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00:17 01.07.2018
Phillip Feist ( von links), Benjamin Tschirch und Lennert Zirpel füllen das Bier nach dem Brau- und Reifungsprozess auch selber in Flaschen ab. Quelle: Stephanie Zerm
Hüpede

Eigentlich wollten sie nur für sich selber Bier brauen. Der Plan ging jedoch nicht auf. Denn seit Phillip Feist (inzwischen 29 Jahre alt), Benjamin Tschirch (34) und Lennert Zirpel (29) vor fünf Jahren ihren ersten selbst hergestellten Gerstensaft in Hüpede vorstellten, wird er ihnen förmlich aus den Händen gerissen. „Von unseren ersten selbst gebrauten 100 Litern, mit denen wir unsere Fußballtruppe überrascht haben, blieb kaum etwas für uns selber übrig“, sagt Benjamin Tschirch. Beim nächsten Braugang sah es nicht anders aus. „Daher haben wir bereits nach drei Monaten ein Gewerbe angemeldet“, sagt Phillip Feist.

Das „Hüpsche Blonde“ schmeckt Biertrinkern aus der gesamten Region.

Auf die Idee, ihr eigenes Bier herzustellen, sind die drei Freunde bei einer Brauereibesichtigung in Eldagsen gekommen. In einem 100 Liter fassenden Industriekochtopf haben sie dann ihre ersten Biere angesetzt. Als Brauerei dient eine alte Werkstatt in der Straße An der Halbe. Daher heißt ihr Bier auch Hüpscher Werkstatt Bräu. „Hüpscher leitet sich von Hüpede ab“, erklärt Phillip Feist. „Die Jungs hier nennen sich alle so.“ Der 29-Jährige weiß, wovon er spricht. Er selbst und seine zwei Freunde sind in Hüpede aufgewachsen. „Wir kennen uns schon seit unserer Kindheit.“ Benjamin Tschirch und Phillip Feist sind Cousins, Lennert Zirpel stieß „erst“ im Kindergarten dazu.

In den vergangenen fünf Jahren haben die drei Hüpeder ihre Bierproduktion kontinuierlich gesteigert. „Im ersten Jahr haben wir 1500 Liter produziert, im zweiten 2500, im dritten 4000 und im vierten 4500 Liter“, sagt Benjamin Tschirch. „Und dieses Jahr werden wir uns mit 10 000 Litern noch einmal steigern.“

Mittlerweile brauen sie sechs verschiedene Biere, darunter ein Weizen- und ein Dunkelbier sowie die Sorten Karamell Kloster, Ziegelrot und India Pale Ale (IPA). „Am beliebtesten ist aber unser Pils, das Hüpsche Blonde“, sagt Lennert Zirpel.

Die Etiketten für die Bierflaschen hat das Trio selbst am PC entworfen. Sie zeigen eine Frau mit unterschiedlichen Haarfarben. Diese sind den jeweiligen Farben des Bieres angepasst. So prangt auf dem Pils eine „Hüpsche Blonde“ und auf dem Dunkelbier eine „Hüpsche Schwarzhaarige“.

Erhältlich sind die Hopfendolden-Aufgüsse auch in einem Notfall Sixpack gegen akute Unterhopfung. Auf der Packung wird allerdings gewarnt: Übermäßiger Konsum kann zu Schwindelgefühlen führen.

Das Bierbrauen bleibt ein Hobby

Doch trotz des großen Erfolgs bleibt die Bierherstellung für das Trio nach wie vor ein Hobby. Alle drei sind berufstätig und brauen nur am Wochenende. „Zurzeit treffen wir uns dazu etwa zwei- bis dreimal im Monat“, sagt Benjamin Tschirch. Dabei dauert der Brauprozess jeweils 8 bis 9 Stunden. Anschließend muss der Gerstensaft zwei bis drei Tage gären und dann fünf bis sechs Wochen reifen.

Sonnabend: Jubiläumsfeier zum 5-jährigen Bestehen

Am Sonnabend, 30. Juni, feiern Benjamin Tschirch, Phillip Feist und Lennert Zirpel das fünfjährige Bestehen der Hüpscher Werkstatt Bräu. Los geht es um 11 Uhr in der Brauerei in der Straße An der Halbe 24. Besucher können die verschiedenen Biere der drei Freunde testen. Außerdem gibt es eine Hüpfburg für Kinder und Grillgut von der Fleischerei Lange. Ab 15 Uhr wird Kaffee und Kuchen serviert. „Mit dem Fest wollen wir allen, die unser Bier mögen, Danke sagen“, erklärt Lennart Zirpel. „Wir freuen uns wahnsinnig darüber, dass unsere Brauerei und unser Bier so gut angenommen werden.“

Wer will, kann nach Voranmeldung auch bei einem Hüpscher Bier die noch anstehenden WM-Spiele auf einer Großbildleinwand in der Brauerei gucken. Anmeldungen nehmen Benjamin Tschirch, Phillip Feist und Lennert Zirpel unter der Telefonnummer (05045) 45 80 831 entgegen. zer

Einmal in der Woche, jeweils freitags von 17 bis 19 Uhr, öffnen die drei Freunde ihre Privatbrauerei und verkaufen ihre Gerstensäfte. Mittlerweile haben sie nicht nur Kunden aus dem Ort. „Wir haben Abnehmer aus der gesamten Region“, sagt Lennert Zirpel. „Und auch in die USA, nach Spanien und Portugal haben wir unser Bier schon mal verschickt.“

Aber auch bei Dorffesten sind die jungen Männer oft mit einem selbst aufgebauten Brauereiwagen dabei, den sie auch vermieten. Zusätzlich geben sie Braukurse.

Doch obwohl ihre Bier stark nachgefragt sind, bringt der Erfolg für die drei Hüpeder doch einen Wermutstropfen mit sich: Dafür, sich ausgiebig an ihren Erzeugnissen zu laben, fehlt den drei Freunden nun die Zeit. „Seit wir selber brauen, trinken wir viel weniger Bier als davor“, sagt Phillip Feist. „Wenn wir acht bis neun Stunden am Wochenende am Braukessel stehen, sind wir anschließend zu müde, um noch zu feiern“, berichtet auch Benjamin Tschirch. „Da trinken wir dann höchstens noch ein Feierabendbier und fallen dann ins Bett.“

Von Stephanie Zerm

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