskussion beendet.

Beim Lichterfest am Freitagabend will er noch einmal seine Mütze an der Marktstraße aufstellen, dann geht es weiter gen Nordwesten. „Über Weihnachten bleibe ich in Cloppenburg, da sind Christenmenschen“, sagt er. Da hätten sie ihm schon sehr geholfen.

Laut Wohnungslosenhilfe ist sein Lebensstil als Landfahrer nicht mehr so verbreitet wie einst. Doch Mirco mag nicht davon lassen, wie er sagt. „Eine Wohnung will ich nicht. Höchstens mit 70, zum Sterben.“ Als einziges Dach überm Kopf könne er sich einen Wohnwagen vorstellen. „Aber was man da geschenkt kriegt ...“ Er zuckt die Achseln. „Naja, da ist es draußen sauberer.“

Von Kathrin Götze

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