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00:48 20.04.2018
Die Schüler arbeiten an den Artikeln für den Blog. Quelle: Tobias Lehmann
Pattensen-Mitte

 Selbstständiges Arbeiten anstelle von klassischem Frontalunterricht: In den Profilkursen der Ernst-Reuter-Schule (KGS) Pattensen können sich die Schüler der Jahrgänge sieben bis zehn auf bestimmte Schwerpunkte konzentrieren. An den Kursen nehmen Schüler des Gymnasial-, Realschul- und Hauptschulzweigs gemeinsam teil. Nach der Vorstellung des Profilkurse „Technik“ und „Hauswirtschaft“ endet die kleine Reihe in dieser Zeitung mit dem Kurs „Fake News – Schreiben in Zeiten alternativer Fakten“.

Gleich zu Beginn des Kurses im neunten Jahrgang haben die Lehrer Anja Eckstein und Andreas Ulrich gemeinsam mit den Schülern einen Blog im Internet eingerichtet. Seit dem Sommer vergangenen Jahres sind dort mehr als 70 Artikel zu verschiedenen Themen in deutscher und englischer Sprache erschienen. Der Blog trägt bezogen auf den Namen der Schule den Titel „Ist das unser ERNST?“. „Es ist eine eigenständige Seite, die nicht Teil der offiziellen Homepage der Schule ist“, sagt Ulrich

Im ersten Halbjahr stand das Thema Interview im Vordergrund. Die Schüler haben zum Beispiel den Sportlehrer Thomas Weis zum Bau der neuen Sporthalle befragt oder die Vorsitzende des Fördervereins der Schule, Anke Schneemann, zu den Aufgaben des Vereins. Der 15-jährige Jan hat anonym einen 16-jährigen aus Hannover interviewt, der die illegale Tätigkeit des Rooftoppings betreibt. Anhänger dieses Sports klettern ungesichert auf hohe Türme und Gebäude. Am Ende des Interviews gibt es einen kleinen Konflikt zwischen dem Interviewer und dem Befragten. Der Rooftopper bricht das Interview schließlich mit der Begründung ab, dass er keine kritische Fragen mag. „Es war aber dennoch alles in Ordnung. Wir sind nicht im Streit auseinander gegangen“, sagt Jan.

Viele Themen beschäftigen sich auch mit Themen der Popkultur wie Filmen, Büchern oder Musik. So haben die Schüler zum Beispiel schon die James-Bond-Filmreihe oder die Serie „Thirteen Reasons Why“ vorgestellt. Die beiden Artikel sind in englischer Sprache erschienen. Ulrich, der auch Fachbereichsleiter für das Fach Deutsch ist, sagt, dass der Blog von Beginn an zweisprachig geplant war. „Ich betreue die deutschen Artikel und meine Kollegin die englischen“, erläutert er. Einige Schüler geben dann auch an, dass sie sich speziell für diesen Kurs entschieden haben, weil sie ihre englischen Sprachfähigkeiten verbessern wollen.

Es gibt aber auch Schüler wie den 14-jährigen Tomke, die den Kurs gewählt haben, weil sie die jounalistische Arbeit interessiert. Tomke hat in einem Artikel das Videospiel Fifa 18 vorgestellt. „Das war gar nicht so einfach. Ich musste einen Weg finden, mit dem Artikel diejenigen anzusprechen, die das Spiel kennen und gleichzeitig auch diejenigen, die davon noch nie etwas gehört haben“, sagt er und beschreibt damit eine klassische journalistische Herausforderung. In diesem Halbjahr beschäftigen sich die Schüler mit dem Thema Fake News und wie diese erkannt werden können. „Wichtig ist immer die Überprüfung der Quelle und ob diese vertrauenswürdig ist. Verdächtig ist zum Beispiel, wenn eine Nachricht immer nur auf einer Plattform verbreitet wird“, sagt Tomke. 

Das zweite Thema in diesem Halbjahr ist das Porträt, wie die 15-jährigen Mila, Romy und Ronja erläutern. Jeweils zwei Schüler suchen sich jemanden, den sie porträtieren wollen und bereiten dann die Fragen vor. In dem Interview wird dann eine die Fragen stellen und die andere eher auf die über die Antworten hinaus gehenden Reaktionen achten, so dass ein möglichst umfassendes Porträt erstellt werden kann. 

Der Kurs wird auch im zehnten Jahrgang weiter laufen. Ulrich plant langfristig den Aufbau einer Redaktion mit den entsprechenen Abteilungen. „Ähnlich wie die Strukturierung im Hauswirtschaftskurs soll es auch hier eine Chefredaktion und weitere Bereich geben“, sagt er. Bevor die Artikel online gehen, lesen Ulrich und seine Kollegin Eckstein sie alle noch einmal durch. „Dabei geht es aber nur um eine sprachliche Korrektur. Die inhaltliche Gestaltung bleibt den Schülern überlassen“, sagt er. 

Von Tobias Lehmann

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