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00:31 02.04.2018
Fachsimpeln am Laptop über das Internet (von links): Florian Ernst (19), Lothar Materny (71), Irene Wirth (70) und Patrick Schönfeld (23). Quelle: Kim Gallop
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Pattensen-Mitte

 Der 19-jährige Florian Ernst und der 71-jährige Lothar Materny stecken nicht das erste Mal die Köpfe zusammen – im Wortsinne. Sie sitzen in der guten Stube des vom Verein Mobile getragenen Mehrgenerationenhauses in Pattensen und fachsimpeln über die Probleme mit Maternys Laptop. „Der läuft so langsam, da müssen sicher ein paar Programme runter, die zuviel Speicherkapazität fressen“, vermutet Materny. Welche Programme das sind und wie sie am sichersten entfernt werden, das weiß Florian Ernst. Laut stöhnt Materny über seine „alte Krücke“. Dabei benötigt der Senior nicht etwa eine Gehhilfe, sondern ärgert sich bloß über seinen „total langsamen Laptop: Der ist schon 6 Jahre alt“.

Am gleichen Tisch gegenüber berät Patrick Schönfeld (23) die Bennigserin Irene Wirth zum Thema Neueinrichten eines Laptops. „Die jungen Leute hier sind so freundlich und haben ganz viel Geduld“, lobt die 70-jährige Wirth. „Ich lasse mir hier lieber helfen, als von meinen Söhnen“, sagt sie lachend.

Junge Computerexperten dringend gesucht

Der Internet-Treff des Trägervereins Mobile ist eine fester Bestandteil des Programms im Mehrgenerationenhaus (MGH) in Pattensen: immer dienstags von 15 bis 18 Uhr. Dazu kommt an jedem zweiten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr ein Treffen, bei dem ein wechselndes Thema behandelt wird. Seit 2006 gibt es diese Angebote, die sich speziell an Senioren richten. Das Konzept wurde vom ehemaligen EDV-Spezialisten Eckhard Wähler aufgebaut, der dabei von Anfang an junge Computerexperten an seiner Seite hatte. Teilnehmer zahlen 2 Euro pro Stunde, die  jungen Lehrer erhalten eine Aufwandsentschädigung.

„Ganz am Anfang kamen die Leute, um sich zeigen zu lassen, wie sie den Fahrplan der Bahn im Internet finden“, erinnert sich Anke Brannys vom Verein Mobile, deren Söhne Lars und Sven zu den ersten jungen Beratern gehörten. Damals mussten sich die Teilnehmer an den von Mobile zu Verfügung gestellten Rechnern abwechseln. „Heute kommen die Senioren alle mit ihrem eigenen Gerät“, berichtet Brannys. 

Die meisten Nutzer im Seniorenalter würden die Grundschritte bereits beherrschen Es geht inzwischen häufig um spezielle Fragen, etwa darum, wie ein Fotobuch erstellt wird. Das Interesse der Nutzer im Seniorenalter sei ungebrochen, berichtet Anke Brannys: 2017 wurden allein bei den Dienstagstreffen 539 Gäste gezählt

Sorgen bereitet dem Verein allerdings inzwischen der Mangel an Computerexperten. „Früher waren es ältere Schüler, aber die haben heute so viel Nachmittagsunterricht“, weiß Brannys. Und viele junge Leute ziehen weg zum Studieren oder beginnen eine Ausbildung. Der Verein hat schon Flyer verteilt, aber es hat sich niemand gemeldet. Auch die jungen Leute würden von ihrem ehrenamtlichen Engagement profizieren, versichert Brannys. „Sie lernen, anderen etwas zu erklären und Vorträge zu halten. Und sie bekommen einen Nachweis über ihre ehrenamtliche Tätigkeit, was bei der Jobsuche hilft.“

Wer Interesse hat, sollte einfach beim Internet-Treff vorbei kommen. Fragen vorab werden bei Mobile unter Telefon (05101) 109030 beantwortet. gal

Die Freude am Internet-Treff (siehe Kasten) bei Mobile ist ganz offensichtlich gegenseitig. „Es macht ganz einfach Spaß hier“, versichert Ernst, der seit 2015 dabei ist. „Hier kommen nur Leute her, die wirklich etwas lernen wollen.“  Für ihn sei immer wieder das Schönste, „wenn ich jemand helfen kann“. Schönfeld, der schon seit 2011 zum jungen Berater-Team gehört, sieht es inzwischen auch als seine Aufgabe an, den Senioren die Scheu zu nehmen. Die Entwicklung der Smartphones und Tablets mit ihrer ganz anderen Nutzeroberfläche und Handhabung hätten für viel Verunsicherung gesorgt, meint er. „Alles sieht anders aus, es ist oft nicht so leicht zu erkennen, ob ein buntes Bild zum Ziel führt, oder bloß Werbung ist.“

Ein früherer Stammgast aus Jeinsen berichtet, dass er vor etwa sechs Jahren zum ersten Mal den Internet-Treff besucht hat. „Jetzt komme ich nur noch punktuell, wenn ich eine spezielle Frage habe“, sagt der 73-Jährige. Beim jüngsten Besuch hat er sich von André Burhorst (22) zeigen lassen, wie er Programme von seinem alten auf seinen neuen Laptop überspielen kann. „Es ist schön zu sehen, wenn Leute, die schon länger dabei sind, sich immer mehr zutrauen“, sagt Burhorst.

Von Kim Gallop

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