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Neustadt ASB feiert Firmenjubiläum im Torfwerk
Umland Neustadt ASB feiert Firmenjubiläum im Torfwerk
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00:16 14.09.2018
Rindenmulch wird aus einer Siebanlage abtransportiert. Quelle: Kathrin Götze
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Neustadt

 Auch wenn es mancher nicht gerne liest: Aus Sicht der Pflanzerde-Hersteller ist Torf nach wie vor ein unverzichtbarer Rohstoff. Das macht Neustadt zu einem der wichtigsten deutschen Standorte der weltweit tätigen Firma ASB Greenworld, zu deutsch ASB Grünland. Das Unternehmen feiert Mitte September sein 60-jähriges Bestehen, und zwar im Neustädter Torfwerk an der Moorstraße.

Das Werk gehört seit 1975 zu der Firma, die Seniorchef Helmut Aurenz 1958 gegründet hat. Der Gründungslegende zufolge hatte der Gärtner ursprünglich Blumen auf dem Markt in seiner Heimatstadt Ludwigsburg verkaufen wollen. Doch die Kunden interessierten sich angesichts der Blütenpracht mehr für die Erde, in der er die Pflänzchen zog. Gesichert ist, dass Aurenz 1958 seinen Blumenerde-Betrieb eröffnete und schon zwei Jahre später eine Blumenerde-Fabrik in Neckargröningen bauen ließ. Heute sind die von ASB abgefüllten Plastiksäcke mit Erdenprodukten in Lebensmittel- und Baumärkten in Deutschland und weit darüber hinaus zu finden. Der Wahlspruch „Wachstum ist unsere Stärke“ gilt also für Produkte und Unternehmen gleichermaßen.

Das Neustädter Torfwerk mit seinen 11 Millionen Quadratmetern Moorfläche erwarb der Gründer 1975. Im Toten Moor waren da schon etliche Projekte und Ideen versickert, verknüpft etwa mit den Namen Nehse, Strousberg oder Dyckerhoff. ASB lässt inzwischen maschinell mit der Fräse abtorfen, bearbeitet so rascher größere Flächen als alle seine Vorgänger. Bis zu 200.000 Kubikmeter Torf im Jahr werden im Neustädter Werk abgebaut und verarbeitet.

Mit dem wachsenden Umweltbewusstsein in Deutschland und der Kritik am Torfabbau stiegen auch die Anforderungen an die Produzenten. Inzwischen hat die Firma laut Selbstdarstellung „den Einsatz von Torf in der Blumenerdeproduktion um weit mehr als 50 Prozent reduziert“. Doch der Vorrat vor Ort ist endlich, die langjährigen Abbaugenehmigungen in Neustadt laufen 2030 aus.

Auf dem Betriebsgelände an der Moorstraße werden die verschiedenen Substrate für den Verkauf gemischt und in Plastiksäcke abgefüllt. Auch die Folien dafür stellt ASB am Standort selbst her.

Kein Grund, sich bereits jetzt zurückzuziehen, sagt Thomas Kramer, der als Geschäftsführer Supply Chain auch für die Produktentwicklungen zuständig ist. Regelmäßig bringe die Firma neue Ideen zur Marktreife, zuletzt beispielsweise ein Rasen-Reparaturset, das auf Schafswolle basiert. Auf der Suche nach Torf-Ersatzstoffen sei aber Gleichwertiges noch nicht in Sicht. Naturnahen Stoffen mangelt es an Durchlässigkeit und Neutralität, und künstlich hergestellte Alternativen wie Steinwolle werfen Entsorgungsprobleme auf. Der Nachhaltigkeitsgedanke sei in der Produktion außerordentlich wichtig, sagt Kramer. Und er selbst sei ständig auf der Suche nach natürlichen Rückständen anderer Branchen, die vielleicht in der Erdenproduktion noch nützlich sein könnten.

Aktuell wird der Torf im Neustädter Werk nach vielen unterschiedlichen Rezepturen mit weiteren Naturprodukten vermischt. Im Rohstofflager liegen große Haufen unterschiedlich klein geschredderten Rindenmulchs, außerdem Kompost, Sägespäne, Sand und Tonstaub. 120 verschiedene Erden kommen am Ende heraus, gemischt werden die Zutaten in mächtigen Siebanlagen. Auch die Plastiktüten für den Verkauf werden inzwischen in Neustadt hergestellt und bedruckt. „Jeder Baumarkt hat seine eigene Produktlinie“, erläutert Kramer in der Produktionshalle, wo das Förderband kurz stillsteht, während der zuständige Mitarbeiter die Folie wechselt.

In den vergangenen zehn Jahren habe das Werk mit Automatisierung etlicher Prozesse einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wichtiges Thema sind die Lagerflächen, denn die Produktion läuft über das ganze Jahr, der Löwenanteil des Umsatzes (70 Prozent) wird in den Monaten März bis Juni gemacht. „Oder wann pflanzen Sie so?“, fragt Kramer. Täglich fahren Dutzende Lastwagen das Werk an, um Rohstoffe zu liefern und Produkte abzuholen.

Verkehr wirft immer wieder Diskussionen auf

Eine Umgehungsstraße um die nordwestliche Kernstadt, um schneller vom Torfwerk zur Bundesstraße 6 zu kommen: Über lange Zeit wälzte die Stadtverwaltung diese Option hin und her. Letztlich scheiterte das Projekt, nachdem das Unternehmen eine alte Zusage über Beteiligung an den Kosten zurückgezogen hatte. Diese hatte die Stadt 2010 zur Voraussetzung gemacht, den Flächennutzungsplan zu ändern, um ASB dort unabhängig vom Torfabbau weitere Arbeiten im Erdenwerk zu ermöglichen.

Man fand nicht zusammen – und hat jetzt mit der geplanten Sanierung der Landwehr ein Problem. Bis zu 150 Lastwagen täglich transportieren Rohstoffe und Produkte des Werks in der Hochsaison von März bis Mai. Der Plan, die Lastwagen über die Moorstraße und durch Schneeren zur B 6 zu leiten, scheint verwegen. Denn auf der schmalen Piste mit den abschüssigen Rändern kommen die Lastwagen kaum aneinander vorbei. Man verhandle, heißt es aus dem Unternehmen, und die Planer von der Region Hannover lassen verlauten, man werde sich bemühen, zumindest zur Hochsaison die Landwehr für die Lastwagen passierbar zu halten.

Rund 50 Mitarbeiter hat das Neustädter Werk, schafft darüber hinaus Verbindungen zur Kommune, wie Produktionsleiter Sebastian Voy erläutert. Regelmäßig fließen Spenden an die Feuerwehr, die bei Bränden in den Torfstichen oder auf dem Werksgelände immer rasch zur Stelle ist. Auch Schulprojekte begleite man regelmäßig, ebenso wie Naturschutzmaßnahmen im Moor.

Seit einigen Jahren ist die Renaturierung der abgetorften Flächen stärker in den Fokus gerückt, der Vernässung verdankt Neustadt die versunkenen Birkenwälder am westlichen Stadtrand.

Wenn der 60. Jahrestag der Firmengründung am 15. September in Neustadt gefeiert wird, kommen Gäste aus etlichen Ländern, in denen ASB produziert, neben Deutschland zählen Estland, die Tschechische Republik und Kanada dazu. Zumindest die europäischen Werke werden wohl Vertreter entsenden. Vertrieben werden die Produkte weltweit in 32 Ländern, neben Europa gehören Russland, die USA, Kanada, Peru und Hongkong dazu.

Neustädter Künstler malt für Firmenchronik

Lokale Themen liegen ihm, das zeigt der Künstler Marek Konarski aktuell bei der Arbeit an Ortsporträts für den Bahnhofstunnel. Auch für ASB hat Konarski eine ganze Reihe Bilder erstellt, immer mit der charakteristischen Mischung aus Karikatur und Collage. Torfbahn, Produktionshalle, Foliendruckerei und viele andere Stationen hat er so umgesetzt.

Er arbeite bereits seit einigen Jahren mit ASB zusammen, berichtet Konarski, habe auch schon Weihnachtskarten und Adventskalender für das Unternehmen erstellt. Für die Chronik ist er zum Hauptsitz nach Stuttgart gereist, um sich Anregungen zu holen. Das bringt internationales Publikum: „Die Chronik wird auch in den Auslandswerken verteilt, auch auf der Messe in Köln zum Beispiel“, sagt Konarski. göt

Von Kathrin Götze

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