Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Pattensen Feuerwehrleute dienten unter strengem Regiment
Umland Pattensen Feuerwehrleute dienten unter strengem Regiment
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:13 29.07.2018
Die Pattenser Feuerwehr im Jahr 1912 beim Gauverbandstag. Quelle: Feuerwehr Pattensen
Anzeige
Pattensen-Mitte

Bevor die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, hatten die Pattenser den Bränden kaum etwas entgegen zu setzen. Mit ledernen Löscheimern, die von Hand zu Hand weitergereicht wurden, versuchten sie, die Flammen zu bekämpfen. Die Anstrengungen waren allerdings meist vergebens. Mehr als 200 Wohnhäuser und rund 350 Ställe fielen bei Großbränden in den Jahren 1655 und 1733 den Flammen zum Opfer. Dabei starben auch mehrere Menschen. Um die Stadt besser zu schützen, gründeten 49 Männer am 28. Oktober 1893 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Franke die Freiwillige Feuerwehr Pattensen.

Pattensens Ortsfeuerwehr feiert ihr 125-jähriges Bestehen.

Hermann Diete wurde zum Commandanten gewählt - und blieb es bis 1902. An ihn erinnert heute noch der Name der Zufahrtsstraße zum Gerätehaus. Dabei führte Commandant Diete ein strenges Regiment. Jeden ersten Sonntag im Monat mussten die Freiwilligen Feuerwehrleute um 6 Uhr morgens antreten. Um 5.30 Uhr wurde bereits zum Antreten geblasen. Dabei konnten die Feuerwehrleute von elektronischen Pipern nur träumen. Stattdessen alarmierten bei Bränden und Übungen mehrere in den Straßen postierte Hornisten ihre Kameraden. Wer zu den Übungen nicht erschien, musste 1 Mark Strafe bezahlen, wer dreimal im Jahr unbegründet fehlte, wurde aus der Wehr ausgeschlossen.

Vor den Übungen wird exerziert

Je nach Jahreszeit wurden die Versammlungen ab 1900 auch Sonntagnachmittags abgehalten. Bereits eine Stunde vor den festgelegten Übungszeiten mussten sich die Mitglieder der Feuerwehr dann zum Exerzieren einfinden. Außerdem wurde zweimal im Jahr vor der Generalversammlung eine Inspektion abgehalten, bei der alle Feuerwehrleute ihre Ausrüstungsgegenstände dem Kommando vorlegen mussten.

1929 erhielt die Pattenser Ortsfeuerwehr ihre erste Motorspritze auf einer zweirädrigen Lafette. An den Seiten der Lafette waren Haspeln für B- und C-Schläuche sowie Halterungen für Strahlrohre, Verteiler und Saugschläuche angebracht. Bei Einsätzen und Übungen im Ort wurde sie gezogen, bei Bränden außerhalb konnte ein Kleinlastwagen davor gespannt werden.

Den größten Fortschritt in der Brandbekämpfung brachte der Anschluss Pattensens an das Wasserleitungsnetz der Harzwasserwerke 1936. Etwa alle 200 Meter wurden Hydranten gesetzt, so dass die Feuerwehr nicht mehr auf Bäche und Brunnen angewiesen war. Handwerker bauten mit Standrohr, Schlüssel, Schläuchen, Verteilern und Strahlrohren ausgerüstete Löschkarren, mit denen erste Löschangriffe möglich waren.

Zur Ausbildung wurden nun immer mehr Feuerwehrleute zur Landesfeuerwehrschule in Celle geschickt.

1945 zerstören Bomben das Gerätehaus 

Während der Kriegsjahren 1939 bis 1945 verursachten Bomben oder abstürzende Flugzeuge mehrere Brände in Pattensen. Am 8. April 1945 wurde auch das Gerätehaus neben dem Ratskeller zerstört. Die Tragkraftspritze wurde nur leicht beschädigt und konnte schnell repariert werden. Die Löschkarren waren auf verschiedene Stellplätze verteilt, so dass sie einsatzbereit blieben.

Am 1. September 1948 wurde das neue Gerätehaus neben der Grundschule eingeweiht. Einen Großteil der Arbeiten hatten die Feuerwehrleute in Eigenarbeit erbracht. Die Steine für den Neubau hatten sie mit Pferd und Wagen aus den Trümmern in Hannover geholt. Mit dem neuen Gerätehaus schafften sie gleichzeitig auch eine Unterbringungsmöglichkeit für ein Löschgruppenfahrzeug. Dieses wurde dann drei Jahre später, 1951, angeschafft.

Wurde die Feuerwehr bislang hauptsächlich zu Bränden gerufen, kamen in den 1970-er Jahren auch Verkehrsunfälle und technische Hilfeleistungen dazu. Dies machte die Anschaffung von technischen Geräten notwendig. Mit ihnen ist die Wehr seitdem in der Lage, eingeklemmte Personen schnell und sicher aus Autowracks zu befreien.

Gerätehaus zählte zu modernsten in Niedersachsen

Mit der Gebietsreform 1974 erfolgte ein Zusammenschluss mit Hüpede, Jeinsen, Koldingen, Oerie, Reden, Schulenburg und Vardegötzen.

Da die Zahl der Einsätze kontinuierlich stieg, wurde 1979 eine gebrauchte Drehleiter von der Berufsfeuerwehr Berlin erworben. Das alte Löschgruppenfahrzeug wurde 1984 durch ein neues ersetzt, außerdem wurde ein LT 28 angeschafft, das die Feuerwehr zum Gerätewagen ausbaute. Da das Gerätehaus an der Marienstraße nun für alle Fahrzeuge und Geräte nicht mehr ausreichte, musste ein Teil in angemieteten Scheunen untergestellt werden.

1986 wurde der Grundstein für den Neubau eines Gerätehauses auf dem „Steintoranger“ gelegt. Im September 1987 überreichte der damalige Bürgermeister Horst Morawitzky Ortsbrandmeister Otto Müller den Schlüssel dafür. Damals war es eines der modernsten Gerätehäuser in Niedersachsen.

1995 übernahm die Ortsfeuerwehr vom aufgelösten Katastrophenschutzzentrum Lehrte ein Dekontaminationsfahrzeug mit Anhänger sowie ein Erkundungsfahrzeug. Seitdem rückt sie auch zu Katastrophenschutz-Einsätzen aus.

78 Männer und Frauen gehen für Pattensen durchs Feuer

Heute hat die Ortsfeuerwehr Pattensen insgesamt 529 Mitglieder. Davon sind 78 in der Einsatzabteilung aktiv. Die 71 Männer und sieben Frauen sind immer da, wenn es brennt, ein Unfall passiert oder jemand in Not ist. Weitere 14 Mitglieder sind in der Altersabteilung, 20 in der Jugend- und 26 in der Kinderfeuerwehr. Außerdem hat die Pattenser Ortsfeuerwehr 391 passive Mitglieder, die sie mit ihren regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen unterstützt. 2016 ist zusätzlich ein Förderverein gegründet worden, der zurzeit 90 Mitglieder hat und der Feuerwehr mit Sachspenden hilft, die die Stadt nicht finanziert. Unter anderem hat er bereits Handschuhe für die Jugendfeuerwehr, einheitliche T-Shirts, Helmlampen und eine Übungspuppe gespendet. Nachwuchssorgen hat die Ortsfeuerwehr kaum. 77 Prozent der Mitglieder der Einsatzabteilung stammen aus der Jugendfeuerwehr Pattensen.

Im vergangenen Jahr rückte die Einsatzabteilung insgesamt 53 Mal aus. Für die Einsätze steht eine Flotte von acht Fahrzeugen zur Verfügung, darunter auch eine Drehleiter. In den vergangenen Jahren wurde der Fahrzeugpark nach und nach modernisiert. In diesem Herbst soll eines der drei Löschfahrzeuge, das bereits 34 Jahre auf dem Buckel hat, durch ein neues ersetzt werden – ein lang erwartetes Geburtstagsgeschenk.

Feuerwehr feiert mit allen Bürgern

Ihr 125-jähriges Bestehen will die Pattenser Ortsfeuerwehr mit allen Bürgern feiern. Dazu lädt sie für Sonnabend, 18. August, ab 11 Uhr ins Gerätehaus am Commandant-Diete-Weg 1 zu einem Tag der offenen Tür ein. Dabei gibt es unter anderem eine Kinderrallye und zahlreiche Spielstände. Besucher können sich die Feuerwehrfahrzeuge ansehen und kostenlos ihre Fahrräder codieren lassen. Außerdem ist das VGH-Brandschutzmobil vor Ort. Bei einer Tombola können Besucher tolle Preise gewinnen, unter anderem eine Tagesfahrt nach Berlin, Drehleiterrundfahrten und einen Kaffeevollautomaten. Zwischen 14 und 16 Uhr spielt der Musikverein. Außerdem gibt es eine Feuerwehrmodenschau. Zur Stärkung serviert die Feuerwehr Gegrilltes sowie Kaffee und Kuchen.

Eine Woche später, am Sonnabend, 25. August, steht dann eine große Jubiläumsfeier im Gerätehaus an. Nach einer Kranzniederlegung um 17.30 Uhr findet ab 18.30 Uhr der Kommers statt. Ab 20.30 Uhr gibt es Musik und Tanz für Jedermann mit DJ Nick. Der Eintritt ist kostenlos.

Von Stephanie Zerm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Trotz der Sommerhitze, bleibt der Run auf Pattenser Bad aus. Sorgen macht zudem die Verschiebung von Sanierungsprojekten.

27.07.2018

In den kommenden Monaten werden die Ratsparteien in Pattensen über die Straßenausbaubeitragssatzung diskutieren. Die SPD-Abteilung Pattensen hat jetzt Gedanken zu dem Thema veröffentlicht.

29.07.2018

Reihum macht die Sommerkirche in den Ortsteilen Station. Sie war ein Erfolg in Koldingen und kommt am Sonntag, 29. Juli, 10 Uhr, zu St. Lucas in Pattensen.

26.07.2018
Anzeige