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00:17 24.09.2017
Von Tobias Lehmann
Diskutieren engagiert über bundespolitische Themen: Dieter Dehm (von links), Liam Harrold, die Moderatoren Lea Reinhart und Ann-Sophie Linnartz, sowie Matthias Miersch und Maria Flachsbarth. Quelle: Tobias Lehmann
Pattensen-Mitte

Wenn die Zeit abgelaufen war, betätigten die Schüler eine Glocke und der jeweilige Redner durfte nur noch seinen Satz beenden. Die Schüler-Moderatoren Ann-Sophie Linnartz und Lea Reinhart achteten darauf, dass sich alle an die Regeln hielten. 

Eines der Themen drehte sich um die Legalisierung weicher Drogen. Lieam Harrold, Landtagskandidat der Bündnisgrünen, bekam lauten Applaus für seine Aussage: "Ich kiffe manchmal ganz gerne." Er sprach sich nicht nur für die Legalisierung weicher, sondern auch harter Drogen aus. Dadurch würden die kriminellen Machenschaften internationaler Kartelle zum Erliegen kommen. Die Drogen sollten kontrolliert abgegeben werden mit dem Hinweis auf gesundheitsschädlichen Auswirkungen. "Diese Hinweise geben Dealer nicht", sagte Harrold. Dehm sagte, dass er nicht kiffe, aber seine Söhne. Alle Untersuchungen zeigten, dass Haschisch und Marihuana "erheblich harmloser" seien als Alkohol. "Verbote helfen selten weiter. Das hat in diesem Bereich unter anderem die Prohibition in Amerika gezeigt", sagte Dehm. Der Konsum habe nicht abgenommen, nur die Kriminalität nehme zu.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch - er kandidiert wieder - sagte, dass er nicht kiffe, dafür aber ab und zu gerne Wein trinke. "Das allein zeigt schon die Verlogenheit zu diesem Thema in diesem Land", sagte er. Beim Alkohol sei den Menschen erlaubt selbst zu entscheiden, ob sie die gesundheitsschädlichen Auswirkungen in Kauf nehmen wollen, bei anderen Drogen nicht. Miersch wies zudem daraufhin, dass die Gerichte erheblich entlastet würden, wenn die weichen Drogen legalisiert werden. Die CDU-Bundestagsabgeordnete und -kandidatin Maria Flachsbarth sagte, sie sei "ganz klar gegen eine Legalisierung". Es sei nicht bekannt, welche Schäden am Gehirn diese Drogen konkret anrichten. Die Legalisierung könne nicht damit begründet werden, dass eine Droge wie Alkohol erlaubt sei. Dass weiche Drogen aus medizinischen Gründen zugänglich gemacht werden, sei in Ordnung, doch eine generelle Freigabe unterstütze sie nicht.

Die Schüler baten die Politiker auch zum Thema Schulpolitik Stellung zu nehmen. Miersch sagte, dass er das Kooperationsverbot für "großen Schwachsinn" halte. Dabei handelt es sich um eine gesetzliche Regelung, die dem Bund untersagt, sich in die Bildungspolitik der Länder einzumischen. "Wir dürfen den Ländern offiziell nicht einmal Geld zur Unterstützung in diesem Bereich geben", sagte er. Harrold sagte, dass es zu viele verschiedene Schulformen gebe. Dies sollte länderübergreifend angepasst werden.

Dehm verwies darauf, dass sich viele Parteien für gute Bildung aussprechen, aber kaum einer die Frage nach den Kosten stelle. Er schlage vor, den Rüstungsetat zu reduzieren, um damit Bildung zu finanzieren. Flachsbarth sagte, dass sie durchaus eine Anhängerin davon sei, dass Bildung Ländersache ist. "Es ist absurd anzunehmen, dass der Bund immer die besseren Entscheidungen trifft als ein Landesparlament", sagte sie. Wichtig sei am Ende, dass die Schulen gut ausgestattet und die Lehrer gut ausgebildet sind. 

Weitere zum Teil kontrovers diskutierte Themen waren unter anderem die Innere Sicherheit und Flüchtlinge. Nach mehr als 90 Minuten beendeten Linnartz und Reinhart die Diskussion. Sie ließen unter etwa 150 Schülern öffentlich abstimmen, wer die Diskussion gewonnen habe. Miersch bekam 85 Stimmen, gefolgt von Dehm, Harrold und Flachsbarth.

Rund 600 Schüler geben ihre Stimme ab

Die von den Schülern vorbereitete und moderierte Diskussion gehörte zum deutschlandweiten Projekt Juniorwahl, an dem die KGS Pattensen teilgenommen hat. Es wurden sachliche Fragen zu den kandidierenden Parteien sowie zum Unterschied zwischen Erst- und Zweistimme geklärt. Zudem haben die Schüler auch verschiedene Projekte zu dem Thema selbst organisiert. "Einige Schüler sind in eine vierte Klasse der Grundschule gegangen. Andere haben Werbespots dafür gedreht, weshalb die Bürger zur Wahl gehen sollten", sagte Fachleiterin Mirjam Bruder.

Nach anfänglicher Skepsis sei der Funke bei vielen Schülern schnell über gesprungen. "Es gibt Schüler, die kommen früher zur Schule oder bleiben freiwillig länger, um an ihren Projekten zu arbeiten", sagte Bruder. Höhepunkt sei neben der Diskussion auch die simulierte Bundestagswahl. Rund 600 Schüler aus den Jahrgängen acht bis zwölf stimmen bis zum Ende der Woche darüber ab, welche Partei sie wählen würden. Die Ergebnisse werden am Sonntag, 24. September, nach 18 Uhr auf der Internetseite der Schule kgspattensen.de veröffentlicht.

Rund 150 Schüler hören sich die Stellungnahmen zu verschiedenen Themen an. Quelle: Tobias Lehmann

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