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00:17 18.09.2017
Von Tobias Lehmann
Die Mitglieder und Berater des Schulausschusses diskutieren über die Grundschule Pattensen.  Quelle: Tobias Lehmann
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Pattensen-Mitte

"Am Ende der Seifenoper von Pattensen wird jetzt hoffentlich doch alles gut", sagte eine Besucherin am Donnerstag in der fast dreistündigen Sitzung des Schulausschusses in der Aula der Grundschule Pattensen. Mehr als drei Jahre sind vergangen, seitdem der Rat im Juni 2014 das Raumprogramm für die damals noch geplante Sanierung der Grundschule beschlossen hatte. Der Baubeginn wurde wegen unerwarteter Kostensteigerungen immer wieder verschoben.

Vor den Sommerferien dieses Jahres gab die Stadt schließlich eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für drei Varianten in Auftrag: Eine Sanierung der Grundschule, einen Neubau an einem anderem Ort und einen Neubau im Bestand. Letztere Variante wurde von Bürgermeisterin Ramona Schumann kurzfristig noch mit in die Untersuchung aufgenommen, nachdem Ratsherr Georg Thomas (CDU) sich ohne Abstimmung mit dem Pattenser Rat direkt bei der zuständigen Architektenfirma LSM nach dieser Variante erkundigt hatte. Dafür wurde er von verschiedenen Seite kritisiert. Und doch ist es diese Variante, die sich möglicherweise am Ende durchsetzen wird. 

"Für mich war das die große Überraschung dieser Untersuchung", sagte Schumann. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass sich diese Lösung als praktikabel und finanzierbar erweist. Nach den Schätzungen der Firma Sikma wird eine Sanierung rund 11,4 Millionen Euro kosten, ein Neubau im Bestand 12,8 Millionen Euro und ein Neubau an einem anderen Ort 17,3 Millionen Euro. "Die Kosten für einen kompletten Neubau sind für uns als Stadt zu hoch", sagte Schumann. Niemand widersprach.

Jetzt muss der Rat in seiner Sitzung am Donnerstag, 28. September, nur noch über zwei Varianten entscheiden. Im Falle einer Sanierung wird ein Gebäude mit Turnhalle und Mensa neu gebaut und der Klassentrakt saniert. Bei einem Neubau im Bestand wird die Sporthalle sowie ein Gebäude für die Mensa und die Unterrichtsräume neu gebaut. Der Nachteil des Neubaus ist, dass die Umsetzung länger dauern wird. Nach der Studie könnte eine Sanierung am 31. März 2020 abgeschlossen werden, ein Neubau im Bestand erst am 31. Dezember 2020.

Schumann teilte schließlich noch mit, dass die Verwaltung den aktuellen Schulentwicklungsplan im November vorlegen will. Sollte daraus hervorgehen, dass Pattensen dauerhaft eine fünfzügige Grundschule benötigt, können sich die Ratspolitiker gleich auf weitere Planungen einstellen. Denn die Grundschule an der Marienstraße ist als dauerhafte fünfzügige Einrichtung nicht genehmigungsfähig. Eine temporäre Fünfzügigkeit für wenige Jahre sei allerdings möglich.

Details zur Sanierung

Eine Sanierung würde aus drei Bauabschnitten bestehen. Im ersten Abschnitt wird nach den Planungen die Sporthalle abgerissen. An der Stelle wird ein Neubau errichtet. Dort wird die Mensa und der neue Verwaltungstrakt untergebracht. Die neue Sporthalle wird im ersten Obergeschoss errichtet, ein zusätzlicher Gymnastikraum im zweiten Obergeschoss untergebracht. Um die Barrierefreiheit zu garantieren, muss in dem Gebäude ein Aufzug gebaut werden.

Der Sportunterricht könnte während dieses vermutlich ein Jahr dauernden Projekts nicht an der Schule angeboten werden. Die Schüler würden dann voraussichtlich mit Bussen zu den Hallen in Jeinsen und Hüpede gefahren. Im zweiten Bauabschnitt wird der Klassentrakt abschnittsweise saniert. Störungen des Schulbetriebs sind zu erwarten. Im letzten Bauabschnitt erfolgen Umbauten in dem bereits 2010 kernsanierten Altbau.

Durch den relativ großen Bauanteil im Bestand gebe es bei dieser Variante viele Unwägbarkeiten. Zudem können aufgrund der vorhandenen räumlichen Gegebenheiten nicht alle Anforderungen an die Größe der Räume erfüllt werden.

Details zum Neubau im Bestand

Der Neubauanteil in dieser Variante liegt bei etwa zwei Drittel. Das Projekt würde nur aus zwei Bauabschnitten bestehen. Im ersten Bauabschnitt wird die Sporthalle abgerissen und an der Stelle ein zweigeschossiger Neubau mit einem Aufzug errichtet. Dort werden die Mensa, der Verwaltungstrakt und die neuen Unterrichtsräume untergebracht.

Anschließend können die Schüler in den Neubau ziehen. Im zweiten Bauabschnitt wird dann der bestehende Klassentrakt abgerissen und an der Stelle die neue Sporthalle gebaut. Innerhalb dieses Bauabschnitts können zeitgleich Umbauten in dem Altbau umgesetzt werden. Der Sportunterricht könnte in dieser Variante für zwei Jahre nicht an der Schule angeboten werden.

Ein Vorteil wäre, dass der Unterricht während des Projekts nicht so stark gestört wird, da die Schüler aus dem alten Klassentrakt geschlossen in den Neubau ziehen können. Durch den großen Neubauanteil ist die Gefahr unvorhersehbarer Risiken gering. Das Raumprogramm kann mit allen erforderlichen Raumgrößen umgesetzt werden.

Das Modell Totalunternehmer

Die Studie hat zudem ein alternatives Modell zur Umsetzung des Projekts geprüft. Konventionell vergibt die Stadt bei einem Projekt dieser Größenordnung Aufträge an verschiedene Anbieter, die für verschiedene handwerkliche Bereiche zuständig sind. Doch es gibt auch die Möglichkeit eines sogenannten Totalunternehmermodells. Dabei werden die Planung sowie die Sanierung in die Hand eines privaten Auftragnehmers vergeben. Die Stadt hat dieses Modell bereits bei der Sanierung der KGS angewandt. Einer der Vorteile ist, dass es nicht viele verschiedene Ansprechpartner gibt, sondern nur einen, der für alles zuständig ist.

Häufig ergeben sich daraus auch Kostenvorteile. Der Totalunternehmer sucht sich die notwendigen handwerklichen Betriebe in der Regel durch einen Wettbewerb. Dieser regt laut der Studie die Innovationskraft der Betriebe an, was häufig zu Einsparungen führt. So seien bei dem Modell des Neubaus im Bestand sogar Einsparungen bis zu einer Million Euro möglich. Da bei einer Sanierung allerdings die kreativen Möglichkeiten beschränkt sind, seien hier keine Kostenvorteile zu erwarten.

Die Grundschule wird voraussichtlich ihren Standort behalten. Quelle: Tobias Lehmann

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